Von der Schule in Oberndorf I

Schon aus dem 13. Jahrhundert liegen urkundliche Belege vor für die Existenz von Pfarrschulen auf dem Land, selbst in unbedeutenden Dörfern. In Oberndorf mag zu dieser Zeit einer der Altaristen, die sich hier neben einem Pastor und einem Pleban (von der Ortsgemeinde unterhaltener Priester) befanden, den Schulunterricht besorgt haben. Gesicherte Erkenntnisse über diese Zeit liegen bislang nicht vor, jedoch darf als sicher angenommen werden, dass dort, wo – wie in Oberndorf – sich ein zweiter Pfarrer oder Glöckner nachweisen lässt, Unterricht erteilt wurde.
Anfang des 16. Jahrhunderts entstanden jedenfalls viele neue Schulen auf dem Land. Das Schulwesen war noch kein Gegenstand staatlicher Fürsorge, vielmehr oblag es den Kirchen. Diese Schulen wurden nicht eigentlich gegründet, sondern sie erwuchsen als lokale Dienstleistung nach örtlichem bzw. regionalem Bedarf.
Schon „vorhandene“ Küster bzw. Glöckner erlebten einen „Funktionswandel“, der sie zu Schulmeistern werden ließ. In den Dorfschulen wurde neben der Erklärung des Katechismus vor allem das Lesen betrieben.
Schulen waren grundsätzlich von den örtlichen Möglichkeiten abhängig. Entscheidend dafür, das sich am Ort eine Dorfschule bilden und halten konnte, war der jeweilige Bedarf an Bildung, insbesondere an elementaren Techniken schriftlicher Kommunikation, zum Teil unter Einschluss des Lateinischen, seltener des Rechnens.

Auch in Oberndorf scheint es zu dieser Zeit  Bedarf an Schule und Bildung gegeben zu haben:

Man weiß, dass nach Einführung der Reformation die Erträge der eingezogenen katholischen Kirchengüter in aller Regel wenigstens zum Teil für die Besoldung protestantischer Schuldiener bestimmt wurden.
Für das Jahr 1578 ist bekannt, dass der Oberndorfer Glöckner für die Kirchturmuhr zu stellen und Mittags die Glocke zu läuten im Jahr von der Gemeinde 1 Gulden 1 Albus erhielt und zu dem für das Amt des Glöckners aus dem Zehnt der Kirche 14 Albus, 1 Fuder Wein, 1,5 Malter Korn, 3 Malter Spelz und Hafer sowie Brot (ein Malter = ca. 110 Liter): „Eines Glockners zu Oberndorff jerliche nutzung an gelt Item 1 gulden 1 albus ime jars die gemeind von der auhrn zu stellen und mittags glocken zu leutten; Item 14 albus geben ime jars die juraten aus der Kirchen an zehenden:Item das glockampt hat ein besondern zehenden derselbe mag zu gemeinen gulten jaren ungeverlich ertragen 1 Fuder wein, 1,5 malter Korn, 3 malter speltz und habern. Item glockner hat auch ein gang brodes mag ungeverlich uff 5 Schilling Korn wert sein“. Leider ist nicht ersichtlich, ob dieser Glöckner zugleich Schuldiener war oder ob damals keine Schule (mehr) bestand. Jedenfalls wissen wir daraus, dass damals die Kirche mit einer Uhr ausgestattet war und in Oberndorf Weinbau betrieben wurde. Auch ist erstaunlich, welche Menge Wein der Glöckner erhielt; 1 Fuder entspricht 6 Ohm, dies sind 960 Liter, im Ergebnis dürfte in der Familie des Glöckners täglich 2 bis 3 Liter Wein getrunken worden sein. Rechts vom Eingang der Kirche stand ehemals das Glöcknerhaus in dem auch der Schulunterricht stattfand. Dazu gehörte ein Pflanzgarten und ein oberhalb des Kirchhofes gelegenes Wiesenstückchen. Das Glöcknerhaus  wurde, nachdem das heute noch stehende Schulhaus erbaut war, 1856 abgerissen.

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Wohl Standort des ehemaligen Glöcknerhauses mit Schulfunktion

Der erste -indirekte – Nachweis einer evangelischen Schule in Oberndorf ergibt sich aus einer Beschwerde vom 3. Juli 1700 über eine neuerliche Reduktion unter den „Bedienten“. Unter Bezugnahme auf eine nicht näher bezeichnete Specification, die verschiedenen Schuldienern aufs Neue alle Besoldungen abspricht, welche eo ipso reduzieret sei, war für Schuldiener in der Kurpfalz keine Besoldung angewiesen worden. Unterzeichnet war die Beschwerde unter anderem von dem Schulmeister zu Oberndorf im Amt Alzey, einem Herrn Jacob Sunerns. Mutmaßlich handelt es sich bei diesem Herrn Sunerns um den Lehrer der evangelischen Schule.

Für eine katholische Schule findet sich erstmals  in einem kurpfälzischen Immissionsschein vom 29. März 1707 ein Hinweis. Dieser Immissionsschein – ein Dokument der gerade stattfindenden kurpälzischen Kirchenteilung – ließ die Kirche in Oberndorf samt Pfarr- und Schulhaus, auch Pfarrgüter, Renten, große und kleine Zehnten, soviel vorhanden und anno 1685 vom Pfarrer und Schulmeister salarii  loco genossen worden, den Reformierten zufallen. Demnach muss  im Jahr 1685 auch schon eine katholische Schule in Oberndorf bestanden haben. Da das Schulgebäude (das Glöcknerhaus) an die Reformierten fiel, errichtete die katholische Kirchengemeinde ein neues Schulgebäude und zwar links am Ende der vom Kirchberg abzweigenden „Schulgasse“.

 

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Einmündung der Schulgasse in den Kirchberg

Das den Evangelischen durch die Kirchenteilung zugefallene Schulhaus – das Glöcknerhaus –  scheint sich jedoch in einem derart schlechten Zustand befunden zu haben, das man sich alsbald nach Ersatz umsah. Man wurde fündig und nutzte das im Gemeindeeigentum stehende Hirtenhaus, mutmaßlich im Hirtengässchen (Heerdegässje) befindlich. Jedenfalls wandte sich der damalige katholische Pfarrer Johann Hiel 1739 mit einer Beschwerde an den Kurfürsten, in der er bemängelte, dass die reformierte Gemeinde zu Oberndorf ein gemeines (gemeindeeigenes) Hirtenhaus für sich privativ unter dem Namen Schulhaus zueigne, obwohl dieses nicht zur Kirchenteilung gehörte und ohne dass die Katholiken und Lutheraner ein Äquivalent von der Gemeinde erhielten. (Anmerkung: erst 1818 schlossen sich Reformierte und Lutheraner zusammen und bilden seitdem die vereinigte protestantisch evangelische christliche Kirche der Pfalz). Dieses Hirtenhaus diente allerdings nur phasenweise, nämlich während der Renovierung(en) des Glöcknerhauses als Schulhaus.

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Ortsplan von 1843 mit Hirtengasse und Schulhaus (gelb markiert)

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letztes Überbleibsel des ehemaligen Hirtenhauses und Schulgebäudes im „Heerdegässje“, die Türpfosten.

Ende des ersten Teils.

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