Von Strom und Stromern 2. Teil

Schon früher hatte sich Schuhmacher mit dem Alsenzer Stefan Bühl zusammen getan und – um angesichts seiner sich abzeichnenden Zahlungsunfähigkeit das E-Werk aus einem Konkursverfahren heraus zu halten – die Elektrizitätswerke Alsenz-Oberndorf GmbH gegründet. Dementsprechend überlebte auch das E-Werk den (privat-) Konkurs des Herrn Schuhmacher. Dessen Gesellschaftsanteile wurden offensichtlich von Stefan Brühl übernommen. Trotzdem blieb die Gesellschaft in wirtschaftlich schwerem Fahrwasser, zumal im Jahr 1900 die Batterieanlage des Werkes fast vollständig zerstört wurde.

Schließlich sieht Stefan Brühl keine Zukunft mehr für das Werk und verkauft es 1903 zum Preis von 120.000,00 Mark an einen Herrn Hoffmann aus Wiesloch.

Mit Hoffmann begann ein anderer Wind in dem Unternehmen zu wehen.

Georg Hoffmann wollte den Absatz seines Elektrizitätsbetriebes auch auf Gemeinden wie Gaugrehweiler, Oberhausen, Münsterappel und Gerbach ausweiten. Mannweiler hatte er schon 1904 an sein Werk angeschlossen, ab 1907 wurde Obermoschel mit Strom beliefert. Zur Verwirklichung seiner Pläne kaufte er im August 1905 auch das E-Werk Rockenhausen.

Ehemalige Transformarorenstation des E-Werks, heute als Wochenendhaus genutzt.

Ehemalige Transformatorenstation des E-Werks, heute als Wochenendhaus genutzt.

Zur Verwirklichung dieser Pläne brauchte Hoffmann aber dringend Geld. Geld welches er in der erforderlichen Menge nicht aus dem laufenden Betrieb erwirtschaften konnte und das auch nicht von den ortsansässigen Banken und Sparkassen zur Verfügung gestellt wurde.

Dieses Problem wurde schon damals wie heute gelöst.

Im Sommer 1909 klopfte die Elektrizitätsgesellschaft Schuckert und Co. in Nürnberg über ihre Tochter, die Rheinische Schuckert-Gesellschaft (RSG) in Mannheim, in Oberndorf an.

Diese erwarb von dem Eigentümer Georg Hoffmann die beiden Elektrizitätswerke Alsenz-Oberndorf und Rockenhausen. Im Rahmen dieses Erwerbs wurde die GmbH in eine Aktiengesellschaft, nämlich die Elektrizitätswerke Alsenzthal AG mit Sitz in Oberndorf, umgewandelt.

Hoffmann selbst blieb Betriebsleiter.

Die AG gab die Zentrale in Rockenhausen auf und veräußerte das dortige Elektrizitätswerk als Mühle. Die Rockenhausener Leitungen und Anschlüsse wurden an die Zentrale in Oberndorf angeschlossen. Auf diese Weise gelang es auch, die übrigen zwischen Oberndorf und Rockenhausen gelegenen Orte an das Leitungsnetz anzuschließen und mit elektrischer Energie zu versorgen. Georg Hoffmann blieb als Direktor in der Zentrale in Oberndorf. Das Elektrizitätswerk Oberndorf behielt jedenfalls seine Selbständigkeit und belieferte im Jahr 1910 in seinem Versorgungsgebiet ca. 5000 Einwohner mit elektrischer Energie. Die Generatoren hatten eine Leistung von 120 kW. Im Jahr 1908 waren angeschlossen ans Netz 2225 Glühlampen und Elektromotoren mit einer (gesamt-) Leistung von 27 kW. Der Strompreis je kW/h Lichtstrom belief sich auf 0,50 Mark.

Am 17. Dezember 1912 kam es aus übergeordneten Gründen (insbesondere wegen des Energiebedarfs noch nicht versorgter Städte und mehrerer großer Industriebetriebe) zur Gründung der Pfalzwerke AG. An deren Gründung war die Rheinische Schuckert-Gesellschaft mit 2.000.000,00 Mark Aktienkapital beteiligt. Diese 2.000.000,00 Mark Kapitaleinlage wurden teilweise in Form von „Naturaleinlagen“ erbracht. Die Elektrizitätswerke Alsenzthal AG in Oberndorf wurde jedenfalls als Kapitaleinlage in die neu gegründete Pfalzwerke AG eingebracht. Sie firmierte als Tochterunternehmen der Pfalzwerke rechtlich selbstständig weiter unter dem Namen „ELEKTRIZITÄTSWERKE ALSENZTHAL AG (EWA)“, allerdings nunmehr mit Sitz in Ludwigshafen.

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Mit dem Bau einer Verbindungsleitung von Kaiserslautern (über Oberndorf) zu dem Versorgungsgebiet der RWE im Jahr 1926 wird die Stromproduktion in Oberndorf endgültig eingestellt und nur noch Umspannung und Verteilung betrieben.

Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass die Oberndorfer Elektrizitätsbetriebe die Elektrifizierung und damit den Weg in die Industriegesellschaft in der Nordpfalz begleitet und in vielen Fällen erst ermöglicht haben.

Diese Entwicklung setzte sich auch nach dem zweiten Weltkrieg fort.

Durch die rasante Verbreitung von elektrischen Geräten in den Haushalten, angefangen beim Kühlschrank über den E-Herd bis zu Föhn, Rasierapparat, Fernsehgerät etc. kam die elektrische Infrastruktur bald an ihre Kapazitätsgrenze. Der Bau eines neuen Umspannwerkes wurde erforderlich. 1952 erfolgten Bau und Inbetriebnahme des neuen Umspannwerkes Oberndorf, welches die Altanlagen westlich der Alsenz ersetzte.

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Beim Bau des neuen Umspannwerkes

Beim Bau des neuen Umspannwerkes

Vorerst verblieb die Verwaltung der Bezirksstelle samt Werkstätten, Garagen und Büros auf dem Gelände des „alten Werks“. Nach dem aber das neue Umspannwerk fertig gestellt war, erfolgte ende der 1960er Jahre in südlicher Fortsetzung zum neuen Umspannwerk auch der Neubau von Büros, Werkstätten, Garagen und Werkswohnungen. Nach dem Umzug wurde das „alte Werk“ demontiert und die Gebäude verkauft. Diese dienen heutzutage der Wohnnutzung.

Die Belegschaft der Bezirksstelle Oberndorf der Pfalzwerke AG wohnte zum Teil in Werkswohnungen auf dem neuen Werksgelände, zum Teil in Oberndorf bzw. in weiteren Nachbardörfern. Das Verhältnis der Bevölkerung zu den „Pfalzwerkern“ war spannungsfrei und gut, unvergessen sind die Besuche der Werksbelegschaft, die zu diesem Zweck Sonderurlaub erhielt, Kerwemontags in der Gemeindehalle. Die Gemeinde Oberndorf selbst hatte großen Nutzen von der Bezirksstelle. Flossen durch diese doch in erheblichem Umfang, bedingt durch die relativ große Anzahl der Arbeitsplätze, Gewerbesteuern in die Gemeindekasse. Nicht zuletzt dadurch wurde auch der Bau der Gemeindehalle Oberndorf ermöglicht.

Schluss folgt

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