Kriegschronik von Oberndorf Teil IX

Mitteilungen aus Briefen der Kämpfer I.

Wachtmeister im 5. bayerischen Feldartillerieregiment, Sebastian Friedrich aus München, Schwiegersohn des Schreiners Wolfänger aus Oberndorf stellte folgenden Bericht zur Verfügung:

Nach dem am 2. August die offizielle Kriegserklärung erfolgt war, begann überall in den Kasernen eine fieberhafte Tätigkeit. Die Mannschaften wurden vollständig eingekleidet, die Pferde, Geschütze und Fahrzeuge wurden hergerichtet und kriegsmäßig beladen. Am 7. August war die Batterie marschbereit und am 8. August 2 Uhr erfolgte der Abmarsch aus der Kaserne, nach dem vorher von Weib und Kind Abschied genommen war. In der Nacht erfolgte das Verladen der Geschütze und Pferde und um 5 Uhr morgens der Abmarsch aus Landau. Die Mannschaften wurden am Bahnhof vom Roten Kreuz bewirtet, die Wagen, mit Kränzen geschmückt, machten einen festlichen Eindruck. Überall herrschte große Begeisterung. Sehnte sich doch jeder Soldat, baldmöglichst an den Gegner zu kommen.
Um 5 Uhr nachmittags kamen wir mit 6 Fliegern in Falkenberg an. Hier herrschte allgemeine Begeisterung, als man von dem Siege der Kavalleriedivision bei Lagarde hörte, Gesang des Liedes „Deutschland, Deutschland über alles“! Marsch nach Bischdorf. Hier Aufenthalt bis Montag, 9. August früh. An diesem Tag wurde ein Mann erschossen, der auf Soldaten schoß. Vom 2. Batallion des 17. Infanterieregiments wurde Amelecourt eingeäschert, weil von der Bevölkerung 7 Mann verwundet worden waren, darunter einer tödlich. Am 10. August früh 2 Uhr Abmarsch nach Gerbecourt, hier wurde die Abteilung dem 6. Infanterieregiment zur Verfügung gestellt. Mann und Pferd hatten viel unter Durst zu leiden. Die 3. Division hatte den Abschnitt Delme – Chateau Salines zu sicher. Ich mußte nach Hamport fahren, um Lebensmittel zu fassen. Die Ortschaften waren meißt aus Furcht vor Beschießung verlassen. Die Bewohner sprachen meist französisch. Meine an der Berlitz-School erworbenen Kenntnisse im Französischen konnte ich sehr gut verwenden.
Am 17. August Aufenthalt im Quartier. Hier wurde der Tagesbefehl der 3. bayerischen Infanteriedivisionbekannt gegeben, der also lautete:
Divisionstagesbefehl
„Soldaten der 3. Division! Kameraden, jetzt gehts los. Wir stehen vor dem Feinde, der ruchlos unser Vaterland bedroht. Lang genug und mit Aufbietung aller Kräfte haben Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften gearbeitet. Vertrauensvoll können wir den kommenden Ereignissen entgegensehen mit Zuversicht und Gottvertrauen. Wer uns angreift, der soll mit dem Bajonett im Leibe dafür büßen. Für Deutschlands Größe und unseres eigenen Vaterlandes Ruhe setzen wir den letzten Blutstropfen ein, das vertraue ich“,
von Breitkopf, Generalleutnant und Kommandeur der 3. bay. Infanteriedivision.

Am 19. August Quartierwechsel nach Varey. Hier wurde die Batterie zum Schutz der 6. Infanteriebrigade detachiert. Am 18. August früh 4 Uhr Abmarsch der Bagage nach Hubedingen. Die Kolonne fast 4 km lang. Gegen Mittag setzte die erste heftige Kanonade bei Chateau – Salines ein. Der Gegner hatte starke Erdwerke errichtet und die Erstürmung derselben hätte uns viel Blut gekostet, deshalb wurde von Seiten der Oberleitung der Rückmarsch befohlen. Wirkt auch der Rückzug niederdrückend auf manchen Mann, so mußte er doch befohlen werden aus strategischen Gründen, wollte man doch die Franzosen aus ihren Maulwurfslöchern herauslocken und ihnen eine Falle stellen. Das war der erste große Sieg für die Franzosen, wie man in französischen Zeitungen lesen konnte, aber ohne Schuß. Starke Infanteriemassen folgten uns. Bei Mörchingen nahm die Division Stellung und konnte getrost der Annäherung des Feindes harren. Um 3 Uhr nachmittags am 18. August wurde kehrt gemacht nach Varey. Um 5 Uhr setzte heftiger Regen ein. Nachts 11 Uhr kamen wir vollständig durchnässt dort an. Ich schlief auf meinem Futterwagen und fror wie ein Sperber. Doch lange sollte mein Schlaf nicht dauern, denn um 12 Uhr 30 wurde ich wieder durch unsere Batterie-Dienstwache, Einjähriger Naumann, geweckt. Ich mußte noch meinen Wagen abladen, um füttern zu können. Um 2 Uhr Nachts Abmarsch der Bagage (Lebensmittel und Futterwagen) nach Helliner-Diefenbach (62 km). Hier traf ich wieder die ersten Einwohner die deutsch sprachen. Ein echtes deutsches Dorf. Erleichtert konnte man wieder aufatmen, wußte man doch, daß die Einwohner nicht feindlich gesinnt waren, wie die von den welschen Ortschaften. In Hampont wurde aus einem Haus, das noch im Bau begriffen war, auf zwei deutsche Soldaten geschossen, worauf es sofort angezündet wurde. Ein anderes wurde niedergelegt. Hier nahm S.M. König Ludwig III. von Bayern den Vorbeimarsch seiner siegreichen Truppen am 19. September entgegen. Es machte auf die Truppen einen tiefen Eindruck den großen König, die Mütze auf dem Haupt, den Marschallstab in der Rechten, zu sehen. Um 10 Uhr 30 kamen wir in Helliner an, wo auf der Straße abgesessen wurde. Unterkunft fanden wir in Finkbach. Um halb 8 abends waren wir marschbereit und gingen in strömendem Regen nach Wintringen. Dahin wurden die Lebensmittel verbracht und dann nach Diefenbach zurückgeliefert. Hier teilte ich das Quartier mit 1 Unteroffizier und 2 Mann. In Rohrbach hatten wir Festungstag. Da durch eine abgeworfene Fliegermeldung der Anmarsch mehrerer Divisionen aus Nancy gemeldet wurde, wurde erhöhte Marschbereitschaft angeordnet. Um 6 Uhr Abends gings auf Mörchingen, wo wir um 10 Uhr in Kasernen ankamen. Auf der Straße Berg – Soontücken wurden die Lebensmittel ergänzt, dann der Rückmarsch auf Ersdorf angetreten, wo wir um 1 Uhr ankamen. Bis 6 Uhr konnten wir schlafen. Dann mußten wir uns wieder marschbereit machen. 18. August. 5 Uhr nachmittags Abfahrt zur Feuerstellung, in der wir um 1 Uhr nachts anlangten. Die Batterie stand 2 km nördlich Mörchingen. Um 1 Uhr 30 nachts eröffneten die Franzosen ein heftiges Feuer. Salve folgte auf Salve, die Maschinengewehre traten in Tätigkeit. Bei der Batterie erfuhr ich, daß Unteroffizier Friedrich durch einen Schuß ins Becken verwundet worden war. Dieser Tag war für die Batterie ein sehr heißer, den ganzen Tag war sie heftigem Artilleriefeuer ausgesetzt, das aber infolge des schlechten Schießens der Franzosen nur wenig Schaden zufügte. Auf der Rückfahrt nach Pertring sahen wir die feindlichen Stellungen südlich Mörchingen. Einen schauerlich schönen Anblick boten die zwei brennenden Dörfer in der Nähe von Mörchingen. Turmhohe Feuersäulen stiegen zum Himmel. Auf der Straße trafen wir viele Flüchtlinge aus Mörchingen, welche den Ort verließen, weil nachmittags eine französische Granate einschlug und 1 Frau und 2 Kinder tötete. In Parting bezogen wir Unterkunft. Schon früh morgens begann eine heftige Kanonade. Um 5 Uhr 30 angekommen legte ich mich schlafen. Kaum war ich 5 Minuten gelegen, da weckte mich meine Hausfrau mit der Nachricht, es würden französische Gefangene durch den Ort geführt. Nichts wie in die Hosen, um sie zu sehen, aber leider Gottes es waren verwundete Deutsche. Leute vom 17. und 18 Infanterie- und 5. Reserveregiment.
19. August. Den ganzen Tag und die Nacht gefahren. Weder Mann noch Pferd fanden Ruhe und fast nichts zu essen.
20. August. Erste siegreiche Schlacht der Bayern auf der ganzen Linie, fluchtartiger Rückzug des Feindes gegen Chateau-Salines. Viele Opfer hat es die braven Bayern gekostet, um so größer der Ruhm und die Ehre. Besonders hatten die Jäger, das 18. und das 5. Reserveregiment gelitten. Das 18. Regiment schmolz auf 2 Batallione zusammen. Von mancher Kompanie kehrten nur 80 – 90 Mann unverwundet zurück. Noch größer waren die Verluste des Gegners. Haufenweise lagen die Franzosen in den Schützengräben. In einem zählte man annähernd 700 Mann. Sobald die Kolonnen aus dem Wäldchen vorbrachen, wurden sie von unseren Maschinengewehren und Kanonen niedergemäht. Besonders hatten die 1. und 2. Batterie des 5. bayerischen Feldartillerieregiments große Erfolge beim Beschießen der feindlichen Infanterie. Immer wieder drangen neue feindliche Kräfte vor, aber auch sie verfielen dem Schicksal ihrer Kameraden. Mit ihren roten Hosen boten sie unseren Schützen ein gutes Ziel. Gegen Nachmittag war die feindliche Macht gebrochen und nun gab es kein halten mehr. Der Rückzug artete zu wilder Flucht aus. Jetzt trat die gesamte Artillerie und das Maschinengewehr in Tätigkeit und brachte den Fliehenden schreckliche Verluste bei. Das ganze Schlachtfeld war ein großer Friedhof. Tausende von Toten bedeckten das Feld, ebenso auch Verwundete. Ein Bild des Jammers und des Elends. Schwerverwundete baten, man möchte sie doch durch eine Kugel von ihrem Leid erlösen. Hier konnte man die Schrecken des Krieges in ihrer ganzen Fürchterlichkeit kennen lernen. Hier lag ein Hauptmann, den Säbel in der Rechten, den Revolver in der Linken, gefallen als er seine Kompanie zum Sturm vorführte. Dort zerschossene Fahrzeuge und tote Pferde, alles durcheinander. Die Verfolgung wurde sofort aufgenommen.
22. August. Die zweite Schlacht fand 1 km südlich von Mairi statt. Es kostete wieder viele Opfer, aber der Sieg war unser. Hier traten auch die französischen Schiffsgeschütze in Tätigkeit, welche große Verheerungen anrichteten. Schrecklich verstümmelte Leichen fand ich, war nicht zu beschreiben. Luneville gefallen. Allgemeine Begeisterung. Mußte später aber wieder geräumt werden. Quartier in Athionville. Erstes Bett nach 10 Tagen. Luneville mit ca. 10 000 Einwohnern ist sehr eintönig gebaut, macht einen wenig guten Eindruck, Garnisonsstadt. Schönes Schloß mit Kasernen, in deren Mitte das Denkmal eines französischen Generals stand. Athionville war über die Hälfte abgebrannt. Die Läden und Wohnungen von den Franzosen geplündert und fast alles verwüstet. Unsere Leute taten sich gütlich an französischem Wein. Schön war der Anblick, als die ersten gefangenen Franzosen an uns vorüberzogen. Um so trauriger der der Verwundeten, die auf Wagen vorbeigefahren wurden.
23. August. Am Nachmittag fand die Beerdigung der bei Mairi Gefallenen statt. Zuerst sprach der katholische Feldgeistliche Dr. Fooh, dann der protestantische Pfarrer Kleinmann. Beide hielten herzergreifende Ansprachen. Kein Auge der anwesenden Krieger, ob Offizier oder Mann, blieb ohne Tränen.
24. August. Gefecht bei Remenoville. Hier Ruhmestag der Batterie. Schrecklich die Verluste, doch größer der Ruhm und die Ehre. Leutnant Regula, Vizefeldwebel der Reserve Schulze, 6 Unteroffiziere und 20 Mann teils schwer, teils leicht verwundet. 2 Gefreite mußten als nicht transportfähig zurückgelassen werden und fielen in französische Gefangenschaft, wo sie leider später starben. Hier fiel auch Fähnrich Breith aus Zweibrücken, Kanonier Keller und Dr. Janson. Mögen sie selig ruhen in fremder Erde.
25. August. Gefecht bei Saboville. 28. und 29. August Fortsetzung des selben. Auch hier hatte die Batterie größere Verluste. Starkes Granatfeuer den ganzen Tag. Wir hatten ein schönes Bett gebaut für Oberleutnant Müller und mich. Als am Nachmittag ein starkes Schießen begann, mußten wir unsere Befestigung schnellstens verlassen, um tiefer im Wald Schutz zu suchen.
1. September. Fortsetzung der Gefechte bei Framboise. Kanonier Eberle hatte einen Wagen und Küchengeschirr aufgetrieben, wodurch wir in den Besitz einer fast vollständigen Küchenausrüstung kamen, Stühle fehlten uns.
2. September. Fortsetzung des Gefechts. Heftiger Regen setzte ein. Kein Mann durfte sich dem Gegner zeigen, denn sofort folgte ein Hagel von Geschoßen. Während unseres hiesigen Aufenthalts mußten wir unser Kochwasser aus einer Pfütze holen, aus der kein Vieh gesoffen hätte, so gemein stank es. Die Folgen blieben aber auch nicht aus. Viele litten an Durchfall mit Blut vermischt, was furchtbare Schmerzen verursachte. Während des Löhnungsapells am 4. September begann ein sehr heftiges Schießen, daß ich mein Geld wieder einpacken mußte. Ungefähr 20 m vor uns schlugen schwere Geschoße ein. Wir suchten im Wald Deckung. Aber auch hier sollte unser Aufenthalt nicht lange währen, denn die Franzosen streuten über den ganzen Wald Granaten. Ich suchte Schutz hinter einem Baum, da schlug etwa 4 Schritt rechts von mir eine Granate ein. Die Leute riefen „unser Wachtmeister ist getroffen, andere: er ist tot!“ Gott sei Dank war es ein Blindgänger und so blieb ich durch Gottes Vorsehung unverletzt. Wie freuten sich alle, als sie mich unverwundet, nur etwas benommen antrafen.
8. September. Fortsetzung des Gefechts. Ein Fahrer wurde mit einstündigem Krummschließen bestraft, weil er 5 Stunden im Wald geschlafen hatte. Kaum eine halbe Stunde am Rad angebunden, begann eine heftige Kanonade, so daß ich ihm die Stricke zerschneiden mußte, denn keine 100 m vor uns und neben uns schlugen Granaten ein. Dank der schlechten Munition der Franzosen hatten wir keine Verluste. Unter 15 Schuß zählten wir 12 Blindgänger. In Framboise entdeckten wir am 7. September zwei unterirdische Telefonleitungen, mittelst derer die Bewohner sämtliche Stellungen und Bewegungen unserer Truppen dem Feinde gemeldet hatten. Nun war es klar, warum jede Truppe, die sich zeigte sofort unter Feuer genommen wurde. Die Verräter wurden erschossen. Hierauf bedienten sich die Bewohner einer anderen List. Sie ließen Hunde mit Blechbüchsen am Halsband an den Gegner abgehen. Doch auch das wurde bald entdeckt und sämtlichen Hunden der Garaus gemacht. Die Nacht vom 8 – 9 September war kalt, uns fror elend, da der Boden naß und nur wenig Stroh vorhanden war. Hier holte ich mir Rheumatismus. Am 9. September machten die Franzosen einen Ausfall aus Toul, wurden aber mit blutigen Kämpfen zurückgeschlagen. Sie hatten furchtbare Verluste. Vergebens versuchten sie jeden Tag aus Nancy zwischen Framboise und Mayon durchzubrechen. Im Walde hatten wir uns aus Wellen eine Hütte gemacht, die sich gut zum Schlafen eignete. Auch am folgenden Tag dauerte der Kampf noch an. Der ganze Boden war von feindlichen Geschoßen durchwühlt. Ich maß ein Loch einer schweren Granate, dasselbe hatte eine Tiefe von 6 m und eine Breite von 4 m. Ein Reiter mit Pferd hätte bequem darin Platz gefunden. Die Fußartillerie erhielt einen Volltreffer, der das Geschütz wie einen Gummiball zurückwarf. Am 11. September mittags erfuhren wir, daß die Batterie aus dem Feuer zurückgezogen wird. Jeder von uns strahlte vor Freude, sollten wir doch endlich einmal nach 5 Wochen wieder zur Ruhe kommen, nachdem wir schwere Gefechte und Schlachten mitgemacht. Um 8 Uhr abends fuhr ich mit den Protzen vor in die Stellung. Um den Gegner zu täuschen, wurde seit 7 Uhr abends ein starkes Infanterie- und Artilleriefeuer unterhalten. Es regnete in Strömen. Die Batterie trat den Rückmarsch an. Durch den vielen Regen war der Boden vollständig aufgeweicht und stellenweise ganz sumpfig. Ein schweres Gewitter entlud sich über uns. Es war so finster, daß man nicht die Hand vor dem Gesicht sah. Nur die zuckenden Blitze erhellten auf kurze Zeit unseren Weg. Dazu das Rollen des Donners mit 1000fachem Echo im Walde. Als wir kaum 1000 m gefahren waren, hielt die Batterie. Nach Verlauf von 20 Minuten ritt ich vor, um nach dem Grund zu sehen. Doch was sah ich hier? Unser Küchenwagen war bis zur Hälfte eingesunken. Da er nicht mehr fortzubringen war, war rasches Handeln am Platze. Ich ließ ihn in den Graben werfen, um die Straße frei zu bekommen. Kaum war die Batterie 600 m weitergefahren, da brachen die ersten Geschütze ein und blieben stecken. Da auch die Infanterie zurückgezogen wurde, waren wir ganz mutterseelenallein im Walde und auf uns selbst angewiesen. Ein Infanteriehauptmann und ein Artillerieoffizier gaben die Batterie verloren, da der Gegner jeden Augenblick nachdrängen konnte. Sie meldeten es meinem an der Spitze ziehenden Chef, daß die Batterie im Walde halte und als verloren gelte. Aber so schnell und leicht sollte es den Franzosen nicht gemacht werden, uns gefangen zu nehmen. Jeder hätte sein Leben so teuer als nur möglich verkauft, dessen war ich mir sicher. Mit dem Revolver in der Hand drohte ich jeden niederzuschießen, der sein Geschütz verlasse. Keiner machte eine Mine dazu, die Leute arbeiteten wie die Löwen, hing doch ihr Leben davon ab, die Batterie so schnell als möglich herauszubekommen. Als mein Chef zurückkam und die Batterie in dieser mißlichen Lage sah, war der gute, ruhige Mann wie erschlagen, war es doch keine Kleinigkeit für ihn die Batterie verloren zu geben, nachdem sie sich all die Tage her so vorzüglich bewährt hatte. Ich machte mich daran, jedes einzelne Geschütz mit 10 Pferden heraus zu bekommen, was mir endlich auch nach langer Mühe und vieler Arbeit auch gelang. Doch nicht lange sollte meine Freude währen. Glaubte ich ein Geschütz auf der einen Seite heraus zu haben, so brach es auf der anderen wieder ein. Einen Munitionswagen, der zu tief im Dreck stack, mußte ich liegen lassen. Endlich waren wir auf einem etwas besseren Fahrweg angelangt, als von links her ein Zug der Maschinengewehrkompanie kam, der auch stecken blieb und mir somit den Weg versperrte. Ich mußte nun auch diesem Vorspann leisten. Endlich gelang es mir doch, die Batterie heraus zu bringen. Die Mannschaften arbeiteten aus Leibeskräften; noch nie hatte ich sie so arbeiten gesehen. Sie standen bis zu den Knien im Dreck und machten die Räder frei. Nachts um 2 Uhr konnten wir die Notbrücke überschreiten, nachdem sämtliche feste Brücken zum Sprengen fertig gemacht waren, um das Nachdrängen des Gegners aufzuhalten. Ein Stein fiel mir vom Herzen, als ich die Batterie in Sicherheit hatte. Wäre es mir nicht gelungen, so hätte ich für mein Leben keinen Pfennig mehr gegeben. Mein Chef bedankte sich herzlich und gab mir 20 Mark und sagte mir, daß er mich für meine Leistung bei der nächsten Gelegenheit zur Auszeichnung vorschlagen werde. Ich bekam dann auch das Eiserne Kreuz II. Klasse. Die Offiziere gratuliertern mir zur vollbrachten Tat und der Herr Hauptmann war sichtlich gerührt, als er mir seine Anerkennung aussprach. Wir marschierten die Nacht hindurch und den folgenden Tag bis 12 Uhr nachts. Bei strömendem Regen kamen wir am 12. September in St. Medard bei Dieuze an, schliefen vollständig durchnässt auf einem Heuboden. Hatten wir uns alle auf ein gutes Glas Bier und ein Bett gefreut, so fiel dieses ins Wasser. Als wir durch Dieuze fuhren und sahen, wie den Soldaten das Bier schmeckte, lief uns das Wasser im Munde zusammen. Hier wurden zum ersten mal von den Schwestern des Roten Kreuzes Liebesgaben verteilt: Kaffee, Tee, Milch, Brot und vieles mehr. Ich bekam einige Stückchen Zucker für mein Pferd. Von einem auf der Straße stehenden Briefträger erhielt ich einige Bonbons. Hier erfuhren wir nachts 10 Uhr, daß wir noch 8 km ins Quartier hätten.
Am 13. September 5 Uhr morgens wecken, 6 Uhr marschbereit, bei strömendem Regen Aufbruch nach Fremery. Endlich nach 4 Wochen zum ersten mal wieder ein Bett, das ich mit meinem Freund, dem Wachmeister Schuster, ein Mann von 51 Jahren, teilte. So hatten wir wenigstens wieder einmal Gelegenheit, unsere müden Glieder ausruhen zu lassen. Wir kauften uns Wein und einen Hahn, den wir zu dritt verzehrten. Hier bekamen wir Ersatz an Mannschaften und Pferden aus Landau, ebenso viele Gaben von unseren Lieben zu Hause, welche die Ersatzleute mitgebracht hatten. Jeder Mann bekam Zigarren, Zigaretten, Tabak und freute sich, so reichlich beschenkt worden zu sein. Überall fröhliche Gesichter. Hier hätten wir so 20 Tage Ruhe sollen genießen dürfen. Aber leider sollte es nicht so lange dauern. Wir kamen uns so recht als ein Wandervolk vor.
Am 15. September Marsch nach Grigy. Hier Unterkunft und Kanzlei in der Küche einer Frau, deren Mann im Feld stand. Ich schlief mit einem Unteroffizier auf dem Fußboden. Wir hatten hier sehr schlechtes Wetter und blieben hier bis zum 18. September.

 

 

Fundsachen

Aus: Johann Goswin Widder, Versuch einer vollständigen Geographisch-Historischen Beschreibung der Kurfürstlichen Pfalz am Rheine, Dritter Theil, Frankfurt 1787, Seite 255

Oberndorf. Ein mittelmäßiges Dorf von 38 Häusern an der Alsenz, 4 Stunden von Erbes-Büdesheim westwärts entlegen, kömmt zum ersten mal vor in der Bestättigungsurkunde des Erzbischofs Adelbert von Mainz, welche er dem damaligen Benediktinerkloster Disibodenberg über seine Besizungen im J. 1128 ertheilet hat. Darin wird einer sichern Adelheid und ihres Ehemanns Adabero Gut zu Oberndorf, die Kirche mit dem Zehnten, Leibeigenen, Aeckern, Wäldern und Wiesen dem Altar des heil. Disibods angewiesen.
Der Ort selbst gehörte zur Raugrafschaft, und war von dieser zu Lehen begeben. In der Theilung unter Eberhards von Randeck Söhnen im J. 1327 wird des Zehnten zu Oberndorf gedacht, den sie im Besize hatten. Als hernach alle Raugräfliche Besizungen und Lehenschaften an die Pfalz verkaufet worden, kam auch besagtes Dorf an dieselbe, und Kurf. Friedrich I. verliehe im J. 1458 einen Theil des Gerichts zu Obirndorf an Konrad Marschalk von Waldeck zu Mannlehen, wobei es heißt, daß gedachter Konrad dieses Lehen mit seinem Bruder Adam in rechter Gemeinschaft besizen solle, wie sie und ihre Aeltern es vormals von Raugraf Otte zu Mannlehen getragen hatten. Gegen die Mitte des XVI Jahrhunderts erlosch das Geschlecht der Marschalken von Waldeck. Das heimgefallene Lehen ward aber wieder vergeben, bis Kurf. Karl Ludwig im Jahr 1660 das Dorf Oberndorf von einem Herrn von Landsberg gegen andere Güter eingetauschet hat. Die vorbei fliesende Alsenz treibet in des Ortes Gebiete zwo Mahlmühlen.
Die Gemarkung enthält 313 Morgen Aecker, 36 Morgen Wingert, 44 Morgen Wiesen, 9 Morgen Gärten, und 138 Morgen Wald.
Die Waldung liegt eigentlich im Pfalzzweibrückischen Gebiete, und ist der Gemeinde gegen einen Waldzins in Erbbestand verliehen.
Vormals war allda ein Quecksilber-Bergwerk betrieben, welches die Elisabethen Grube heißt. Man hat vor einigen Jahren auf dem Plaz wieder zu schurfen angefangen, aber ohne Erfolg.
Von der Kirche ist schon oben angeführet worden, daß solche anfänglich zum Kloster Disibodenberg gehöret habe. In dem Mainzer Synodalregister über das Erzdiakonat des Domprobsten und Landkapitels Münsterappel vom J. 1401 wird ein Pastor und ein Pleban, wie auch zween Altarpfründner, einer zu St. Katharine, der andere zu U.L.F. angeführet. Bei der Kirchentheilung fiel sie in das Loos der Reformierten. Sie liegt unten am Berg, und war ehmals dem heil. Valentin geweihet. Der Prediger stehet unter der Inspektion Alzei und hat das Dorf Mannweiler im Unteramt Rockenhausen mit zu versehen. So haben die Katholischen auch eine eigene Kirche und Pfarrei, welche zum Alzeier Landkapitel gehörig ist.
Am Wein- und Fruchtzehnten beziehen die Reigersbergischen Erben zu Randeck eine, und der Reformierte Pfarrer die andere Hälfte.

Aus dem Amts- und Intelligenzblatt der Pfalz:

12.11.1833
Bei Gelegenheit der Reparation des protestantischen Schulhauses zu Oberndorf entdeckte der Maurermeister Brixius von Alsenz bei Aufbrechung der Platten des Hausganges, in mannslanger Höhlung, das Gerippe eines Menschen, welcher vor Jahren darin beerdigt worden war.

Am 6. Oktober 1839 erhielt Rosina Pfannbecker, 31 Jahre Dienstmagd bei Carl Philipp Anhäuser zu Oberndorf anlässlich des Zentralen Landwirtschaftsfestes in München die Silberne Vereinsdenkmünze.

 

Ein Vierzeiler von Pfarrer Philipp Stock:
Wer uff de Cöllner Brück steht und spürt kee Wind,
durch Mannwiller geht und sieht kee Kind,
dorch Owwerndorf kummt unverspott,
dem gnad in Alsenz Gott.

Aus der „Pfälzischen Tageszeitung“ (Alsenz)

Oberndorf 1. Juli 1902. Das Anwesen des Ackerers Herrn Phillip Hensler ging um den Preis von 6500 Mark an den Ackerer Herrn Friedrich Schworm in Oberndorf über.

Schmalfelderhof, 20. Juli. Vergangene Woche weilte eine Kommission aus der Provinz Sachsen unter der Führung des Gutsbesitzers Göhle aus Bad Bibra bei Naumburg in unserer Gegend. Dieselbe erwarb 8 erstklassige Tiere, 5 Fassel und 3 Rinder im Alter von 8 Wochen bis zu 18 Monaten und zahlten hierfür pro Stück von 214 bis 358 Mark, für ein 8 Wochen altes Fasselkalb, dem Julius Steitz gehörend, den ganz bedeutenden Betrag von 236 Mark.

Oberndorf, den 17. Oktober 1902. Feuer brach heute Nachmittag in der Scheune des Gastwirts Schückler dahier aus. Große Futter- und Strohvorräte boten reichliche Nahrung, sodaß außerordentlich schnell das ganze Anwesen in Flammen stand. Von der Familie war nur der alte Schückler anwesend, Hilfe war zwar schnell zur Stelle, auch die Feuerwehr aus Alsenz hatte sich eingefunden, doch ist das ganze stattliche Anwesen ein Raub der Flammen geworden. Schückler hat zwar versichert, doch wird er immerhin einen ganz bedeutenden Schaden davontragen.

Oberndorf 2. Januar. Eine Rohheit wurde in der Nacht auf heute hier verübt. Es wurden bei Landwirt Blum und Bäcker und Wirt Bollenbach Fensterscheiben eingeworfen, bei letzterem flog die Einrahmung mit ein und bei ersterem fand man im Zimmer einen Stein im Gewicht von 5 Pfund vor.

Oberndorf, 30. Dezember. Am Samstag Abend brannte die Scheune des Schreinermeisters Wolfänger dahier nieder. Der energischen Thätigkeit der Feuerwehr gelang es, die weiteren Gebäulichkeiten vor dem verheerenden Elemente zu schützen.

Schmalfelderhof, 23 Februar. Gestern Nacht wurde ein Pferdeknecht des Herrn Oekonom Philipp Steitz dahier von der königlichen Gendarmerie Gaugrehweiler verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis abgeführt. Derselbe feuerte vor zirka 14 Tagen mit einem großen Revolver 5 Schüsse auf mehrere Burschen von Oberhausen ab; die Verletzungen waren unbedeutend, hätten aber den Tod des einen oder anderen herbeiführen können. Die Ursache war ein kleiner Wortwechsel.

Aus dem „Nordpfälzer Tageblatt“

Oberndorf, 20. September 1918. Gestern Abend gelang es der Gendarmerie von Obermoschel eine Hamstergesellschaft, die mit einer Chaise aus dem Appeltale kam, hier festzunehmen und das gehamsterte Gut zu beschlagnahmen. Es bestand in Mehl, Obst, Geflügel, Butter und Eiern. Die Gesellschaft zählte 4 Personen, einen Oberleutnant, einen Soldaten und 2 Damen. Angeblich soll sie aus Kreuznach stammen.

Aus der „Pfälzische Tages-Zeitung“ vom 09.09.1933

Oberndorf. Landwirt Hrch. Wolfänger hat die 5 Mark Anerkennung für einen Zuchtbullen beim Prämienmarkt des Glan-Donnersberger Zuchtverbandes zu Langmeil der volkssozialistischen Hilfe der Pfalz gespendet.

Aus der „Pfälzischen Tages-Zeitung“ vom 30.01.1939

Obermoschel. In der letzten Sitzung des Amtsgerichts kam noch ein weiterer Fall von Milchfälschung zur Verhandlung. Angeklagt war Katharina Sch. aus Oberndorf. Am 12. September 1938 lieferte die Angeklagte 9,5 Liter Milch ab mit einem Wasserzusatz von 1,5 Liter. Als der Kontrollbeamte kam erklärte sie zunächst, sie habe die Milch nicht gefälscht. Das Gericht schenkte ihren Angaben keinen Glauben und verurteilte die nahezu 70 Jahre alte Frau zu einer Gefängnisstrafe von einer Woche und zur Tragung der Kosten.

 

 

 

Kriegschronik Teil IIX

I. Besondere kirchliche Veranstaltungen

Der Gottesdienst am 1. Mobilmachungstage, 8. Sonntag nach Trinitatis, dem 2. August 1914 stand ganz unter dem niederbeugenden Eindruck der Samstags Abends um 8 Uhr 45 erfolgten Bekanntgabe der Mobilmachung. Eine besondere Einladung der abrückenden Soldaten und kirchliche Verabschiedung derselben konnte der Kürze der Zeit wegen nicht erfolgen. Wer es irgend möglich machen konnte, wohnte dem Gottesdienste bei. In beiden Kirchen war die Beteiligung so stark wie sonst an Feiertagen.
Reichlich flossen die Tränen nicht blos bei den Frauen, sondern auch bei den Männern, als das Lied angestimmt wurde „O mein Herz gib dich zufrieden, und verzage nicht so bald (289)“, ebenso bei der Predigt über Psalm 18 Vers 90 mit dem Grundgedanken „Ein starker Trost in schwerer Zeit“! „Worin besteht er? Wozu soll er uns antreiben?“ In Oberndorf spielte der Lehrer Friedrich Ebersold, der am nächsten Tag schon bei der Truppe sein und darum gleich Sonntags den Ort verlassen mußte, beim Ausgang aus eigenem Antrieb die Melodie des Liedes „Eine feste Burg ist unser Gott“. Der für Sonntag dem 9. August, 9. Sonntag nach Trinitatis, angeordnete allgemeine Buß- und Bettag sammelte trotz der dringenden Erntearbeiten eine sehr zahlreiche Zuhörerschaft in beiden Kirchen, die mit Andacht und aufs heftigste bewegt der Predigt über „demütigt euch unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe“ folgte. Gesungen wurde das Lied 158 „Aus tiefer Not schrei ich zu dir Herr Gott“.
Die beiden Presbyterien bestimmten, daß bis auf weiteres das Almosen bei den Gottesdiensten nicht in die Kirchenkassen fließen, sondern für die Zwecke des Roten Kreuzes verwendet werden. Infolgedessen erhöhte sich dasselbe ganz bedeutend. Es gingen an diesem Tage ein in Oberndorf 9,50 Mark, in Menzweiler 22,67 Mark = 32,17 M. Da tags zuvor mit dem königlichen Dekanat Obermoschel verabredet war, daß der Pfarrer von Oberndorf mittags in Schiersfeld, dessen Pfarrer eingerufen war, Gottesdienst halte, so konnte der auf 5 Uhr zu Schmalfeld angesetzte nicht gehalten werden.
Die Bewohner jenes Hofes hatten darum nachgesucht, es möchte mit Rücksicht darauf, daß der Weg zur Kirche sehr weit sei und die dringende Erntearbeit ihnen jede Stunde wertvoll mache, Sonntags auf dem Hofe eine gottesdienstliche Versammlung gehalten werden. Das geschah vom 16. August an und zwar im Saale der Schneider`schen Wirtschaft. An denselben wohnen  nicht nur die Bewohner des Schmalfelderhofes, sondern auch die vom ebenfalls zur Pfarrei gehörigen Bremricherhof, ferner der zu Gau-Grehweiler gehörigen Leiningerhofes und hin und wieder selbst die des nach St. Alban zuständigen Hengstbacherhofes bei. Da kein Lehrer vorhanden war, mußte vom Pfarrer auch der Gesang geleitet werden, wobei die Schulkinder, die schon die Choräle nach dem seit 1. Dezember 1914 eingeführten neuen Gesangbuch geübt hatten, gute Dienste leisteten. Der Besuch der Gottesdienste, die an sieben Sonntagen stattfanden, war stets ein sehr guter, was am besten daraus hervorgeht, daß an den selben 166,59 Mark eingingen, die ebenfalls für das Rote Kreuz verwendet wurden.

Vom 17. Sonntag nach Trinitatis, dem 4. Oktober an, mußten diese Gottesdienste eingestellt werden, weil von da ab die Nachmittagsgottesdienste mit darauffolgender Christenlehre in Menzweiler begannen das soweit keine Zeit mehr übrig blieb. Auch machte sich der Mangel an Beleuchtungsmitteln geltend. In der Woche wollten die Bewohner selber keinen Gottesdienst, da er nur am Abend hätte stattfinden können, dem Pfarrer aber nicht zugemutet werden sollte spät in der Nacht den Heimweg anzutreten. Auch für das Gebotene waren die Hofbewohner dankbar.

Ein Verlangen nach besonderen Wochengottesdiensten oder Kriegsandachten wurde weder in Oberndorf noch in Menzweiler geäußert. In Oberndorf hätte auch wohl das Simultaneum, infolge der Rücksichtslosigkeit und Unduldsamkeit des katholischen Pfarrers Schwierigkeiten bereitet und die Angehörigen der Filialgemeinde Menzweiler waren zum größten Teil viel zu weit von der Kirche weg, als das sie regelmäßig hätten Anteil nehmen können.
Den besonderen Ereignissen auf dem Kriegsschauplatz wurde jeweils bei der Predigt Erwähnung gegeben. Von der Einhaltung der vorgeschriebenen Texte wurde im 1. Kriegsjahr abgesehen. Dieselben wurden vielmehr nach den Ereignissen und der Stimmung in der Bevölkerung ausgewählt. Die Texte nebst Themen und Liedern waren, abgesehen von den beiden ersten Gottesdiensten folgende:

Es folgt im Original die Aufzählung sämtlicher Gottesdienste während der Kriegsjahre mit Angabe des Datums, der Predigtthemen sowie der gesungenen Lieder. Es wird auf deren Wiedergabe verzichtet. Falls daran Interesse besteht, kann der Betreiber der Website diese Information zur Verfügung stellen.

Der Geburtstag unseres Königs, der 1917 auf einen Sonntag fiel, und der unseres Kaisers, der am darauffolgenden Sonntag gefeiert wurde, gab Veranlassung, die Gemeindeglieder zur Treue gegen beide zu ermahnen.
Über das 400jährige Jubiläum der Reformation ist in der Pfarrbeschreibung eingehend berichtet. Der 4. Gedenkgottesdienst des Kriegsanfanges war gut besucht. Der erste Monat des Jahres 1918 brachte wieder die Geburtstagsfeiern S.M. des Königs und des Kaisers, der Februar die Feier des goldenen Hochzeitfestes unseres Königs, jenes, woran die Gemeinde, obwohl sie auf einen Werktag fiel, lebhaften Anteil nahm. Der Namenstag S.M. des Königs am 25. August wurde durch Gottesdienst gefeiert, der nach des Königs Wunsch ein Dankgottesdienst für die von dem Allmächtigen unseren Waffen gewährte Hilfe und ein Bittgottesdienst um den weiteren Beistand Gottes für unsere im Felde stehenden Truppen war.
Auf den 1. Advent, 1. Dezember 1918, war die Feier zur Erinnerung an die vor 100 Jahren erfolgte Vereinigung der Lutheraner und Reformierten in der Pfalz angeordnet und der Gemeinde schon angekündigt. Im letzten Augenblick mußte sie aber verschoben werden, weil die Gemeinde die ganze Woche hindurch Einquartierung von deutschen Truppen hatte, die auf dem Rückzug sich befanden. Die letzten zogen erst am Samstag, dem 30. November ab, so daß für eine kirchliche Feier und namentlich für Beteiligung am Abendmahl keine Stimmung vorhanden war. Infolge der schlechten Witterung, welche die ganze Woche herrschte, hatten die Frauen mit dem Reinigen der Häuser vollauf zu tun. Auf Anraten des Presbyteriums wurde darum die Feier auf den 3. Dezember verschoben und in Menzweiler auf den vierten. Der Verlauf der Feier ist in der Pfarrbeschreibung geschildert.
Erwähnt sei noch das zur Begrüßung der deutschen Truppen in Oberndorf manche Häuser geflaggt hatten, in Mannweiler waren auch Efeupforten errichtet.
Eine eigentliche Begrüßung der Heeresangehörigen, welche im Felde gestanden, konnte nicht stattfinden, einmal weil dieselben vereinzelt in weit auseinanderliegenden Zeitabschnitten zurückkehrten und dann, weil inzwischen die Besetzung unserer Heimat durch die Verbands-mächte erfolgt war. Wie ganz anders hatte man sich das Ende des Krieges und die Heimkehr unserer heldenmütigen Kämpfer vorgestellt!

II. Art und Weise wie der Gefallenen im Gottesdienst gedacht wurde.

Sobald der Tod eines Soldaten sicher feststand, wurde es der Gemeinde nach der Predigt bekannt gegeben, dem Gefallenen Worte des Dankes und der Anerkennung für ihre Tapferkeit und Opferfreudigkeit gezollt, den Angehörigen die Teilnahme der Gemeinde ausgesprochen und Trost gespendet unter Hinweis auf ein Bibelwort.
Am Totensonntag, dem letzten im Kirchenjahr 1913/14 wurde neben den in der Heimat Gestorbenen ganz besonders der in Indien gefallenen gedacht. Hierzu waren die Gemeinden eingeladen worden und nahmen auch sehr zahlreich an diesem Gottesdiensten teil. Auch sonst wurde keine Gelegenheit versäumt, darauf hinzuweisen, wieviel die Daheimgebliebenen denen zu verdanken haben, die ihr Leben dem Vaterland zum Opfer brachten.

1. Als erster aus der Pfarrei fiel auf dem Feld der Ehre Richard Wasem, Sohn von Jakob Wasem auf dem Morsbacherhof, Gemeinde Cölln, Sodat beim bayerischen Infanterie-Leibregiment in München. Er erlitt bei einem Straßengefecht in Badonviller in Frankreich, Departement Meurthe et Moselle, östlich Luneville den Tod. Über die Art seiner Verwundung und der Bestattung ist nichts näheres bekannt geworden. Die tödliche Wunde empfing er am 12. August 1914. Er war das jüngste von vier Kinder, von denen noch weitere im Felde standen und verwundet wurden. Da er von mir konfirmiert worden war, ging mir sein Tod besonders nahe. Auch der 4. Bruder mußte später einrücken.

2. Nicht weit davon, auch östlich Luneville, bei Frambois fand der Gefreite der Reserve des 12. Feldartillerieregiments, Fritz Schlarb von Oberndorf, Sohn von Peter Schlarb, am 1. September 1914 den Tod. Er war neben drei Schwestern der einzige Sohn der Familie. Es war keine leichte Aufgabe, den Vater von dem Tod des Sohnes zu verständigen und über den Verlust zu trösten. Über seinen Tod und seine Bestattung liefen folgende Nachrichten ein. Auf eine Anfrage bei seinem Batteriechef antwortete dieser mit den Zeilen:
“ Bei Warneton (Belgien) 19. November 1914

Sehr geehrter Herr Pfarrer
Zunächst bitte ich zu entschuldigen, daß diese Zeilen mit Blei geschrieben sind. Ich habe hier keine Tinte zur Verfügung im Feld. Der Tod unseres lieben Schlarb, der am 1. September tatsächlich erfolgt ist, wurde durch einen Kameraden, den Unteroffizier Mohr der 4. Batterie, 12. Feldartillerieregiment, wie mir berichtet wurde, den Angehörigen mitgeteilt. Es ist leicht möglich, daß dieser Brief der Post verloren gegangen ist. Schlarb ist beim Zurückreiten durch einen Wald bei Frambois durch eine französische Granate getroffen worden und sofort verschieden. Wir haben seinen Heimgang herzlich bedauert. Er war ein tüchtiger, braver und allzeit dienstbereiter Mann. Er ist mir und allen Kameraden recht nah gegangen. Sein Grab ist in dem bezeichneten Wald. Amtlich wurde der Tod für Aufnahme in die Verlustliste sofort gemeldet. Mit der Bitte, die Angehörigen von Vorstehendem verständigen zu wollen, grüße ich, mein Beileid versichernd, mit Hochachtung. Ihr ergebener   H. Dietl
Major, Kommandeur II Abt. 12. Artillerieregiment“.

Über den Tod und die Beerdigung des Schlarb teilt mir der oben erwähnte Unteroffizier Mohr Nachstehendes mit: Leider war ich nicht bei Friedrich Schlarb, als er fiel, auch nicht bei seiner Beerdigung. Alles was ich Ihnen und Familie Schlarb schrieb, erfuhr ich von meinen Kameraden, die dem Abteilungsstab zugeteilt sind. Gestern erkundigte ich mich nun noch einmal nach Allem und erfuhr Folgendes: Friedrich Schlarb war mit einem einjährig freiwilligen Gefreiten (Morscher) von meiner Batterie und einem Sergeanten (Basedow) rückwärts vom Abteilungsstab in Deckung mit den Pferden geritten. Plötzlich bekamen sie feindliches Schrapnellfeuer. Schlarb und Basedow ritten weiter rückwärts, während sich Morscher, sein Pferd an einen Baum bindend, hinter einem Erdhaufen deckte. Auf diesem Rückwege wurde Schlarb von einem weiteren Schrapnellschuß tödlich getroffen, während Basedow noch lebend zum Regiment zurückkam. Das war morgens gegen 4 Uhr. Nachmittags schickte unser Major (Dietl) einige Leute mit dem Befehl weg, Schlarb zu beerdigen. Als die Leute hinkamen, hatten ihn die Sanitäter schon beerdigt. Ob ihm die Wertgegenstände u.s.w. entnommen wurden, davon wußten meine Kameraden nichts. Wenn ja, geschah es von den Sanitätern. Diese hätten sie also auch an ihre Vorgesetzten abliefern müssen, welche letztlich sie an seine Angehörigen geschickt hätten. Wäre ich bei seiner Beerdigung zugegen gewesen, dann hätte ich ihm seine Wertgegenstände abgenommen. Es war dies auch meine Absicht, als ich schon bald seinen Tod erfuhr. Leider war er schon beerdigt, ich konnte nur an seinem schön geschmückten Grabe stehen. Auf dem Grabe steckte ein einfaches Holzkreuz, darauf sein Helm und auf dem Grab lag sein Bandelier. Neben ihm war das Grab eines Reservemannes namens Dietz. Das war im Wald bei Bois de la Pane zwischen Frambois und Mayon.

3.Als drittes Opfer fiel am 29. September 1914 Jakob Wenger von Cölln, Sohn des Landwirts Peter Wenger. Er war geboren am 13. Dezember 1893 und diente bei der 6. Kompanie des 22. bayerischen Infanterieregiments in Zweibrücken. In Nordfrankreich, wo er den Tod fand, liegt er auch begraben. Näheres ist nicht bekannt geworden.

4. Der erste Weihnachtsfeiertag brachte für eine weitere Familie von Oberndorf Trauer mit sich. An diesem Tage fiel (bei Ypern) der Soldat im 22. bayerischen Infanterieregiment Valentin Nickel. Derselbe stammte zwar nicht aus der hiesigen Gemeinde, sondern aus Dörnbach bei Rockenhausen, war aber mit der Tochter der Familie Linn von hier kurz vor seinem 2. Ausmarsch ins Feld kriegsmäßig getraut worden. Er hatte für seine Tapferkeit das Eiserne Kreuz erhalten, war dann verwundet zurückgekehrt. Nach seiner Wiederherstellung kehrte er sofort ins Feld zurück, wo er alsbald den Heldentod fand. Außer seiner Frau trauern zwei Kinder um ihn. Über die Art seines Todes ist nichts näheres bekannt. Er fiel bei St. Eloi.

5. Am 28. April 1915 mußte der am 8. August 1893 geborene Wolf Schlarpp vom Schmalfelderhof, Sohn des Landwirts Philipp Schlarpp, sein Leben dem Vaterland zum Opfer hingeben. Da er in Münster am Stein in Stellung, wurde er zuerst zum 70. preußischen Infanterieregiment nach Saarbrücken eingezogen, dann aber wieder entlassen, weil es in Münster, wo viele Verwundete lagen, an Bäckern fehlte. Mit Beginn des Jahres 1915 rückte er zum 22. bayerischen Reserveinfanterieregiment ein und kämpfte mit diesem in den Vogesen. Ein Kopfschuß brachte ihm das rasche, schmerzlose Ende. Seinen Großeltern und Geschwistern bereitete der Tod dieses sehr ordentlichen jungen Mannes große Trauer.

6. In der Woche vor dem 2. Weihnachtsfeste, das unser Volk während des Krieges feierte, traf die erschütternde Nachricht ein, daß der protestantische Lehrer und Organist von Oberndorf, Friedrich Ebersold, in Nordfrankreich in der Nacht vom 20/21 Dezember 1915 gefallen sei. Diese Nachricht war seinem gerade auf Urlaub in der Heimat weilenden Oberleutnant und Kollegen, Wilhelm Wenz von Mannweiler telegrafisch übermittelt worden, um sie der Frau, mit der Ebersold ein Jahr zuvor in Zweibrücken kriegsmäßig getraut worden war, mitzuteilen. Letztere stammt aus Oberndorf und ist die Tochter des Wirtes Finkenauer. Die ganze Gemeinde nahm an dem Tode des trefflichen Mannes und tüchtigen Lehrers den herzlichsten Anteil. Gleich beim Gottesdienst am 1. Weihnachtstage wurde vom Berichterstatter dieser Teilnahme, wenn auch nur mit wenigen Worten, Ausdruck verliehen, wobei kein Auge tränenleer blieb. Da bekannt war, daß der Gefallene heimgeholt werden sollte, wurden weitere Ausführungen auf den Tag seiner Beisetzung aufgespart.
Sehr traurig waren die näheren Umstände, unter denen sein Tod erfolgte. Er hatte schon den Urlaub in der Tasche, um Weihnachten im Kreise seiner Angehörigen verbringen zu können. Seinem Pflichteifer gemäß besichtigte er im letzten Augenblicke Schanzarbeiten. Auf dem Rückweg zu seiner Stellung begriffen, traf ihn aus großer Entfernung eine verirrte Kugel in den Bauch. Sofort bewußtlos wurde er zurückgebracht und verschied bald. War es eine Ahnung? In einem Briefe, lange zuvor geschrieben, hatte er von einer verirrten Kugel geredet. Durch eine solche fand er den Tod. In jeglicher Weise haben die anderen Offiziere der 1. Kompanie des 8. Reserveinfanterieregiments der Witwe ihr Beileid ausgesprochen. In wenigen Tagen wäre Ebersold, der bis dahin Vizefeldwebel und Offiziersstellvertreter war, zum Leutnant befördert worden. Gewählt war er schon. Nicht blos im Kreise der Offiziere, sondern auch bei der Mannschaft war er wegen seiner Pflichttreue geachtet und wegen seiner Leutseligkeit beliebt. Ein halbes Jahr, nachdem sein jüngerer Bruder auf dem östlichen Kriegsschauplatz als Soldat des 22. bayerischen Infanterieregiments gefallen, ist er ihm in den Heldentod nachgefolgt. Seine vorläufige Beisetzung erfolgte unter militärischen Ehren auf dem deutschen Militärfriedhof zu Marchelopot. Eine Heimbeförderung ist nicht erfolgt.

7. Nachdem er den Feldzug von Anfang an mitgemacht, fiel am 14. März 1916 Karl Gustav Gödel aus Mannweiler, geboren am 5. April 1893, Sohn von Jakob Gödel und dessen Ehefrau Katharina geb. Bock. Der Auszug aus der Kriegsstammrolle teilt über denselben das Folgende mit. Am 23. Oktober 1913 rückte derselbe als Rekrut bei der 3. Kompanie des 23. bayerischen Infanterieregiments in Kaiserslautern ein. Seine aktive Dienstzeit dauerte 9 Monate und 9 Tage. Vom 8. – 18. August 1914 nahm er an den Grenzschutzgefechten in Lothringen teil, ferner bei dem Gefecht Liedersingen am 14. August 1914, an der Schlacht in Lothringen am 20 – 22. August und  vom 22. August bis 11. September 1914 an der Schlacht vor Nancy und Epinal. An Typhus erkrankt, lag er vom 18. September bis 11. November im Festungslazarett zu Metz. Zu Anfang des Jahres 1915 kehrte er wieder zu seinem Regiment zurück. Vor seinem Ausmarsch schrieb er an seine Mutter: „Heute gehts endlich fort. Wohin das wissen wir selbst nicht. Wahrscheinlich nach Belgien. Ich sollte als nicht felddienstfähig zuhause bleiben und Rekruten ausbilden, habe mich aber freiwillig gemeldet und bin froh, daß ich mit darf. Mehr wie totschießen können sie mich nicht. Angst habe ich keine, denn Unkraut vergeht nicht. Sei mir nicht bös, daß ich freiwillig mitgehe und nicht in sicherem Schutz zuhause bleibe. Ich könnte es nicht übers Herz bringen, zuhause zu bleiben, wenn alle Kameraden fortgehen. Leb wohl, auf Wiedersehen! Euer Karl“.
Aus diesen Zeilen sieht man, welch ein Geist in unseren Soldaten lebte. Zu einem Wiedersehen kam es noch einmal, indem er von Flandern aus einen kurzen Urlaub in der Heimat erhielt gegen Ende des Jahres 1915.
Seine Führung war sehr gut und straffrei. Nachdem er am 27. Januar 1915 zur Kompanie zurück gekehrt war, wurde er am 28. Februar zum Gefreiten befördert und kam, wie er geahnt hatte, nach Belgien bzw. Flandern. Daselbst macht er die Stellungskämpfe vom 27. Januar bis 13. Februar 1915 mit, die Gefechte bei St. Eloi vom 14. – 17. Februar, die Stellungskämpfe vom 18. Februar bis 13. März und vom 14. – 18. März das Gefecht am Bahnhügel südlich St. Eloi. Am 18. März verwundet, verbrachte er die Zeit vom 18. März bis 8. April 1915 zu seiner Heilung im Feldlazarett 5 des 2. bayerischen Armeekorps. Dann beteiligte er sich vom 8. April bis zum 20. Juni wieder an den Stellungskämpfen in Flandern und vom 21. Juni bis 21. Juli an der Schlacht bei La Bassee und Arras. Vom 22. Juli bis 14. Oktober fanden Stellungskämpfe in Flandern statt und vom 18. Oktober bis 14 März Stellungskämpfe in französisch Flandern statt. Seit 2. August 1915 war er Unteroffizier. Am 14. März 1916 abends 8 Uhr ist er bei Anchy infolge Handgranatenverletzung an Kopf und Oberschenkel gefallen. Mit 4 anderen Kameraden zusammen, darunter einer aus Alsenz mit namen Dohm, wurde er auf dem Ehrenfriedhof zu Meurchin am 17. März beerdigt. Sein Grab hat die Nummer 392. Sein Vater wollte die Leiche nachhause holen lassen, da sie aber in einem Soldatengrab lag, konnte es während des Krieges nicht gestattet werden. Im November 1916 erfolgte dennoch die Überführung und am 26. November die Beisetzung auf dem von der Gemeinde bestimmten Ehrenplatz auf dem Friedhof zu Menzweiler.
Die Beteiligung an der Beisetzung des Soldaten Gödel war eine sehr große. Von allen Seiten waren die Teilnehmer, hauptsächlich Frauen, herbeigeströmt, Männer waren ja wenige noch zuhause. Das 23. bayerische Infanterieregiment in Kaiserslautern hatte 10 Mann unter dem Befehl eines Vizefeldwebels geschickt. Sechs Mann trugen den Sarg vom Leichenwagen zum Friedhof, während einer das Grabkreuz, das aus dem Felde mitgesandt war, vorantrug. Ferner waren die Verwundeten aus den Lazaretten Rockenhausen und Obermoschel zugegen, die am Grabe ihres Kameraden je einen Kranz niederlegten. Am Trauerhause sang die Schuljugend das Lied Nr. 288 des Gesangbuches „Warum soll ich mich grämen?“ Auf dem Friedhof zunächst das Soldatenlied „Morgenrot“ und nach der Einsegnung das Lied „Es ist bestimmt in Gottes Rat“. Der Gesangverein Mannweiler beteiligte sich mit gesenkter Fahne und der Turnverein legte einen Kranz nieder. Der Predigt lag das   Wort Offb. 2.10 zu Grunde: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben“. Der großen Beteiligung und der annehmbaren Witterung wegen fand die Predigt auf dem Friedhof statt.

9. Am 5. Oktober traf bei seinen Eltern die Nachricht ein, daß der Infanterist August Ofer, Soldat beim 8. bayerischen Reserveinfanterieregiment, 2. Kompanie, am 27. September 1916 halb 3 Uhr füh an den Folgen eines schweren Bauchschusses verstorben und auf dem Friedhof bei der katholischen Kirche in Borsa (Ungarn) beerdigt worden sei. Die tödliche Verwundung hat er bei einem Gefecht in den Karpaten erhalten und wurde am 20. September in das Feldlazarett Nr. 11 des 1. Armeekorps, 1. Infanteriedivision eingeliefert. Dieser Verlust traf die hochbetagten Eltern um so härter, als sie ein Jahr zuvor den nächstälteren Sohn durch einen Unfall bei der Arbeit verloren hat.

10. Infolge einer Krankheit, die er sich im Felde zugezogen hatte, starb am 20. Januar 1917 in der elterlichen Wohnung zu Mannweiler der Soldat Otto Mohr und wurde auf dem Ehrenfriedhof der Gemeinde Menzweiler beigesetzt. Vorher hatte er sich in einem Lazarett zu München befunden, von wo er auf seinen Wunsch in die Heimat entlassen worden war.

11. Bei den Kämpfen um Riga fand am 10. September 1917 Karl Frölich von Mannweiler im Alter von 23 Jahren den Tod vor dem Feinde. Er gehörte dem 22. bayerischen Infanterieregiment an und hatte die Kämpfe in Galizien mitgemacht. An Cholera erkrankt lag er zuerst in Medica-Galizien im Lazarett und kam dann zum Ersatzbatallion nach Zweibrücken. Nach seiner Wiederherstellung stand er als Schütze bei einer bayerischen Maschinengewehrkompanie.

12. Nicht lange danach, am 27. Oktober 1917, wurde auf dem Ehrenfriedhof in Menzweiler ein weiteres Opfer des Krieges beigesetzt, nämlich der Kanonier im 8. preußischen Reserve-Fußartillerieregiment, 1. Batterie, Hermann Franz Rasch, Sohn des Vollziehungsbeamten in Kreuznach Friedrich Rasch. An Darmkatarh erkrankt lag er im Lazarett Heiligkreuzschule zu Koburg, allwo er starb. In Menzweiler wurde er beerdigt, weil sein Vater von Mannweiler und seine Mutter, eine geborene Dautermann, von Cölln stammt. Er stand im 20. Lebensjahr.

13. Nach langem, schweren Leiden starb am 6. Januar 1918 im Alter von 42 Jahren der Landwirt Otto Neu und wurde auf dem Ehrenfriedhof Menzweiler beigesetzt. Zum Landsturm – Ersatzbatallion Zweibrücken, 4. Kompanie gehörig, lag er bei der Armeegruppe Stranz in den Vogesen. An Nierenentzündung erkrankt, kam er ins Lazarett nach Freiburg im Breisgau und dann auf sein Ansuchen hin nach Obermoschel und dann nach Kaiserslautern. Da sein Leiden sich als unheilbar erwies, wurde er entlassen. Er stammte von Schönborn.

14. In einem Lazarett zu Frankfurt am Main starb Theodor Spuhler von Oberndorf. In Frankfurt fand er seine letzte Ruhestätte. Vor dem Krieg hatte er sich viel in der Fremde aufgehalten um sein Brot zu sichern und wurde dort zum Militär eingezogen. Er war geboren am 28. November 1877 zu Oberndorf als Sohn des Musikanten Theodor Spuhler. Er war Soldat im 1. Landwehr – Infanterieregiment Nr. 87, 15. Kompanie. Er starb am 4. Mai 1916.

15. Am 22. April 1918 erlitt durch einen Granatschuß bei dem großen Angriff der Deutschen in Nordfrankreich den Heldentod August Zepp, geboren am 18. Oktober 1898 als Sohn von Jakob Zepp aus Alsenz, in Oberndorf wohnhaft. Er stand bei dem bayerischen Fuß-Artillerie-Batallion Nr. 19, 3. Batterie. Bei dem Gottesdienst am Sonntag, dem 12. Mai 1918 wurde seiner gedacht. In einem Brief an seinen Vater schreibt Oberleutnant und Batterieführer Mayr: „Mit tiefem Schmerz erfülle ich die traurige Pflicht, Ihnen den Heldentod Ihres lieben Sohnes August mitzuteilen. In treuer Pflichterfüllung bis zum Tod diente er seinem Vaterlande und fiel auf dem Feld der Ehre durch schweren Granatschuß am 22. April 1918. Obwohl noch nicht 20 Jahre alt, war er doch schon ein ganzer Mann und hielt sich mit größter Tapferkeit. Es war ihm keine Arbeit zu groß, die er nicht mit größter Ausdauer, Fleiß und Bravour meisterte. Ich habe ihn zum bayerischen Militärverdienstkreuz eingereicht wegen seines hervorragenden schneidigen Benehmens am 21. März 1918, als die große Durchbruchsschlacht begann. Leider sollte er es nicht mehr erleben. Es geht mir persönlioch sehr nahe, weil ich den lieben, fleißigen, tapferen Jungen sehr gern hatte. Und jeder seiner Kameraden hatte ihn gerne wegen seines offenen, aufrichtigen Charakters, seines frischen Wesens und seiner Aufgewecktheit. Ich freute mich so oft an seinen munteren Antworten. Und gerade solche Kameraden reißt das Schicksal uns von der Seite. Ich will Ihnen keine Trostworte schreiben, denn für solche Verluste ist das einzige Heilmittel die Zeit. Ich habe es selbst empfunden, als ich vor einem halben Jahr meinen Vater verlor. Im Namen meiner ganzen Batterie spreche ich Ihnen mein tiefstes Beileid aus“.

16. Im Alter von 28 Jahren erlitt der Obergefreite im bayerischen Fußartillerieregiment Nr. 2 Ludwig Anhäuser aus Cölln infolge Granatschusses am 1. April 1918, dem 2. Ostertag, den Heldentod und wurde am 3. April in Beaucourt in Santerre beerdigt. Bei dem Gottesdienst am 1. Pfingsttage in der Kirche zu Menzweiler wurde seiner gedacht. In einem Brief des Unterveterinärs Nickl an seine Eltern heißt es: „In Ihren Zeilen, die mich veranlassen, diese zu erwiedern, sehe ich das tiefe Leiden seiner treuen Eltern- und Geschwisterseelen um den teuren Sohn. Mir gereicht es zur besonderen Genugtuung, Ihnen Auskunft zu geben, als ich Ihren Sohn als tüchtigen Mann verehrte und mir sein Tod auch sehr nahe ging. Ihnen mein tiefstes Mitleiden in Ihrem herben Schmerz. Ihr Sohn wurde im Dorf Mezieres am 1. April schwer verwundet durch ein Artilleriegeschoß an der rechten Hüfte und im Bauch. Er wurde in das Lazarett der Sanitätskompanie 209 in Beaucourt eingeliefert, wo er am 2.4.1918 verstarb. In der Batterie galt er kurze Zeit als vermißt, wie denn überhaupt in den damaligen schweren Tagen so manches anders als in schöner Ordnung ging. Ihres verstorbenen Sohnes Grab liegt in Beaucourt en Santerre auf dem Friedhof Schloßwiese – oberste Grabreihe, 11. Grab, wo er mit 16 anderen treuen Söhnen ruht. Ihr Sohn war ein schneidiger, treuer, pflichtbewußter Mann, der sich in der Batterie allseits großer Wertschätzung erfreute. Er stand unmittelbar vor seiner Beförderung zum Unteroffizier. Persönlich schätzte ich Ihren treuen Toten sehr hoch ein und mir ging sein Tod sehr nahe und lange Tage ging ich trüben Sinnes über seinen Verlust einher. Was er Ihnen gewesen, kann ich Ihnen nachfühlen, da ich selbst ein banges Mutter- und Schwesternherz zu Hause habe – vielleicht Ihre Stütze im Alter, Ihr Hoffen und Ihre Freude. Tragen Sie Ihr bitteres Leiden mit dem Gedanken, das so hart im Leben klingt: „Gott hat es anders gewollt“.

17. Am 1. Pfingsttage mußte zugleich auch eines anderen Gefallenen gedacht werden, nämlich des Vizefeldwebels im 2. bayerischen Pionierbatallion, 2. Feldkompanie, Karl Schneider, 27 Jahre alt, aus Mannweiler. Auch er war Inhaber des Eisernen Kreuzes II. Klasse und des bayerischen Militärverdienstkreuzes. Er hatte den Feldzug von Anfang an mitgemacht, nach dem er unmittelbar vorher zwei Jahrte lang Soldat gewesen. Eine Granate führte seinen Tod herbei. Seine Ruhestätte fand er auf dem Friedhof Romesin bei Armentieres in Flandern.
Sein Leutnant und Kompanieführer Reber schreibt über ihn in einem Brief an die Eltern:“Ein trauriges Geschick hat Ihren Sohn Karl, einen der Besten seiner Kompanie, aus unserer Mitte gerissen. Mit seinem Zug Pionieren in Bereitstellung liegend, wurde er kurz vor Beginn eines angesetzten Sturmes von einer Granate am 25.4.1918 vormittags 7 Uhr getroffen. Ein Granatsplitter durchschlug ihm das rechte Bein, ein zweiter Splitter ging ihm in die Brust, der den sofortigen Tod zur Folge hatte. Nachdem Ihr Sohn in zweijährigem harten Dienste in der Kaserne durch Fleiß und Tüchtigkeit zum Unteroffizier sich emporarbeitete und seit Kriegsbeginn das Los der Kompanie teilte, hat er manches Bravourstück entschlossen durchgeführt und dadurch den Kameraden ein Beispiel treuester Pflichterfüllung gegeben. Zwei Auszeichnungen und die Beförderung zum Vizefeldwebel wegen Tapferkeit vor dem Feind sind neben der allgemeinen Hochachtung durch die Kompanie das Zeugnis für seinen Mut. Spät vormittags 11 Uhr wurde er mit noch einem Kameraden unter militärischen Ehren auf dem von den Engländern angelegten Friedhof in Romain rechts der Straße Armentieres – Barlleul zur letzten Ruhe gebettet. Ein schlichtes Kreuz ziert seine Ruhestätte. In ihm verliert die Kompanie einen treuen und tüchtigen Zugführer und Kameraden, von dessen Mut wir noch viel erwarten durften. Meine und der Kompanie aufrichtige Teilnahme an dem schweren Verlust Ihres lieben Sohnes möge Ihne und Ihren Angehörigen den Schmerz lindern“.

18. Am 25. Juli 1918 wurde in der Gegend von Reims Philipp Friedrich Dautermann, geboren am 25. September 1893 zu Cölln, beerdigt. Er war im Jahr 1913 beim bayerischen Infanterieleibregiment eingetreten und stand bei der 11. Kompanie. Den Feldzug machte er anfänglich bei seinem Regiment mit, wurde dann zum Alpenjägerkorps versetzt und nahm an den Kämpfen in den Alpen und in Serbien teil. 1916 verwundet kam er nach Wiesbaden ins Lazarett. Viele und schwere Kämpfe waren es, an denen er beteiligt war und daß er seinen Mann gestellt, geht daraus hervor, daß er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse und dem bayerischen Militärverdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet war. Ein braver, ruhiger Mensch ist mit ihm dahingegangen. An seine Eltern schrieb der Feldgeistliche, der ihn bestattete, folgenden Brief: „Ich möchte Sie nicht erschrecken, wenn ich Ihnen von Ihrem Sohn Fritz berichte, daß ich ihn soeben mit noch drei tapferen Kameraden mit allen kirchlichen und militärischen Ehren beerdigt habe, Gott tröstet Sie in herbem Leid! Ich trauere mit Ihnen, aber ich bete auch mit Ihne für den lieben Sohn um ewiges Licht, ewigen Frieden, ewige Ruhe! Er hatte eine schwere Gasvergiftung, er hatte eine sehr gute Pflege, er hatte auch einen hervorragenden Stabsarzt, allein die Lunge war schon allzusehr angegriffen und so hatte dann seine letzte Stunde geschlagen für diese Welt. Gott mit Ihnen!
Unter herzlichen Grüßen verbleibe ich, Ihr ergebenster Feldgeistlicher Ambrosius Weber

Im Westen, den 25.Juli 1918, bay. Feldlazarett 27, D.F.P. 790

 

 

 

Kriegschronik Oberndorf – Teil VII

Beteiligung der Gemeinde an der Kriegshilfe.

a) Spenden an Geld und Naturalien

1914: Was während des Krieges an Geld und Naturalien von den Angehörigen der Pfarrei gespendet wurde, kann nur insoweit mitgeteilt werden, als es zur Kenntnis des Berichterstatters kam.
In Oberndorf gingen bei der ersten Sammlung für das Rote Kreuz 198 Mark ein. Darunter befindet sich der Kassenbestand des Gesangvereins mit 68 Mark. Dabei ist zu bemerken, dass die Gaben, mit Ausnahme von 9,50 Mark, alle von den Protestanten gegeben wurden. Später nahmen die Katholiken unter sich besondere Sammlungen vor und lieferten 45 Mark ab. Die Gemeinde spendete 90 Mark. Besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß die Schulkinder beider Konfessionen unter sich eine Sammlung vornahmen, welche die stattliche Summe von 40 Mark ergab. Summa: 253 Mark.
Im laufe des Jahres 1914 gingen hauptsächlich zur Beschaffung von Wolle ein 58 Mark. Das Almosen, welches nach einem Beschluß ebenfalls für Kriegszwecke verwendet wurde, ertrug bis Ende des Jahres 68 Mark 66. Zusammen mit obiger Summe 379 Mark 66 Pfennig.
Die von der Kirchenbehörde angeordnete Kirchensammlung für Ostpreussen und Elsass-Lothringen ertrug 50 Mark. Für Weihnachtsgaben wurden gespendet an Geld 29,50 Mark. Summa: 450,16 Mark.

In Mannweiler gingen im Jahr 1914 ein bei der ersten Sammlung 110 Mark, bei den Schulkindern aus Mannweiler und Cölln 35,45 Mark, von der Bahnwache deren Lohn mit 40 Mark, für Ostpreussen und Elsass-Lothringen 167,70 Mark. Dazu hatte Mannweiler noch 50 Mark gesammelt. Die Weihnachtssammlung ertrug 25 Mark, das Almosen bis zum Ende des Jahres 165,05 Mark. Summa: 593,20 Mark

Aus der Gemeinde Cölln sind zu verzeichnen der Ertrag einer Sammlung mit 85 Mark. Die Spenden für Ostpreussen befinden sich unter den bei Mannweiler angegebenen, ebenso das Almosen.
Auf dem Schmalfelderhof mit Bremrich wurden von der dortigen landwirtschaftlichen Genossenschaft 500 Mark bewilligt und das Almosen bei den vielen dort abgehaltenen Kriegsgottesdiensten betrug 166 Mark 55. Summa: 666,55 Mark.

Summe aller Beträge im Jahr 1914: 1994 Mark 91 Pfennig. Auf Vollständigkeit können und wollen die vorstehenden Zahlen keinen Anspruch erheben, da, wie gesagt, nur die Beträge berücksichtigt wurden, welche zur Kenntnis des Berichterstatters gelangten.

Ganz besonders aber verdient hervorgehoben zu werden, was von den Gemeindegliedern nicht blos während des Jahres 1914, sondern während des ganzen Krieges an Naturalien gespendet wurde. Dies im Einzelnen aufzuführen ist unmöglich, da die Gaben an verschiedenen Sammelstellen und Lazarette geschickt wurden. Hervorzuhebenden Anteil daran hatten die Bewohner der Höfe, namentlich des Schmalfelder- und Bremricherhofes. Ganze Wagenladungen gingen wiederholt ab.
Im Einzelnen sei folgendes erwähnt. Es gingen ab aus Oberndorf, Schmalfeld, Bremrich und Morsbach 17 Sack Kleider nach Ostpreussen. Aus Oberndorf allein zwei Sendungen Lebensmittel an das Lazarett der Diakonissenanstalt in Speyer, je eine an das Lazarett im Kotten und dem Maxschulhaus in Kaiserslautern, eine Sendung Wollsachen, Konfekt, Obst, Tabak, Zigarren, Zigaretten, Tee, Kakao, Zucker an die Sammelstelle für Weihnachten in Speyer, ein Packet Wollsachen an das 5. Reserveinfanterieregiment mit Tabak u.s.w., eins an das 18. bayerische Infanterieregiment und drei an das 8. bayerische Reserveinfanterieregiment, alle zur Verteilung an bedürftige Soldaten. Ebenso war es auch in den andren Teilen der Pfarrei.

An Wäsche wurde in das erwähnte Lazarett in Speyer geliefert: 105 leinene Hemden, 19 Betttücher, 8 Kopfkissen, 42 Handtücher, 1 Bettbezug, 2 Kopfkissen, Rote-Kreuz-Binden. Mannweiler stellte zur Verfügung: 186 Hemden, 34 Betttücher, 12 Kopfdecken, 20 Kopfkissen, 43 Arm-Schlingen, 56 Handtücher, 3 Schürzen, 18 Rote-Kreuz-Binden, 12 gefüllte Kissen, 50 Paar Socken, 50 Paar Strümpfe, 1 Wasserkissen, 100 Fußlappen, 15 Leibbinden, Pulswärmer, 6 wollene Hemden, 6 Paar Unterhosen; hierin sind auch die Leistungen von Cölln inbegriffen. An alten Wollsachen wurden in der Reichswollwoche 15 Sack aus Oberndorf abgeliefert, die 2,5 Zentner wogen. Daraus wurden Decken für die Soldaten gefertigt. Auch in Mannweiler hatte diese Sammlung ein erfreuliches Ergebnis.

Mitarbeit der Frauen und Jungfrauen

a). bei der Versorgung der Truppen mit Kleidern und Genußmitteln
Wenn auch bei Ausbruch des Krieges der Frauenverein vom Roten Kreuz in der Pfarrei nur vierzehn Mitglieder zählte, so fanden sich doch sofort nach der Mobilmachung sehr viele bereit, sich in den Dienst desselben zu stellen. Die in den Gemeinden gesammelten Wäschestücke wurden nach den Vorschriften des Roten Kreuzes zurecht gemacht. Im Schulhaus zu Mannweiler und im Pfarrhaus zu Oberndorf fanden sich hierzu freiwillige Helferinnen ein. Was dabei hergestellt wurde, ist oben schon erwähnt.
Mit Beginn des Herbstes versammelten sich in Oberndorf Frauen, Mädchen und auch Kinder wöchentlich drei Mal im Schulsaal um allerlei Wollsachen, Strümpfe, Kniewärmer, Leibbinden, Ohrschützer, Kopfhauben und Pulswärmer zu stricken. Die hierzu nötige Wolle wurde teils von der politischen Gemeinde bezahlt, teils durch freiwillige Beiträge aus der protestantischen Gemeinde und durch protestantische Almosen. Im Winter wurden die Strickabende im Pfarrhaus fortgesetzt. Ganz besonders hervorgehoben zu werden verdient der Fleiß der älteren Schulmädchen. Unermüdlich rührten sie die Hände, strickten selbst während des Schulunterrichtes, wenn sie gerade nicht beschäftigt waren. Die nachstehenden Zahlen geben ein Bild von dem, was geleistet wurde; es wurden gestrickt: 155 Paar Socken, 31 Paar Kniewärmer, 27 Paar Pulswärmer, 8 Leibbinden, 37 Ohrenschützer, 16 Kopfhauben. Was von den Schulkindern während des Handarbeitsunterrichtes gestrickt wurde, ist hierbei nicht mitgezählt. Auch hierfür hat die Gemeinde die Wolle gestellt. Katholischerseits wurde fast nur die Wolle verstrickt, die von der politischen Gemeinde geliefert wurde. Aus eigenen Mitteln wurde nur sehr wenig aufgebracht. Dagegen wurden die gestrickten Wollsachen nur an katholische (!) Soldaten  abgegeben. Auch die im Handarbeitsunterricht hergestellten Sachen beanspruchte der katholische Pfarrer zur Hälfte, obwohl die protestantischen Kinder 2/3 ausmachten. Doch wurde ihm ein Strich durch die Rechnung gemacht und seitens der Gemeinde alles an das Rote Kreuz abgeliefert. Auch in den anderen zur Pfarrei gehörigen Gemeinden wurde, und zwar meistens in den einzelnen Häusern, gestrickt, in Mannweiler auch aus den Stoffresten der Reichswollwoche eine Anzahl Teppiche hergestellt.
Wie weit die Frauen und Jungfrauen bei der Versorgung der Truppen mit Genußmitteln beteiligt waren, geht aus der oben angeführten Zusammenstellung der abgesendeten Gaben hervor.
Neben diesen allgemeinen Spenden an die Soldaten wurde im besonderen außerordentlich viel geleistet. In Mannweiler  erhielt jeder im Feld stehende Ortsangehörige von der Gemeinde ein Weihnachtsgeschenk. Von den einzelnen Gemeindegliedern wurden überall fortwährend Feldpostpakete mit allerlei Inhalt an die einheimischen Soldaten, sowie an Verwandte und Bekannte abgeschickt. Es war ein edler Wetteifer, den Soldaten den Aufenthalt in Feindesland so erträglich wie möglich zu machen. Auch arme Soldaten, deren Namen von Ortsangehörigen mitgeteilt waren, wurden mit Allerlei bedacht. An Dankbarkeit für all das Geleistete hat es nicht gefehlt. Hierfür nur einige Beispiele:
Der Regierungspräsident in Gumbinnen dankte der Gemeinde herzlichst für die freiwillige Unterstützung, die man den von den Kriegsereignissen hart betroffenen Ostpreussen durch die in Aussicht gestellten Liebesgaben (gemeint sind die 17 Säcke Kleider) zukommen lassen will.
Die Diakonissenanstalt Speyer und die Lazarette im Max- und Kottenschulhaus zu Kaiserslautern für die übersandten Liebesgaben an Lebensmitteln.
Der Landesausschuß vom Roten Kreuz in Speyer – Weihnachtsausschuß – bestätigte mit Dank den Empfang der Weihnachtsliebesgaben aus der protestantischen Gemeinde Oberndorf.
Soldaten schrieben: „Muß mich als Unbekannter vielmals bedanken für die Liebesgaben, die Sie an die 2. Kompanie geschickt haben“. „Habe zu meinem größten Erstaunen die zwei Pakete erhalten, wofür ich Ihnen und der wohllöblichen Gemeinde Oberndorf zu größtem Dank verpflichtet bin. Werde mir diese Wohltaten auch fernerhin zum größten Andenken bewahren“. Ein Österreicher: „Ich kann Ihnen und Gott nicht genug danken, da ich die Wäsche sehr notwendig brauchte. Ich bin mit Gottes hilfe bis jetzt glücklich davongekommen und hoffe, daß es auch so weiter geht“. „Solche Sachen kann man bei solch einem Wetter sehr gut brauchen, ich werde Sie und die Gemeinde stehts in meinem Andenken behalten“. „Möge es Euch Gott vergelten, was Ihr an den Vaterlandsverteidigern alles tut“! „Wir sahen, daß auch Sie an der Verteidigung des Vaterlandes mithelfen. Es soll unser Bestreben sein, auch fernerhin unserer Pflicht getreu nachzukommen und hoffen bald den Zweck unseres Ziels erreicht zu haben“. „Herzlichen Dank für die Liebesgaben. Werde sie meines Lebtages nicht vergessen (ist bald darauf gefallen)“. „Meine Kameraden und ich sagen Ihnen hiermit unseren besten Dank. Auch vielen Dank der evangelischen Pfarrgemeinde Oberndorf, deren Mitglied ich auch früher gewesen bin (aus Mannweiler, diente auf Seiner Majestät Schiff Prinzregent Luitpold). So Gott will, werde nun auch das stolze Albion bezwungen, das uns so unehrlich in den Krieg zog. Siegen oder Sterben ist unsere Losung! Wenn eines Tages der Ruf zu einer großen Seeschlacht schallt, dann wollen auch wir zeigen, daß wir einem weit überlegenen Gegner gewachsen sind und wir alle von deutschem Mut beseelt sind“.
Solche Dankbarkeit wirkt außerordentlich wohltuend.

b). Bei der Pflege der Verwundeten und Kranken.

Zu dieser Art an Liebestätigkeit war keine Gelegenheit gegeben, da die Pfarrgemeinde zu weit von den Lazaretten entfernt ist. Doch trat die zweitälteste Tochter des Berichterstatters, nach dem sie in Rockenhausen einen Lehrgang für Kranken- und Verwundetenpflege mitgemacht hatte, anfangs Oktober 1914 in das Lazarett der Diakonissenanstalt in Kreuznach als Pflegerin ein. An Typhus erkrankt, mußte sie diese Tätigkeit unterbrechen, um sie nach ihrer Wiederherstellung im Februar 1915 wieder aufzunehmen. Sie blieb dann noch bis Anfang August im Dienst, wobei sie eine Anzahl Austauschgefangener, die aus französischer Gefangenschaftgekommen waren, zu versorgen hatte. Es waren fast lauter Leute, die einen Arm oder ein Bein verloren hatten. Die dankbaren Briefe, welche sie an ihre Schwester Gertrud schrieben, nach dem sie entlassen waren, beweisen, daß die Pflegerin es verstanden hat, sich nützlich zu machen. Das wurde ihr auch von der Vorsteherin der Anstalt in einem Zeugnis bestätigt. Da für die Folge ihre Hilfe nicht mehr so dringend nötig war, trat sie im August 1915 zurück und suchte sich wieder eine Stelle als Kindergärtnerin. Zwei ihrer Pfleglinge besuchten sie später in Oberndorf, der eine ein Austauschgefangener, der aus dem Heim als Invalide entlassen war, und der andere ein Unteroffizier des Gardegrenadierregiments Elisabeth, der noch in der selben Woche, da sein Besuch dahier stattfand, nachdreimaliger Verwundung zum vierten Mal ins Feld kam und vom ersten Gefecht an, seit 11. Oktober vermißt wurde. Er war Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter und erster Klasse. Auch der Erstere hatte das Eiserne Kreuz 2. Klasse als Auszeichnung erhalten.

Auch im Jahr 1915 erlahmte die Liebestätigkeit nicht. Ganz besonders wurden die Lazarette der Diakonissenanstalt in Speyer und in Kaiserslautern weiterhin sehr reichlich mit Lebensmitteln aller Art bedacht. Es bedurfte nur des Wunsches von irgend einer Seite und es war bald eine Sendung beisammen, die mit herzlichem Dank quittiert wurde. Das Almosen, das noch fernerhin für Kriegszwecke verwendet wurde, ertrug im 1. Vierteljahr 31,85 Mark, in Menzweiler 89,60 Mark. Das Oberndorfer Almosen wurde hauptsächlich zum Ankaufen von Wolle verwendet und 25 Mark dem Roten Halbmond zugewiesen. Das in Menzweiler erhobene wurde ganz dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond zugewießen. Es erhielt das erstere im Mai 1915 400 Mark, 200 bei der Sammelstelle Rockenhausen und 200 in Speyer eingezahlt, letzteres 40 Mark. Für den Roten Halbmond wurden außerdem in Oberndorf durch den Adjunkten 74,50 Mark gesammelt. Dem Hindenburgfond konnten durch den Verkauf von 40 Bildern dieses gefeierten Heerführers 60 Mark zugeführt werden.
An altem Metall wurden in Oberndorf und Mannweiler ziemliche Mengen gesammelt. Den Lazaretten in der Nähe, besonders in Kreuznach, wurde von vielen Seiten Blumensträße geschickt, wofür die Verwundeten und Kranken sehr dankbar waren, besonders die Austauschgefangenen in Kreuznach, die sieben Monate in französischer Gefangenschaft waren und ein Bein, einen Arm oder ein Auge verloren hatten.
Die im Februar vorgenommene Sammlung von Lebensmitteln für die Lazarette hatte einen guten Erfolg, ebenso die im Juni vorgenommene Sammlung von alten Metallsachen und Webzeug. Von letzterem konnten 10 Sack abgeliefert werden. Auf die Bitte der Abnahmestelle II in Landau wurden Liebesgaben und 25 Mark in Baar gespendet, ferner wurden der gleichen Stelle von der Kirchenkasse Mannweiler 80 und von Oberndorf 20 Mark überwiesen.
Das Dankopfer am 1. August, dem Jahrestag des Kriegsbeginns, hatte ein sehr schönes Ergebnis. Es gingen ein in Oberndorf 112 Mark, aus der protestantischen Kirchenkasse 15 Mark 80, in Mannweiler 158 Mark, aus der Kirchenkasse Menzweiler 25 Mark, in Cölln mit Weidelbach 46,50 Mark, zu Schmalfeld 163,70 Mark, zu Bremrich 20 Mark und Morsbach 9 Mark, zusammen 550 Mark, die dem Bezirksamt übermittelt wurden.
Im 2. Vierteljahr ertrug das Almosen in Oberndorf 25,60 Mark und in Menzweiler 100,84 Mark.
Im 3. Vierteljahr belief sich das Almosen in Oberndorf auf 24,95 Mark und in Menzweiler auf 51,50 Mark.
Zur Anfertigung von Munition mußten im September sämtliche kupfernen und messingnen Kessel und Geschirre gegen Entschädigung an den Staat abgeliefert werden. Es wurden bezahlt für das Kilogramm Kupfer 4 Mark, Messing 1,80 Mark. Auch der Kessel in der Küche des Pfarrhauses wurde herausgenommen und abgeliefert.
Die im Oktober vorgenommene Sammlung für die deutschen Kriegsgefangenen in fremden Ländern ergab in Oberndorf 99,10 Mark, in Mannweiler 140,80 Mark, in Cölln 50 Mark mit den Höfen. Für das bulgarische Rote Kreuz wurden von der Kirchenkasse Oberndorf 10 Mark und aus Mannweiler 20 Mark gespendet.
Zur Weihnachtsspende für die im Felde stehenden wurden beigesteuert in Oberndorf 100 Mark, in Mannweiler 150 Mark, in Cölln und von den Höfen Schmalfeld und Bremrich wurde gemeinsam mit der Gemeinde Bayerfeld-Steckweiler beigesteuert.
Im 4. Vierteljahr ergab das Almosen in Oberndorf 23,50 Mark, in Menzweiler 56,59 Mark. Sohin im Ganzen Oberndorf 105,90 Mark, Menzweiler 292,53 Mark, zusammen 398,43 Mark.
Für das Lazarett Garny bei Metz wurden in Oberndorf 4 große Kisten mit Bettzeug, Leibwäsche, Obst und Eingemachtes gesammelt,womit einem großen Bedürfnis abgeholfen wurde, da es im ganzen Lazarett fast an allem fehlte. Zur Herstellung der erwähnten Gegenstände wurden von den Bewohnern von Oberndorf und des Schmalfelderhofes und Bremricherhofes eine große Zahl weißer Baumwollstrümpfe sowie Leinensachen geschenkt, die im Pfarrhaus entsprechend verarbeitet wurden, wobei eine Anzahl Frauen und Mädchen fleißig mithalfen.
Zum Schluss des Jahres machte die Gemeinde Oberndorf aus ihrer Kasse den einheimischen Soldaten noch Geschenke.
1915 im Ganzen bar abgeliefert: 1922 Mark 41 Pfennig.

Aus Liebestätigkeit: 1916

Das Almosen ertrug im 1. Vierteljahr in Oberndorf  20,25 Mark
in Menzweiler 49,58 Mark
2. Vierteljahr in Oberndorf  38,51 Mark
in Menzweiler 35,25 Mark
3.Vierteljahr  in Oberndorf  13,95 Mark
in Menzweiler 36,89 Mark
4.Vierteljahr in Oberndorf   21,25 Mark
in Menzweiler 58,45 Mark
Summe: 274,87 Mark
Für die bayerische Kriegsfürsorge in München wurden gespendet von der Kirchenkasse Oberndorf 20 Mark und Menzweiler 20 Mark aus Almosen = 40 Mark. Am 2. Kriegsopfertag gingen ein in Oberndorf 118, 20 Mark, in Mannweiler 194,50 Mark, in Cölln 84,20 Mark und in Schmalfeld 292 Mark, in der Summe 598,90 Mark.
Die Kirchensammlung für die evangelischen Gemeinden in Polen ertrug in Oberndorf 7,40 Mark, in Menzweiler 10,60 Mark. Aus den übrigen Almosen wurde von jeder Gemeinde 5 Mark zugelegt. Gesamtbetrag: 18 Mark.
Der pfälzischen Kriegsfürsorge wurden aus Oberndorf 25 Mark und aus Menzweiler 50 Mark aus dem Almosen zugewendet, im Ganzen 75 Mark. Auf die 5. Kriegsanleihe wurden, hauptsächlich von Kindern aus ihren Sparbüchsen, 745 Mark gezeichnet, in Mannweiler, wo sich auch Erwachsene beteiligten, 1520 Mark. Der Nationalstiftung zu Gunsten der Hinterbliebenen der im Krieg Gefallenen konnte an Kirchenalmosen aus Oberndorf 18 Mark und aus Menzweiler 22 Mark, im Ganzen 40 Mark zugeführt werden.
Außer den kirchlichen Sammlungen für Kriegszwecke wurden auch 1916 solche für andere Zwecke vorgenommen, welche wie in früheren Jahren ausfielen.
Im Herbst wurde eine Sammlung von Lebensmitteln in Oberndorf vorgenommen, die an die Lazarette in Kaiserslautern und Speyer abging. An Bargeld wurden 1916 abgeliefert 751,90 Mark.

Die Liebestätigkeit 1917

Das Almosen ertrug im 1. Vierteljahr in Oberndorf   18,46 Mark
in Menzweiler  40,47 Mark
im 2. Vierteljahr in Oberndorf   17,25 Mark
in Menzweiler  43,21 Mark
im 3. Vierteljahr in Oberndorf   15,60 Mark
in Menzweiler    69,63 Mark
im 4. Vierteljahr in Oberndorf   13,90 Mark
in Menzweiler    41,06 Mark
Summe: 264,64 Mark
Für die bayerische Kriegsfürsorge in München wurden dazu gespendet im Januar von Oberndorf 20 Mark, von Menzweiler 50 Mark, Summe = 70 Mark.
Für die pfälzische Kriegsfürsorge in Speyer im Januar von Oberndorf 20 Mark, von Menzweiler 50 Mark, Summe = 70 Mark.
Am Opfertag 1917, dem 5. August, wurden an das Bezirksamt Rockenhausen eingeschickt von der Kirchenkasse Oberndorf 28 Mark und von Menzweiler 64,50 Mark, in Summe 92,50 Mark.
U-Bootspende 108 Mark.
Dazu wurde gesammelt in Oberndorf bei den Protestanten 91,60 Mark, bei den Katholiken 37 Mark, in Mannweiler 134,50 Mark, Cölln 66,10 Mark, Schmalfelderhof 330 Mark, Bremricherhof 49 Mark, im Ganzen 849,70 Mark.
Zu der Kirchensammlung am Reformationsjubiläum für die durch den Krieg geschädigten Schutzgebiete wurde in Oberndorf ein Zuschuß von 20 Mark, in Mannweiler ein solcher von 25 Markbewilligt. Danach betrug die Sammlung in Oberndorf 28 Mark, in Menzweiler 52 Mark, in Summe 80 Mark.
Die Kirchensammlung zu gunsten der Nationalstiftung am 2. Dezember 1917 ergab in Oberndorf 4,20 Mark, dazu 10 Mark aus dem Almosen, in Menzweiler 11,10 Mark, dazu 25 Mark aus dem Almosen, Summe 50,30 Mark.
Im Jahr 1917 wurden somit im Ganzen abgeliefert 1320,50 Mark.

Die Liebestätigkeit 1918

Almosenerträgnis: 1. Vierteljahr in Oberndorf   46,95 Mark
in Menzweiler   54,65 Mark
2. Vierteljahr in Oberndorf  32,34 Mark
in Menzweiler   33,98 Mark
3. Vierteljahr in Oberndorf   29,80 Mark
in Menzweiler   28,88 Mark
4. Vierteljahr in Oberndorf   29,66 Mark
in Menzweiler   60,54 Mark
Summe: 316,80 Mark
Die Soldatenheim – Sammlung wurde aus der Kirchenkasse Oberndorf mit 30 Mark und aus Menzweiler mit 50 Mark vermehrt. Das Ergebnis der Sammlung in den Gemeinden ist nicht bekannt geworden. Schmalfeld gab 170 Mark, Summe = 250 Mark.
An Kriegsanleihe wurden im April in Oberndorf von den Kindern 1767 Mark und in Mannweiler 2582 Mark gezeichnet, Summe = 4349 Mark. Zur Ludendorfspende wurden beigesteuert in Oberndorf aus der Kirchenkasse 20 Mark, von den Schulkindern 50 Mark und aus der Gemeinde 250 Mark = 320 Mark. In Mannweiler von den Schulkindern 79,90 Mark, aus der Gemeinde 352 Mark = 431,90 Mark, in Cölln 46,20 Mark, Summe = 799,50 Mark.
Die Kirchensammlung für Jugendpflege, welche beim Unionsjubiläum erhoben wurde, ergab in Oberndorf 7 Mark, dazu aus den Almosen 10 Mark = 17 Mark, in Menzweiler 16,60 Mark, dazu 20 Mark aus dem Almosen = 36,60 Mark, zusammen 59,60 Mark. Im Laufe des Jahres wurden somit abgeliefert 1101,10 Mark. Von den Almosen in Oberndorf wurden 100 Mark verzinslich angelegt, um damit eine Gedenktafel für die Gefallenen in der Kirche anbringen zu können.
Den Rest des Almosens in Menzweiler verwendete das Presbyterium in der Weiße, daß es 112 Mark der Glockenrücklage und 58 Mark der Orgelrücklage zuteilte.
Die Reste fielen in beiden Gemeinden der Kirchenkasse zu und es hat damit die Verwendung des Almosens zu Kriegswohlfahrtszwecken aufgehört. Im Ganzen wurden dafür verausgabt in Oberndorf 374 Mark, in Menzweiler 1095 Mark, in der Summe 1469 Mark.
Während des Krieges wurden an Barmitteln, soweit diese ermittelt werden konnten, gespendet:
1914: 1794,91 Mark
1915: 1922,41 Mark
1916:   751,90 Mark
1917: 1920,50 Mark
1918: 1101,10 Mark
In der Summe : 6891,62 Mark
Rechnet man dazu die Gaben an Lebensmitteln, Kleidung, Wäsche u.s.w., so dürfte sich eine Summe von 10 000 Mark ergeben.

Kriegshumor:

Daß bei so vielen lebenslustigen, siegeszuversichtlichen jungen Leuten beim Ausmarsch auch der Humor zur Geltung kam, kann nicht Wunder nehmen. Auf den Eisenbahnwagen fanden sich allerlei Inschriften, von denen einige mitgeteilt seien:

„Jeder Stoß ein Franzos; jeder Schuss ein Russ“.
„Platz da – Eilzug nach Paris. Neue Wichse für Frankreich“.
„In 14 Tagen Tangounterricht in Paris“ (Tango ist ein neuer Tanz).
„Immer feste drauf. Parole: Auf Ihn! Haut Ihn! In Eile – Frankreich kriegt Keile! Die Serben sind alle Verbrecher, ihr Land ist ein finsteres Loch, die Russen sind auch nicht besser, aber Keile kriegen sie doch“.
„Wir fürchten keinen Serben, keinen Pollack, keinen Russen, keinen Kosak, keinen Briten, keinen Franzos, wir sind die tapferen Bayern und hauen fest drauf los“.
„Nix wie enuff!“
„Gegen Frankreich zieht das deutsche Heer, für Russland langt die Feuerwehr!“
„Lieb Vaterland magst ruhig sein, in 14 Tag ist Frankreich dein“.

 

Beißender Spott  wurde in der Heimat den Kommunalverbänden gewidmet. Der Volksmund bezeichnete sie nicht anders denn als „Kriminalverband“. Seiner Tätigkeit wurde in Kaiserslautern folgender Vers gesungen:
„Es braust ein Ruf wie Donnerhall;
In Lautre sin die Grumbeere all.
Die Butter, Eier un de Speck,
Die fresse jo die Reiche weg
Die Arme un de Mittelstand
Die hot de Kommunalverband.
Auch der Tod so vieler junger Menschenleben regte das Volk zum Dichten an. Besonders Gutes ist allerdings nicht herausgekommen. Immer aber geben sie ein Zeugnis von der Stimmung, die im Volke herrschte, weshalb einige Verse hierhergestellt seien.
„Auf fremder Erde schwer und müde sank sein Haupt zur ewigen Ruh. Fürs Vaterland gabst du dein junges Leben, schlaf wohl nun, wackrer Streiter, du. Warst noch jung, starbst viel zu früh, wer dich gekannt, vergisst dich nie.
Schwer bist du von uns geschieden, als du zogst in Feindesland. Ruhe sanft in süssem Frieden, du starbst als Held fürs Vaterland.
Im Grabe Ruh, im Leben Schmerz, schlummere sanft du treues Herz.
Geliebt und unvergessen bleibt mir mein treu geliebter Mann.
Den Schmerz kann nur ermessen, wer es erfahren schon.
Zu früh schlug diese Stunde, die ihn aus unserer Mitte nahm.
Doch tröstend kommt aus unserem Munde: Was Gott tut, das ist wohlgetan.“

Im Felde schrieb ein Soldat an seine Angehörigen:
Wenn ihr schaut in stillen Nächten
Tränenschwer zum Himmelszelt,
Während ich mit Feindesmächten
Ringe auf dem Kriegesfeld.
Ihr Lieben, ach dann tröstet euch,
Denn ich kämpfe auch für euch.
Soll ich nimmer wiederkehren
In das Elternhaus zurück,
Soll ich sterben hier zur Ehre
Für des Königs Waffenglück,
Ihr Lieben, ach dann betet für mich,
Daß in Frieden ruhe ich.

 

 

70 Jahre Nordpfälzer Herbstfest ?

Das „Wochenblatt“, Amtsblatt der Verbandsgemeinden Alsenz-Obermoschel und Rockenhausen titelt in der Ausgabe vom 22. August 2019 auf Seite 1  „Bilder aus den vergangenen 70 Jahren gesucht“, der Countdown läuft – 70 Jahre Nordpfälzer Herbstfest.

Damit erweckt das Wochenblatt den Eindruck, dass das Nordpfälzer Herbstfest im Jahre 1949 erstmalig gefeiert worden sei, also seine Etablierung in die Zeit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland falle.

Nach hier vorliegenden Informationen ist dem nicht so.

Die Geburtsstunde des Nordpfälzer Herbstfestes schlug am 22./23. August 1936. Erfinder und Initiator war der damalige NSDAP – Kreisleiter des Landkreises Rockenhausen und Stadtbürgermeister von Rockenhausen  Karl-Josef Graf aus Hettenleidelheim.

Wegen der Absatzschwierigkeiten beim Wein rief der damalige „Reichsnährstand“ ab 1934 die „Patenweinaktion“ ins Leben. Ca. 250 deutsche Städte übernahmen eine bestimmte Quantität Wein und schenkten ihn zu einem Einheitspreis von 1,40 Mark als Patenwein aus. So bestand zum Beispiel zwischen Oberndorf/Alsenz und dem oberschlesischen Großstrehlitz ein entsprechendes Arrangement. Zudem wurde am 19. Oktober 1935 die „Deutsche Weinstraße“ von Bockenheim nach Schweigen eröffnet. In diesem Zusammenhang ist auch die Veranstaltung des ersten „Nordpfälzer Weinwerbefestes“, wie es damals noch hieß, zu sehen. Graf wollte mit seiner Initiative Werbung für den in Schwierigkeiten geratenen Nordpfälzer Weinbau betreiben.
Die „Pfälzische Tageszeitung“ vom 12.08.1936 schrieb dazu in der Vorschau: „Die gesamte weinbautreibende Nordpfalz (wird) demnächst mit einer großangelegten Werbung vor die Öffentlichkeit treten. Daß diese Werbung für unsere einheimischen Erzeugnisse nottut, darüber kann wohl kein Zweifel bestehen. Man hat es bisher viel zu wenig verstanden, unseren hochqualifizierten Naturprodukten auf dem Gebiet des Weinbaus den gebührenden Namen zu verschaffen. Der Nordpfälzer Wein ist seither in der Kategorie der Rhein- oder Naheweine untergegangen; und das soll nun anders werden. Wir stehen vor einer neuen, voraussichtlich guten Weinernte; da muß der alte Wein dem neuen Platz machen. Die Absatzschwierigkeiten sollen durch eine geeignete Werbung überwunden werden, und man ist allgemein der Überzeugung, daß dies durch das angesetzte Weinwerbefest gelingen wird. Es ist zu hoffen und zu wünschen, daß das  Nordpfälzer Weinwerbefest unserer einheimischen Weinbauwirtschaft den heißersehnten wirtschaftlichen Auftrieb geben wird. Und wenn beachtliche Erfolge erzielt werden – was zu erwarten ist – dann ist es naheliegend, das Nordpfälzer Weinwerbefest zu einer dauernden Einrichtung zu erheben.“

Entsprechend wurde das Vorhaben in die Tat umgesetzt. In der städtischen Turnhalle von Rockenhausen waren Weinstände der verschiedenen Weinbaugemeinden aufgebaut. Eröffnet wurde das Fest mit einem gemütlichen Unterhaltungsabend. Der eigentliche Höhepunkt war jedoch der Umzug am folgenden Tag, dem 23.08.1936.
Das erste „Nordpfälzer Weinwerbefest“ wurde jedenfalls zu einem tollen Erfolg. Schon ein Jahr später (1937) kündigte der damalige Gauleiter Bürckel seinen Besuch an und wurde laut Bericht der „Pfälzischen Tageszeitung“ vom 31.08.1937 „allseitig stürmisch aufs herzlichste begrüßt“.

Mit Hilfe solcher Aktionen gelang es, die Bestände in den Weinkellern weitgehend abzubauen. Der Pro-Kopf-Weinverbrauch steigerte sich in den Jahren 1935 bis 1939 im damaligen Dritten Reich von 4,6 Litern auf 6,6 Liter.

Soweit zu den historischen Hintergründen des Rockenhausener Herbstfestes.

Es wäre zu wünschen gewesen, der Autor des eingangs erwähnten Wochenblattartikels hätte die Fakten zum Rockenhausener  Herbstfest gründlicher recherchiert, um seiner Verantwortung als Journalist gerecht zu werden.

 

 

Fossilienfund in der Gemarkung Oberndorf

Im Gebiet der Oberndorfer Gemarkung stammen die bodenbildenden Gesteine, also die Gesteine, die an der Oberfläche anstehen, im Wesentlichen aus Ablagerungen aus dem Zeitalter des „Rotliegenden“, einem Zeitabschnitt im übergeordneten Permokarbon. Damals herrschte in unserer Gegend ausgeprägtes Monsunklima, mit entsprechenden Niederschlagsmengen, was zu einer von Flüssen und  Seen durchzogenen Landschaft führte. Vor knapp 300 Millionen Jahren kam es in dieser Landschaft nicht nur zu intensiven Magmaintrusionen (z.B. die heutzutage als „Feuersteinrossel“ bezeichnete Felskuppe am Weinbergsgelände Beutelstein) und Ascheschüttungen (Aspenbergtuffe), sondern durch Hebungen und Senkungen im Untergrund auch zu Stauungen der Flusssysteme, was zur Bildung von Süsswasserseen führte. Die Ablagerungen dieser Süßwasserseen bestehen aus sehr fein geschichteten Kalk- und Tonsteinen. In den Tiefen dieser Seen herrschte Sauerstoffmangel und in dessen Folge gab es auch kaum Bodenleben, so dass optimale Bedingungen für das Entstehen von Versteinerungen der damaligen, in den Seen vorkommenden Lebewesen gegeben waren.

Diese ehemaligen Süßwasser-Seeböden treten heute an verschiedenen Stellen in der Gemarkung als „Schiefer“ zu Tage. Die abgebildete Fossilie wurde in einem solchen Gestein, welches beim Bau der Ortsumgehungsstraße freigelegt wurde, im Oktober 1986 entdeckt. Der  Fundort liegt auf der Trasse der B 48, Gemarkungsteil „auf der Rolle“ etwa in Höhe der Brücke über die Umgehungsstraße zur Mährenbach hin.

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Vollständiges, sehr gut erhaltenes Individuum aus einem Seehorizont, gefunden in einer Ablagerung des Unterperm, Rotliegend-Gruppe, Glan-Subgruppe, mutmaßlich der Meisenheim-Formation.

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Das Fotomaterial wurde von dem Finder und Präparator der Fossilie, Herrn Norbert Guckeisen, im Heerdell 5, 67821 Oberndorf, freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Leser mit Interesse an näheren Einzelheiten wenden sich bitte direkt an Herrn Guckeisen.

Bei der auf den Fotographien abgebildeten Fossilie handelt es sich mutmaßlich um ein Exemplar eines Schmelzschuppenfisches (Ganoidei) der Art „Aeduellidae“. Diese Art ist unter anderem an ihrem runden Kopf mit relativ großer Augenhöhle, einem kurzen Mundspalt und einer fast vertikalen Orientierung der vorderen oberen Kiemenknochen zu identifizieren. Der Oberkiefer ist charakteristischer Weise sehr schmal und am Hinterrand nur leicht erhöht, die Beschuppung kräftig, aber glatt.

Der Autor dankt dem Besitzer und Finder der Fossilie, Herrn Norbert Guckeisen, Im Heerdell 5, 67821 Oberndorf, für die Überlassung des Fotomaterials und die fachkundige Erläuterung.

Kriegschronik von Oberndorf, Teil VI

VERZEICHNIS DER FELDZUGTEILNEHMER

I. OBERNDORF

1). Barwick Ernst, geb. 11.1.1889, Sohn von Peter Barwick, Landwirt, Sanitätsunteroffizier beim 8. bayerischen Reserveinfanterieregiment, 4. Kompanie. Krank im Lazarett in Memmingen, im Nov. 1915 wieder ins Feld. Juli 1916 bei den Kämpfen an der Somme verwundet, im Lazarett zu Bielefeld. Bayerisches Verdienstkreuz 3. Klasse und Eisernes Kreuz 2. Klasse.

2). Barwick Karl, geb. 14.05.1883, Bruder des vorigen, Dozent an der Universtität Jena, Vizefeldwebel der Fußartillerie, bei der Festungskompanie in Weisenau bei Mainz, später in Metz, dann in Russland.

3). Bauer Wilhelm, geb 24.10.1884, Sohn des Landwirts Friedrich Bauer, Forstbediensterer in Ebernburg, Unteroffizier im 5. bayerischen Landwehr Infanterieregiment, 12. Kompanie, Krank in Würzburg, wurde auf der Kanzlei verwundet und zum Offiziersstellvertreter befördert, 1916 in den Forstbetrieb zurück.

4). Bauer Friedrich, geb. 14.06.1886, Bruder des vorigen, zuerst bei der Armierungsabteilung VIII, 24. Kompanie, in Germersheim. Im September 1914 entlassen. Am 02.01.1915 nach Kaiserslautern zum 23. bayerischen Infanterieregiment, Ersatz zum Depot eingrückt. In Nordfrankreich bei Wytschaete verwundet, im Lazarett zu Fritzlar, dann bei der Truppe in Landau beim 18. Infanterieregiment, 1. Ersatzbatallion, 5. Ersatzkompanie. Im Herbst 1915 krank in Landau. Beim 31. bayerischen Infanterieregiment in der Champagne 1917, krank in Würzburg bis 1920.

5). Benz August, geb. 11.03.1878 zu Ransweiler, 17. bayerisches Infanterieregiment 1916 in Nordfrankreich, dann im Elsass. Landsturmmann beim bayerischen Ersatzinfanterieregiment Nr. 4, 4. Kompanie.

6). Bollenbach August, geb. 30.10.1879, Landwirt, beim Ersatzbatallion des 5. bayerischen Landwehr Infanterieregiments, 3. Kompanie, in Metz, später in Riga.

7). Dautermann Wilhelm, geb. 23.02.1872, 1916 eingerückt, zuerst als Wachmann verwendet, zuletzt im Elsass.

8). Dautz Paul, geb. 07.06.1877 in Radelau in Schlesien, Dienstknecht, Dezember 1915 eingerückt.

9). Doll Friedrich, geb. 24.03.1872, Januar 1916 eingerückt.

10). Ebersold Friedrich, geb. 14.01.1885 zu Kirkel, Lehrer in Oberndorf, Vizefeldwebel beim 8. bayerischen Reserve Infanterieregiment, 1. Kompanie. Am 3. November 1914 in Nordfrankreich verwundet, im Lazarett zu Brombach in Baden. Im Dezember wieder zur Truppe nach Flandern. An Weihnachten 1914 erhielt er in Comines das Eiserne Kreuz, wurde zum Offiziersstellvertreter ernannt. Das Regiment wurde der 10. bayerischen Infanteriedivision zugeteilt und kam nach Estree bei Peronne. August 1915 mit dem bayerischen Verdienstkreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Fiel am 20/21 Dezember 1915 durch einen Bauchschuss. In Marchilepot beigesetzt.

11). Finkenauer Friedrich, geb. 19,06,1894, erstes bayerisches Landsturmbatallion Zweibrücken, 4. Kompanie, zuerst auf Bahnwache in Langmeil und Münster am Stein. Dann 1916 in Zweibrücken und nach Riala in Russland, Verdienstkreuz 3. Klasse bei der Bug-Armee, Korps Bernhardi.

12). Frölich Friedrich, geb 22.09.1899, war 1918 nach München eingerückt, wo er an Rippenfellentzündung erkrankte, kam nicht ins Feld.

13). Grimm Ludwig, geb. 28.08.1896, Seminarist, Sohn von Friedrich, 23. bayerisches Infanterieregiment, II Ersatzbatallion, 14. Korporalschaft in Kaiserslautern, Juli 1916 in Bamberg beim 26. Infanterieregiment Würzburg, dann 27. bayerisches Infanterieregiment, 5. Kompanie, in Rumänien am rechten Arm schwer verwundet, im Lazarett in Bukarest, dann in Passau und Kaiserslautern, Eisernes Kreuz.

14). Grimm Otto, geb. 22.04.1898, Schreiner, Bruder des vorigen, beim 22. bayerischen Infanterieregiment, in Frankreich verwundet, Lazarett in Siegen.

15). König Albert, geb. 13.02.1881, Landwirt in Oberndorf, beim 23. bayerischen Infanterieregiment, 2. Rekrutendepot, in Kaiserslautern eingerückt, kam 1916 nach Flandern, wurde dort verwundet, geriet am 07.06.1917 bei Arras in englische Gefangenschaft, aus der er im Dezember 1919 zurückkehrte.

16). König Otto, geb. 10.02.1879, Metzger und Landwirt, Unteroffizier beim 1. Rekrutendepot des 8. bayerischen Infanterieregiments in Metz. Im Dezember 1914 krank zu Hause, 1915 in Zweibrücken, 1916 mit einem Transport in Siebenbürgen (Borsa).

17). Michels Friedrich, geb. 17.06.1878 zu Fürfeld, Landwirt hier, war einige Zeit auf Bahnwache beim Landsturmbatallion Zweibrücken, 1915 bei einer Tragtierkompanie in den Alpen, dann in Serbien und Mazedonien. An Malaria erkrankt in Üsküb. 1916/17 bei der Tragtierkolonne in Miesbach/Oberbayern.

18). Müller Heinrich, geb. 20.07.1872, Steinhauer, Fahrer bei der 2. leichten Munitionskolonne des 6. bayerischen Feldartillerieregiments in Belgien bei Warmelon, dann in Nevchapelle, 1916 im April nach Landau, im Mai mit einem Pferdetransport nach Russland, am 12.06.1916 entlassen.

19). Müller Jacob, geb. 15.02.1899, Sohn des vorigen, eingerückt in Metz, 1918 verwundet, im Lazarett in Sternberg in Mecklenburg.

20). Müller Otto, geb. 10.11.1899, Bruder des vorigen, wurde bei den Minenwerfern in München ausgebildet.

21). Müller Wilhelm, geb. 17.04.1879, Steinhauer, November 1915 nach Flandern, 17. bayerisches Infanterieregiment, 15. Kompanie, verwundet, im Lazarett zu Nienburg an der Weser, dann in Kaiserslautern und Germersheim, 1917 beim Hilfsdienst.

22). Müller Philipp, geb. 29.09.1870, Straßenwärter, Landsturmbatallion Zweibrücken, in Oberwiesen geboren, zuerst bei der Bahnwache, dann in Mechelen (Belgien), 1916 beurlaubt.

23). Müller Wilhelm,geb. 27.09.1898, Gärtner, Sohn des vorigen, bei der Artillerie in Mainz ausgebildet.

24). Müller Georg, geb. 29.07.1897, Knecht, Bruder des vorigen.

25). Neubrech Hermann, geb. 02.12.1871, Landwirt, auf Bahnwache in Ebernburg.

26). Prezius Heinrich, geb. 20.06.1870, beim 2. Pionierbatallion in Speyer eingerückt, Juli 1916 wieder entlassen.

27). Prezius Johann, geb. 12.04.1872, Steinhauer, Bruder des vorigen

28). Michel Valentin, geb. zu Dörrenbach, Wingertsarbeiter, beim 22. bayerischen Infanterieregiment, machte die Kämpfe in Lothringen mit, verwundet und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Nach seiner Verwundung mit Linn Wilhelmine aus Oberndorf kriegsmäßig in Rockenhausen getraut, kam nach Nordfrankreich, wo er an Weihnachten 1914 fiel.

29). Schlarb Friedrich, geb. 09.03.1891, Landwirt, Gefreiter der Reserve im 12. bayerischen Feldartillerieregiment, 2. Abteilung. Gefallen am 1.September 1914 bei Framboise, westlich Luneville.

30). Schworm Friedrich, Landwirt

31). Spuhler Theodor, geb. 28.11.1877, Taglöhner, beim 1. Landwehr Infanterieregiment Nr. 87, 18. Kompanie in Frankfurt am Main, hier starb er am 04.05.1916.

32). Thamerus Philipp, geb. 11.03.1879 zu Münsterappel, Landwirt, Sanitätsunteroffizier beim Landsturmbatallion Zweibrücken, zuerst in Zweibrücken beschäftigt, Mai 1916 in Ath in Belgien, dann in Galizien, Eisernes Kreuz.

33). Walter Friedrich, geb. 21.05.1886, Landwirt, Unteroffizier beim 5. bayerischen Feldartillerieregiment, Armeegruppe Falkenhausen, 1. bayerische Landwehrdivision, 1. bayerisches Landsturmbatallion, bei Fresnes lange Zeit in Stellung. Bayerisches Verdienstkreuz 3. Klasse mit Kreuz und Schwertern, als die Batterie in San Leoise stand. Von da kam er nach Lagarde. Zum Vizewachtmeister befördert. 1916 vor Verdun (Vaux), Eisernes Kreuz.

34). Walter Peter, geb. 22.12.1897, Landwirt, Sohn von Friedrich, beim 5. Feldartillerieregiment in Landau eingerückt, musste ins Lazarett, kam nicht ins Feld, zuletzt in Grafenwörth, Oberfranken.

35). Wenz Karl, geb. 18.08.1878, Lehrer in Elmstein, beim 5. bayerischen Infanterieregiment, 4. Kompanie. Am 4.11.1914 bei Wytschaete durch einen Schulterschuss außer Gefecht gesetzt, kam in das Reservelazarett zu Blankenburg im Harz. Im Dezember wieder zur Truppe nach Metz zurück, auf der Kanzlei verwendet, 1916 wieder im Schuldienst.

36). Wenz Peter, geb. 28.07.1890, Lehrer in Neuhofen, Gefreiter im 18. bayerischen Infanterieregiment, 17. Kompanie. Am 20.08. bei Mörchingen durch einen Schrapnellschuss verwundet am linken Bein. Lag bis 22. daselbst im Lazarett, dann in Zweibrücken und Rockenhausen. Am 28.10. wieder als vorläufig noch felddienstunfähig nach Landau eingerückt, am 18.12 wieder ins Feld zur Armeegruppe Falkenhausen, 30.Reservedivision, bayerisches Ersatzbatallion Nr. 5. Stand bei La petit Raon, südwestlich von Davos in den Vogesen, dann in Senones. Hier zum zweiten mal durch einen Granatsplitter an der Nase verwundet, kam nach Rothan, dann nach Straßburg ins Lazarett, von da nach Kaiserslautern. Zum Unteroffizier befördert, 1916 in Hammelburg am Maschinengewehr ausgebildet, machte die Kämpfe gegen Rumänien in den Karpaten mit, verwundet in Maros-Vasarkely in Ungarn, im Lazarett. Seit 1917 im Schuldienst, dann in Grafenwörth zum Offizier ausgebildet. September 1918 schwer verwundet in belgischer Gefangenschaft. Sommer 1919 zurückgekehrt.

37). Wolfänger August, geb. 1889, Schreiner, beim 22. bayerischen Infanterieregiment. Die Kämpfe um Przemysl mitgemacht, im Juli in Russland verwundet, im Lazarett in München, dann Obermoschel, Lungenheilanstalt in Bamberg, Ersatzbatallion Zweibrücken, 1916 entlassen.

38). Wolfänger Friedrich, geb. 01.05.1885, Lehrer in Kaiserslautern, Unteroffizier daselbst, bildete Rekruten aus, dann in der Intendantur.

39). Wolfänger Heinrich, geb. 30.04.1880, beim 4. bayerischen Reserveinfanterieregiment, Ersatzbatallion, 1. Kompanie, in Niederhochstadt im Lazarett, dann in Germersheim und Obermoschel.

40). Zepp Eugen, geb. 27.06.1889, Fabrikarbeiter in Ludwigshafen. Beim 17. bayerischen Infanterieregiment, 9. Kompanie. Bei Rozelieures am 24.08.am linken Bein schwer verwundet, seither vermißt, ist nicht wiedergekehrt.

41). Zepp Ludwig, geb. 27.04.1884, Fabrikarbeiter in Ludwigshafen, Unteroffizier beim 4. bayerischen Landwehrinfanterieregiment, 12. Kompanie. Lange Zeit bei Riningen in Lothringen bei Deutsch-Avricourt. Wurde zum Sergeant befördert, zur 4. Ersatzkompanie der 7. Division in Köln versetzt. Kam dann zur 35. Pionierkompanie, Geräteverwaltung. Wieder nach Frankreich, dann nach Russland, 1916 in Litauen. Das Eiserne Kreuz erhalten. 1916 in die Anilinfabrik zurück als Reklamierter, Bruder des vorigen.

42). Zepp Jakob, geb. 25.07.1886, Bruder des vorigen, Fabrikarbeiter in Frankfurt am Main. Bei der Feldbäckerei in Hanau.

43). Zepp Karl, geb. 19.02.1895, Knecht, 22. bayerisches Infanterieregiment, 8. Ersatzbatallion, 2. Kompanie, dann 9. Kompanie, in Serbien, dann vor Verdun von einer Granate verschüttet, Lazarett in Nassau an der Lahn, Eisernes Kreuz, Militärverdienstkreuz.

44). Zepp Wilhelm, Knecht, 4. bayerisches Infanterieregiment, Bruder des vorigen.

45). Zepp August, geb, 18.10.1898, Knecht, am 18.01.1917 nach Metz. Am 26.11.1917 zum 9. Rekrutendepot, am 29.11. zum Fußartilleriebatallion Nr. 19, 9. Batterie in den Vogesen. Am 12.12.1917 in das Batallion in Ruhe gekommen. Die 9. Batterie war in der Stadt Xanten und bei Maubeuge, kam von da ins Feld, fiel am 22.04.1918, Bruder des vorigen, alle in Alsenz geboren. Militärverdienstkreuz.

46). Doll Otto, geb. 10.04.1900, Schriftsetzer, Sohn des unter 9. genannten.

47). Linn Karl, geb. 02.06.1900

Katholiken aus Oberndorf

1). Blum Jean, beim 17. bayerischen Infanterieregiment in Nordfrankreich, August 1916 in englische Gefangenschaft, 1919 zurück.

2). Blum Winfried, Bruder des vorigen.

3). Blum Willibald, 8. bayerisches Infanterieregiment, Hüftschuss, Bruder des vorigen.

4). Jungk Karl, Lehrer, bildete in Zweibrücken Rekruten aus, Januar 1916 wieder in den Schuldienst.

5). Korz Franz, bei der Artillerie, 12. Regiment, nicht im Feld.

6). Schückler Heinrich, Unteroffizier im 23. bayerischen Infanterieregiment. Wurde August 1914 bei St. Moritz in den Vogesen am Fuße verwundet, kam ins Lazarett nach Straßburg und Kaiserslautern. Kehrte wieder zur Front zurück, in Straßburg am Fuß operiert, abermals beim Regiment, 1915 im November entlassen und beim Kommunalverband in Rockenhausen verwendet. Auszeichnungen: bayerisches Militärverdienstkreuz.

7). Schückler August, Bruder des vorigen, beim 5. Feldartillerieregiment, nicht im Feld.

8). Schückler Karl, Bruder des vorigen, beim 5. Feldartillerieregiment, verwundet.

9). Schückler Ludwig, bei der Artillerie in Würzburg, im Feld.

10). Schuhmacher Jakob, bei der Armierung in Harthausen bei Speyer.

11). Simon, bei einer Artilleriekolonne in Russland

12). Weinheimer Wilhelm, bei der Eisenbahn in Serbien.

13). Weinheimer Philipp, bei den Pionieren an der Somme, Militärverdienstkreuz.

14). Weinheimer Robert, bayerisches Infanterieregiment, in englischer Gefangenschaft.

II: MANNWEILER

1). Bauer Karl, geb. 08.08.1887, mit dem 27. bayerischen Infanterieregiment nach Rumänien und seit den Kämpfen bei Marasenti am 19.08.1917 vermißt. Er war Gemeindeschreiber in Münsterappel, mit einem Mädchen von dort verlobt.

2). Bauer Ludwig, geb. 21.02.1891, Landwirt, Bruder des vorigen, bei Ausbruch des Krieges Soldat im 22. bayerischen Infanterieregiment, 2. Kompanie. Seit der Schlacht bei Metz am 20. August 1914 vermißt. Beide nicht mehr heimgekehrt.

3). Bernhard Ludwig, geb. 01.04.1874, Landwirt, 5. bayerisches Landwehrregiment, 9. Kompanie, in den Vogesen bei Deutsch-Avricourt, später in Siebenbürgen.

4). Bienroth Isaak, geb. 25.11.1874 zu Ruppertsecken, Knecht, beim 29. bayerischen Infanterieregiment, 2. Kompanie. Danach Landsturmbatallion Kaiserslautern, Armeegruppe Falkenhausen in den Vogesen, Landsturminfanterieregiment Nr. 115 in Serbien und in der Dobrudscha.

5). Frölich Karl, geb 08.12.1894, beim 22. bayerischen Infanterieregiment, machte alle Kämpfe des Regiments im Westen mit, dann auch im Osten, erkrankte in Galizien an Cholera, kam ins Lazarett zu Medica, dann nach Zweibrücken. Als Schütze einer bayerischen Maschinengewehrkompanie fiel er am 10.10.1917 bei Riga. Über seinen Tod ist nichts näheres bekannt geworden.

6). Fuchs Karl, geb. 19.08.1877, Wirt, war 1915 nach Ludwigshafen eingezogen.

7). Gaier Christian, geb. 1879 zu Kirchheim unter Teck in Württemberg, Landsturmbatallion Zweibrücken, bei der Geschützfabrik daselbst beschäftigt.

8). Gödel Karl, geb 05.04.1893, Soldat im 23. bayerischen Infanterieregiment, 3. Kompanie. Machte alle Kämpfe des Regiments mit. An Typhus erkrankt, im Lazarett zu Metz. Januar 1915 wieder an die Front. Am 14.07.1915 bei St. Eloi verwundet, wurde wieder hergestellt und zum Unteroffizier befördert. Am 12. März 1916 fiel er und wurde am 17.03. auf dem Ehrenfriedhof in Meurchin beigesetzt und später in die Heimat überführt.

9). Grogro Karl, geb. 26.05.1880, Landwirt, 7. Armierungsbatallion, 25. Kompanie in Harthausen bei Speyer, im Oktober 1914 entlassen, rückte er wieder ein und kam zu einer Artilleriemunitionskolonne ins Oberelsass.

10). Grogro Ludwig, geb. 11.08.1894, Seminarist, rückte während des Feldzuges beim 5. bayerischen Feldartillerieregiment in Landau ein, kam dann zum 22. bayerischen Reserveinfanterieregiment, Maschinengewehrkompanie in den Vogesen, nachdem er zuvor in Galizien gewesen. In Hammelburg weiter ausgebildet, wurde er zum Leutnant befördert, machte die Kämpfe nordöstlich von Paris mit, Eisernes Kreuz.

11). Grübler Peter, geb 08.01.1878, 22. bayerisches Infanterieregiment, Ersatzbatallion Zweibrücken. Stand bei St. Quentin in Frankreich.

12). Hoffmann Jakob, Geb. 20.03.1892, Schmied, Soldat im 12. bayerischen Feldartillerieregiment, 4. Batterie, machte alle Kämpfe des Regiments in Belgien und Nordfrankreich mit. Fahnenschmied – Unteroffizier.

13). Hoffmann Karl, geb. 08.03.1886, Schmied, 4. Armierungsbatallion, 15. Kompanie in Germersheim. 1914 im Dezember entlassen, 02.01.1915 wieder eingerückt beim 23. bayerischen Infanterieregiment in Kaiserslautern, Nordfrankreich, Deutsches Alpenkorps in Serbien, Unteroffizier, Bruder des vorigen.

14). Hoffmann Albert, geb 06.12.1893, Posthilfsbote, Jägerbatallion, Ersatzkompanie, Militärverdienstkreuz 3. Klasse.

15). Ims August, geb. 04.10.1897, Tagner, 4. bayerisches Infanterieregiment, Ersatzkompanie. 1918 in französische Gefangenschaft, 1920 im Januar heimgekehrt.

16). Krapp Johann Jakob, geb. 12.11.1895, 23. bayerisches Infanterieregiment, 4. Kompanie

17). Krapp Jakob, geb. 09.01,1872, 1916 eingerückt, auf Bahnwache beim 23. bayerischen Infanterieregiment.

18). Krapp Wilhelm, geb. 09.07.1898, Maschinengewehrkompanie, Jäger, Militärverdienstkreuz 3. Klasse.

19). Krapp Otto, geb. 28.10.1898.

20). Lauer Friedrich, geb. 01.02. Nach Ludwigshafen eingerückt, April 1916 nach Nordfrankreich.

21). Lauer Jakob, geb. 16.03.1879, 5. bayerisches Infanterieregiment in Bamberg, bei Verdun.

22). Linxweiler Oswald, geb. 15.09.1889, Vizefeuerwerker der Reserve bei der 1. Matrosen-Artillerie in Kiel. Expeditionskorps v. Schröder, 1. Marinedivision, 1. Marineinfanterieregiment, Bootskanonenbatterie Linxweiler. An der belgischen Küste am 1. August das Eiserne Kreuz erhalten, am 1. April 1915 zum Leutnant befördert. Oktober 1915 bayerischer Militärverdienstorden 4. Klasse, Armeegruppe Kronprinz Rupprecht, November 1916 durch einen Schuß am rechten Oberarm in Nordfrankreich verwundet. Im Lazarett zu Linden und Wörrishofen.

23). Maus Jakob, geb. 01.01.1871, Schreiner, Pionier in Nordfrankreich, Gasvergiftung, 1917 entlassen.

24). Maus Jakob, geb. 25.11.1897, Schreiner, Sohn des vorigen, 18. bayerisches Infanterieregiment, Juni 1917 verwundet.

25). Maus Wilhelm, geb. 02.10.1886, Schreiner, Bruder von Nr. 23, 7. Armierungsbatallion, 28. Kompanie in Harthausen, im September entlassen, am 02.01.1915 wieder eingerückt, 18. bayerisches Infanterieregiment, 11. Kompanie, September 1916 vermißt, ist nicht mehr heimgekehrt.

26). Michel Heinrich, geb. 06.05.1896, Kaufmann, 12. bayerisches Feldartillerieregiment, Januar 1916 ins Feld bei Peronne, bei Douai verschüttet, Lazarett Lennep, Obermoschel.

27). Mohr Herrmann, geb. 22.03.1891, Schreiber, Unteroffizier im 12. bayerischen Feldartillerieregiment, 4. Batterie. Am 18. September 1914 das Eiserne Kreuz und das Militärverdienstkreuz III. Klasse für seine Leistungen bei Baronweiler am 19. August 1914. Am 09.05.1915 durch eine Granate schwer verwundet, beide Beine größtenteils verloren, Lazarett in Köln und Kaiserslautern.

28). Mohr Jakob, geb. 14.08.1887

29). Mohr Otto, geb. 18.11.1889, Tagner

30). Moses Theodor, geb. 15.07.1875 zu Ransweiler, Landwirt, 10. bayerische Infanteriedivision, Diener beim Stabsarzt.

31). Müller Otto, geb. 19.06.1897, Seminarist, beim Train in Würzburg eingerückt, kam nicht ins Feld.

32). Obernesser Heinrich, geb. 04.02.1894 zu Wörth am Rhein, Stationsvorsteher bei der Eisenbahn in Warschau.

33). Oster August, geb. 18.10.1896, 8. bayerisches Reserveinfanterieregiment. Juli 1916 nach Nordfrankreich, an der Somme, in den Karpaten 1917, verwundet, im Feldlazarett zu Borsa in Ungarn gestorben und begraben.

34). Neubrech Heinrich, geb. 01.11.1899, 23. bayerisches Infanterieregiment. Wurde hinter der Front weiter ausgebildet, kam aber nicht in den Kampf.

35). Rösel Peter, geb. 01.01.1897, 8. bayerisches Infanterieregiment.

36). Roßbach Jakob, geb. 11.12.1896, 101. preußisches Infanterieregiment, 5. Kompanie. Schuß in den Fuß 1914, Lazarett in Dernbach im Westerwald. Am 28. Dezember wieder ins Feld. Am 04.01.1915 im Oberelsass gefangen, nach Biskra in Afrika, nach Barista nördlich von El-Arransel-Letit, Departement Constantine, dort 1915 erkrankt, 1916 wieder genesen, nach Le Mans, Dinan in der Bretagne, Depot des prisonnieres de guerre de Caen (Colordes) France.

37). Schales Valentin, geb. 14.06.1875, 22. bayerisches Infanterieregiment, 1916 in Pinsk, Russland

38). Schmitt Hermann, geb. 31.12.1898, Armierungstruppe vor Verdun, entlassen vor Ende des Feldzuges.

39). Schneider Karl, geb. 05.10.1890, Unteroffizier der 2. Feldkompanie des 2. bayerischen Pionierbatallions, Eisernes Kreuz 2. Klasse und bayerisches Verdienstkreuz 2. Klasse. 1916 zum Vizefeldwebel befördert. Machte schwere Kämpfe in Nordfrankreich mit. Am 25.04.1918 gefallen.

40). Schneider Philipp, geb. 18.02.1899, Bruder des vorigen.

41). Scheer Philipp, geb. 13.08.1889, 8. bayerisches Reserveinfanterieregiment, 1. Kompanie. Bei Luneville stürzte er in einen Steinbruch und brach das Schlüsselgelenk des rechten Armes. Lazarett in Pforzheim, wieder zum Regiment nach Flandern, dann bei Peronne (10. bayerische Infanteriedivision), Unteroffizier, Eisernes Kreuz.

42). Scheer Karl, geb. 27.04.1894, Brudes des vorigen, 2. bayerisches Fußartillerieregiment in Metz.

43). Scheer Ludwig, geb. 28.10.1887.

44). Schulz Ludwig, geb. 28.09.1881 zu Münsterappel, Steinhauer, 8. bayerische Reserveinfanterieregiment, 1. Kompanie. In Nordfrankreich verwundet, Lazarett Siemensstadt bei Berlin. Im Dezember 1914 entlassen, machte die Kämpfe des Regiments mit (10. bayerische Infanteriedivision) bei einer Ballonabteilung. Kämpfte an der Somme, vermißt, gefangen in England, War-Hospital Ward 38, Dartford Kent, bayerisches Militärverdienstkreuz 3. Klasse.

45). Schweitzer Friedrich, geb. 24.08.1872, Bahnwache in Neustadt/Haardt, Feldbäckerei in Metz, krank im Lazarett Heidelberg, Bahnwache Frankenstein, 1916 – 1917 Feldbäckerei in Frankreich.

46). Spieß Herrmann, geb. 26.03.1878 zu Schmalfeld, Unteroffizier im 5. bayerischen Feldartillerieregiment, 6. Munitionskolonne in Belgien, bei Peronne mit Feldbestellung beschäftigt (10. bayerische Infanteriedivision), an der Somme, vor Verdun, Eisernes Kreuz 2. Klasse, zum Leutnant befördert.

47). Spuhler Karl, geb. 15.08.1885 in Oberndorf, bei der Feldeisenbahn in Frankreich.

48). Steller Theodor, geb. 04.04.1889 zu Imsweiler, Unteroffizier beim 2. bayerischen Landwehr – Fußartillerieregiment, 3. Batterie. Bayerisches Verdienstkreuz.

49). Stemler Otto, geb. in Eisenbach, Hilfslehrer in Mannweiler, 1915 zum 1. bayerischen Ulanenregiment, 4. Eskadron nach Bamberg. Unteroffizier, dann Vizewachtmeister. In Hammelburg beim Offizierskurs, in Russland südlich Dünaburg bei der bayerischen Kavalleriedivision, 1. Eskadron. Augustowo, verwundet in Stockod, Leutnant, Eisernes Kreuz, wieder in Russland auf der Krim.

50). Walter Richard, geb. 18.12.1894, 29. Pionieregiment, 5. Kompanie, Nordfrankreich.

51). Walter Ernst, geb. 03.03.1900, Bruder des vorigen.

52). Wenz Wilhelm, geb. 23.01.1880, Lehrer in Kalkofen aus Mannweiler. Oberleutnant im 8. bayerischen Infanterieregiment, 1. Kompanie. Erkrankt in Kaiserslautern, wieder beim Regiment (10. bayerische Infanteriedivision), April 1916 zum Hauptmann befördert, Eisernes Kreuz 1. & 2. Klasse. Alle Kämpfe in Frankreich mitgemacht, in Siebenbürgen, Karpaten, Galizien, zuletzt in Fürstenfeldbruck und Grafenwörth zur Ausbildung von Rekruten.

53). Wenz August, geb. 09.06.1893, Soldat im 22. bayerischen Infanterieregiment. In der Schlacht bei Metz schwer verwundet, seitdem vermißt, nicht mehr heimgekehrt.

54). Wenz Otto, geb. 27.07.1896, Bruder des vorigen. 1916 bei der Artillerie in Landau eingerückt, als krank beurlaubt.

55). Wenz Karl, geb. 03.06.1885, 2. bayerisches Infanterieregiment, in den Vogesen 1917 verwundet.

56). Wenz Jakob, geb. 18.07.1889, Schreiner in Kaiserslautern, bei der Armierung in Reinsheim, Siebenbürgen.

57). Oster Peter, geb. 24.12.1890, war bei Ausbruch des Krieges Soldat beim 12. bayerischen Feldartillerieregiment, 5. Batterie in Landau. An Gelenkrheumatismus erkrankt, kam nicht ins Feld, Bruder des unter 39. genannten.

Katholiken aus Mannweiler

1). Blum Jean Anton, schwer verwundet, Eisernes Kreuz

2). Blum Franz, 23. bayerisches Infanterieregiment, verwundet. Bei einer Fliegerabteilung zum Leutnant befördert, als solcher am 26.04.1917 abgestürzt, in Oberndorf beerdigt, Eisernes Kreuz 1. & 2. Klasse.

3). Blum Robert, Bruder des vorigen.

4). Hoffmann Franz, Ersatzbatallion des 18. bayerischen Infanterieregimentes, 2. Kompanie, Musiker in Würzburg bei den Pionieren.

5) Hoffmann Karl, Bruder des vorigen.

6). Mosbach Karl, in Bayerfeld geboren, Schwager des vorigen, Ersatzbatallion des 18. bayerischen Infanterieregimentes, vermißt, nicht wiedergekehrt.

7). Wengert Ernst, Eisernes Kreuz

8). Dillenkofer

III: CÖLLN

1). Anhäuser Ludwig, geb. 12.09.1889, Landwirt, Fahrer eines Lebensmittelwagens beim 2. bayerischen Fußartillerieregiment, 5. Reservebatterie, 11. bayerische Infanteriedivision. Karpaten, Russland, Serbien. Am 18.08.1915 Eisernes Kreuz (bei Fußartilleriebatallion Nr. 11), wurde Gefreiter, 1916 vor Verdun, in Mainz, im Westen im April 1918 in Frankreich gefallen. Militärverdienstkreuz 3. Klasse.

2). Becker Eugen, geb. 09.01.1896, 8. bayerisches Infanterieregiment, in Pirmasens eingerückt. Am 03.01.1917 verwundet. Eisernes Kreuz 2. Klasse, in den Karpaten, Lazarett in Erfurt.

3). Bollenbach Ludwig, geb. 14.07.1885 in Gaugrehweiler, 15. Reservearmeekorps, 30. Infanteriedivision, bayerisches Infanterieregiment Nr. 4.

4). Dautermann Philipp Friedrich, geb. 25.09.1893, Soldat beim bayerischen Infanterieleibregiment, 11. Kompanie. Machte die Kämpfe des Regiments im Westen mit. Kam zum Deutschen Alpenkorps, Feldzug in Serbien und Mazedonien. Mai 1916 in Frankreich, vor Verdun verwundet, Schuß in die linke Schulter, Lazarett Wiesbaden und München. An Gasvergiftung im Westen gestorben. Eisernes Kreuz und bayerisches Militärverdienstkreuz 3. Klasse.

5). Dautermann Heinrich, geb. 12.07.1897, Bruder des vorigen, beim 5. bayerischen Feldartillerieregiment.

6). Fiscus Philipp, geb. 06.07.1881, Landwirt, 8. bayerisches Reserveinfanterieregiment, 4. Kompanie. August 1914 in der Schlacht bei Metz gefangen, nach Agde bei Marseille, dann nach Mont Louis in den Pyrenäen, Weihnachten 1914 nach Casablanca in Marokko, 1916 in Südfrankreich, Montargis loirette, 1919 heimgekehrt.

7). Germann Albert, geb. 23.06.1893, Herbst 1914 beim 5. bayerischen Regiment in Landau eingerückt. April 1915 an die Front, Peronne, Karpaten.

8). Fries Karl, geb. 15.05.1898, bei einer Maschinengewehrabteilung in Frankreich.

9). Fries Johann, geb. 15.06.1892.

10). Keiper Lorenz, geb 24.08.1881 zu Schiersfeld, Tagner, 8. bayerisches Reserveinfanterieregiment, 4. Kompanie. Durch Sturtz in einen Graben den Fuß verstaucht, Lazarett in Waiblingen, dann Rockenhausen. Zum Regiment zurück (10. bayerische Infanteriedivision). An der Somme am 01.07 1916 in englische Gefangenschaft. Prisoner of War Nr. 4962 Comp. 32. Eastkote Towcester. 1919 heimgekehrt, Juli 1920 gestorben, auf dem Ehrenfriedhof in Cölln begraben.

11). Keiper Philipp Albert, geb 02.06.1890, 4. bayerisches Infanterieregiment, vor Verdun erkrankt, beurlaubt, als Krankenträger wieder eingerückt, 1917 bei Arras in englische Gefangenschaft geraten, 1919 heimgekehrt.

12). Keiper Jakob, geb. 12.07.1886, 8. bayerisches Infanterieregiment

13). Keiper Oskar, geb. 02.05.1900.

14). Klöck Peter, geb. 04.12.1875, 29. bayerisches Infanterieregiment

15). König Friedrich, geb. 31.05.1890, 111. Infanterieregiment, 9. Kompanie, in Rastale/Serbien, Mazedonien, Frankreich (Verdun), am 23.06.1916 vermißt, zuletzt im 71. preußischen Infanterieregiment, 8. Kompanie, nicht mehr heimgekehrt.

16). Mohr Friedrich, geb. 23.08.1890 zu Cölln. In Ludwigshafen verheiratet, 4. bayerisches Infanterieregiment, 4. Kompanie, Eisernes Kreuz, gestorben.

17). Mohr Karl, geb. 15.02.1894, 15. Reservepionierkompanie, Eisernes Kreuz.

18). Mohr August, geb. 08.12.1897.

19). Mohr Otto, geb. 26.07.1899 (vier Brüder).

20). Neu Otto, geb. 10.06.1875, Landwirt, Landsturmersatzbatallion Zweibrücken, 4. Kompanie, Armeegruppe Stranz im Elsass. An Nierenentzündung erkrankt, im Lazarett in Freiburg/Breisgau und Obermoschel, entlassen und 1918 gestorben.

21). Steller Otto, geb. 04.02.1892, bei der Matrosenartillerie Nr. 2, 3. Kompanie in Wilhelmshafen.

22). Wagner Heinrich, geb. 01.09.1893, an der pfälzischen Bank in Bamberg, 5. bayerisches Infanterieregiment, in den Vogesen verwundet, im Lazarett des Missionshauses in Zabern, Januar 1915 dem 4. bayerischen Infanterieregiment in Rheinsheim zugeteilt, dann in Niederhochstadt, nach Münsterlager in Hannover zu einem Offiziers-Aspiranten Lehrgang, im Mai Vizefeldwebel, im Juni in den Vogesen wieder verwundet, im Lazarett zu Augsburg. Im September wieder ins Feld, Offiziersstellvertreter in den Vogesen, vor Verdun 1916, am 09.05.durch einen Granatsplitter in die Brust verwundet, starb er am 06.06. im Feldlazarett zu St. Jean les Bazy, 10 km westlich von Conflans und wurde dort begraben, Eisernes Kreuz.

23). Wasem Johann, geb 07.07.1890, 4. bayerisches Infanterieregiment, 3. Kompanie.

24). Wasem August, geb 17.08.1891.

25). Wasem Friedrich Karl, geb. 05.08.1898, Bruder des vorigen, Eisernes Kreuz.

26). Wenger Jakob, geb. 13.12.1893, Soldat beim 23. bayerischen Infanterieregiment, 6. Kompanie. Am 27. September 1914 in Nordfrankreich gefallen.

27). Wenger Heinrich, geb. 13.01.1895.

28). Wolfänger Albert, geb. 30.04.1880, 6. bayerisches Infanterieregiment Nr. 4, 1. Kompanie, Niederhochstadt.

Morsbacherhof

29). Wasem Albert, geb 11.12.1885, 8. bayerisches Reserveinfanterieregiment, 3. Kompanie. Im November 1914 Schulterschuß, Lazarett zu Erfurt, 1915 wieder zur Front, 10. bayerische Infanteriedivision bei Peronne, Gefreiter, Eisernes Kreuz. An der Somme zum zweiten mal am linken Unterarm verwundet. August 1916 nach Russland, in Siebenbürgen, bayerisches Militärverdienstkreuz 3. Klasse.

30). Wasem Eugen, geb. 05.05.1887, 4. bayerisches Reserveinfanterieregiment.

31). Wasem Theodor, geb. 14.02.1899, 23. bayerisches Infanterieregiment, 8. Kompanie. November 1914 durch Schuß in die Hand verwundet, Lazarett Rockenhausen, zum Krankenträger ausgebildet. Am 06.08.1916 an der Somme vermißt, gefangen in Frankreich, Hospital emplementair Nr. 38 Lyon, November 1917 ausgetauscht.

32). Wasem Richard, geb. 03.10.1894, Bruder des vorigen, Soldat beim bayerischen Infanterieleibregiment, 2. Kompanie. Gefallen bei Batonville am 12.08.1914.

33). Wenz Ludwig, geb. 02.01.1876, Landwirt, Landsturminfanteriebatallion Zweibrücken, Unteroffizier beim Landwehrinfanteriebatallion Schweinfurt, bei St. Mrthen in Frankreich, Russland, Lodz, Baranowitschi.

34). Becker Albert, geb. 18.11.1896, in Neustadt ausgebildet, in Frankreich, krank in Erlangen, Bahndienst in Neustadt, Frankreich.

Weidelbacherhof

35). Neber Jakob, geb. 05.12.1885.

Katholiken in Cölln

1). Andres Georg

2). Andres Heinrich

3). Andres Peter

4). Andres Wilhelm

5). Leyendecker Heinrich

6). Leyendecker Jakob

7). Leyendecker Ludwig

8). Leyendecker Otto

9). Leyendecker Wilhelm

10). Bumb

11). Ducher Karl, geb. 01.12.1875 zu Ensingen in Baden, beim Eisenbahnbau in Frankreich (Hirson).

Schmalfelderhof

1). Dexheimer Philipp, geb. 18.03.1871, in Speyer.

2). Glas Otto, geb 17.09.1878, 1. Ulanenregiment Bamberg, Gefreiter beim Ersatzpferdedepot Bamberg, Belgien 1916, Bromberg, Hannover.

3). Kirchner Hugo, geb. 06.03.1893, 4. bayerisches Infanterieregiment, 6. Kompanie. Machte alle Kämpfe des Regiments mit, 1917 bei Arras in englische Gefangenschaft, 1919 heimgekehrt.

4). Kirchner Karl, geb. 07.02.1887, 4. bayerisches Infanterieregiment

5). Kirchner Robert, geb. 28.02.1896, 2. bayerisches Pionierbatallion, Bruder des vorigen, in Rumänien

6). Krach Albert, geb. 24.09.1876, 17. bayerisches Infanterieregiment Germersheim.

7). Krach Wilhelm, geb 21.12.1888, Unteroffizier im 1. Chevaulegerregiment, 2. Eskadron, verwundet, im Lazarett zu Birchweiler und Rockenhausen, nach Augsburg, Fahnenschmied, Rumänien.

8). Köhler August, geb. 02.01.1889.

9). Köhler Friedrich, geb. 14.07.1880, 4. bayerisches Reserveinfanterieregiment, 7. Kompanie. Gefallen.

10). Köhler Karl,geb. 25.10.1885, Wachtmeister im 5. bayerischen Chevaulegerregiment, 1. Eskadron, Eisernes Kreuz, bayerisches Militärverdienstkreuz 3. Klasse. Hat sehr viel mitgemacht. Alle drei sind Söhne des Feldschützen Fritz Köhler.

11). Mühlberger Karl, geb. 21.07.1881, Landwirt, 2. bayerisches Fußartillerieregiment, Ersatzbatallion, 4. Batterie; 6. bayerisches Reservefeldartillerieregiment.

12). Mühlberger Otto, geb. 25.11.1877, Unteroffizier beim Reservefußartillerieregiment, 6. Batterie, Armeegruppe Stranz, Bruder des vorigen.

13). Schlarpp Adolf, geb. 05.03.1893, Bäcker, Soldat im 22. bayerischen Reserveinfanterieregiment, fiel am 28.04.1915 in den Vogesen.

14). Schlarpp Otto, geb. 12.03.1895, Landsturmbatallion Neustadt an der Haardt, bei Arras in englische Gefangenschaft, 1919 zurückgekehrt, 8. bayerisches Infanterieregiment, 8. Kompanie.

15). Schmitt Ludwig, geb. 06.04.1876, Landwirt, 23. bayerisches Infanterieregiment, 1. Landsturmkompanie in den Vogesen, Bahnwache Ebernburg, Landwehrinfanteriebatallion Schweinfurt. Ins Feld, Champagne, Russland.

16). Schneider Wilhelm, geb. 15.10.1879, Landwirt, 23.bayerisches Infanterieregiment Kaiserslautern, 4. Ersatzkompanie, krank in Freiburg.

17). Spieß Oskar, geb. 03.01.1884, Landwirt, Feldartillerieregiment, leichte Munitionskolonne, 1914 von Pferd in die Hüfte getreten, Lazarett zu St. Wendel und Offenbach am Main, Januar 1915 ins Elsass, in Rumänien verunglückt.

18). Steitz Julius, geb. 08.06.1872, Landwirt, Landsturminfanterieersatzbatallion Kaiserslautern, Zweibrücken, Germersheim, 1916 entlassen

Bremrich

1). Glaß Richard, geb. 09.06.1897, 8. bayerisches Reserveinfanterieregiment, Train in Würzburg, bei dem Expeditionskorps nach Indien, kam bis nach Persien, in Tiflis im Kaukasus, 1920 zurückgekehrt, Landwirt.

2). Müller Gustav, geb. 11.02.1894, Landwirt, Soldat im bayerischen Infanterieleibregiment, 8. Kompanie, dann 24. bayerisches Infanterieregiment. Unteroffizier, verwundet, Lazarett in Erfurt und Rockenhausen, Artilleriebeobachter in den Vogesen, bayerisches Militärverdienstkreuz 3. Klasse, Eisernes Kreuz.

3). Wenz Jakob, geb. 16.07.1882, Landwirt, 18. bayerisches Infanterieregiment, 6. Kompanie, bei St. Die durch Kopfschuß verwundet und am 02.09.1914 im Lazarett verstorben.

Stolzenberg

1). Engel Wilhelm, geb. 28.06.1893, Landwirt, 1914 beim 4. bayerischen Infanterieregiment, 1915 verwundet, Lazarett Barmen, Kaiserslautern, rechter Arm durchschossen, entlassen, Eisernes Kreuz.

2). Frick Karl, geb. 31.05.1897 zu Langenlohnsheim, Landwirt.

Katholiken von den Höfen

1). Bumb Albert, Landsturmersatzbatallion Schweinfurt, 1. Kompanie, leicht verwundet.

2). Bumb Karl

3). Mehrhof August

Zusammenstellung: Eingerückt waren aus:

Oberndorf 61 Mann, Mannweiler 65 Mann, Cölln 44 Mann, Höfe 26 Mann, zusammen 196 Mann, davon gefallen 29 Mann, gefangengenommen waren 14 Mann. Insgesamt 57 Auszeichnungen wie Eisernes Kreuz oder bayerisches Militärverdienstkreuz erhielten die Kriegsteilnehmer aus dem Gebiet der Pfarrei Oberndorf.

 

 

 

 

 

Kriegschronik V Teil (1918/1919)

Die Friedensverhandlungen mit Russland kamen bald in Fluß und zu einem vorläufigen Abschluß, als man jenen Herrschaften zeigte, daß man nicht gewillt sei, sich von ihnen am Narrenseil herumziehen zu lassen. Ein kräftiger Vorstoß unserer Truppen wirkte Wunder. Gleichzeitig mit Beginn des Frühlings kam aber auch in die im Stellungskrieg erstarrte Westfront Leben. Aus der Hindenburglinie wurde der Angriff über das Gelände der alten Sommeschlachten bis weit in die feindlichen Stellungen vorgetragen, viel Kriegsgerät und viele Lebensmittel erbeutet. Ein Aufatmen ging durch das Land, glaubte doch jedermann das Ende des Krieges näher gerückt. Diese Hoffnung schien um so berechtigter, als Paris aus einer Entfernung von 120 km beschossen und tüchtig von Fliegern bombardiert wurde. Als dann gar noch bei Noyon, der Geburtsstadt Calvins, und an der Marne schöne Erfolge erzielt waren, belebte sich die Hoffnung auf das Kriegsende immer mehr. Aber es waren noch nicht genug der Prüfungen für unser Volk. An der Marne sowohl als auch an der Somme erfolgten Rückschläge, welche die Heeresleitung offen zugestand und in Voraussicht der schweren Kämpfe, welche die Gegner unternahmen, um eine Entscheidung zu erzwingen, wurde die Wüste an der Somme diesen überlassen und unser Heer in die alte Stellung zurückgenommen. Welche Absicht dabei verfolgt wurde, wird die nächste Zukunft lehren.
In der Heimat hatte das keine guten Folgen. Es stellte sich Kleinmut, Verzagtheit ein, die noch durch Flugschriften der Feinde vermehrt wurde. Da galt es alle Seelenkraft zusammenzunehmen, um nicht der Zermürbung zu verfallen. Die unaufhörlichen schweren Verluste an Menschenleben und die fortwährenden Erfolge der Unterseeboote wollte man gar nicht mehr in Anschlag bringen. Ein Glück war es dabei, daß die Ernährungsschwierigkeiten, namentlich beim Übergang von einem Ernteziel zum anderen, keine so großen waren als 1917 und das die Ernte gut ausfiel. Dabei machte sich auch, wenn auch nur in geringem Maße, schon die Zufuhr aus der Ukraine und Rumänien, mit welchen Ländern wir ebenfalls im Laufe des Jahres zum Frieden gekommen waren, geltend. In unserer Gegend fiel die Ernte, abgesehen von den Frühkartoffeln, gut aus, nur das Obst versagte diesmal fast gänzlich. Nur wenige Äpfel und etwas mehr Zwetschgen gab es. Über beides machte sich alsbald der immer mehr ausgewachsene Schleichhandel her und zahlte wahnsinnige Preise, 60 – 80 Mark für den Zentner, wie denn überhaupt die Preise für alle Lebensbedürfnisse ständig stiegen. Die Kriegsgewinnler wollten sich keinen Abbruch tun und der Wuchergeist zog seine Kreise stolz weiter. Für Zwetschgen wurden 40 Mark gezahlt. Wie weiter vorn erwähnt, blieben die beiden Oberndorfer Glocken im Jahr 1917 von der Beschlagnahme und Enteignung ihres hohen Alters wegen befreit, aber nur für wenig mehr als ein Jahr. Am 12. August 1918 wurde die größere im Gewicht von ca. 400 kg für enteignet erklärt und am 9. September herabgenommen. Ihre Beschreibung findet sich in der Pfarrbeschreibung. Fast 300 Jahre hat sie der Gemeinde in Freud und Leid gedient. Werden den Gemeinden wenigstens ihre letzten Glocken verbleiben und bald den Frieden einläuten dürfen?
Bei dem Gottesdienst am 16. September nahm die Gemeinde von ihr Abschied, in der Predigt wurde ihr gedacht, namentlich dessen, was sie alles an Freud und Leid mit den Ortsbewohnern durchgemacht. Eine Anordnung zur Ablieferung der Glocke erfolgte nicht. Sie blieb somit vorläufig in der Kirche stehen. Als dann die Waffenstillstandsverhandlungen bekannt wurden und die Besetzung der Pfalz durch die Franzosen erfolgte, geschah sofort alles mögliche, um die Glocke der Gemeinde zu erhalten und wieder an ihren Platz zu bringen. Verhandlungen mit Zimmermann Gabelmann von Rockenhausen, der die Abnahme besorgt hatte, zerschlugen sich aus nichtigen Vorwänden desselben. Offenbar hatte derselbe kein gutes Gewissen. Es fehlten nämlich die Eisenteile sowie der Glöppelriemen. Die Bemühungen des protestantischen Pfarrers, die Glocke wieder aufhängen zu lassen, durchkreuzte plötzlich und ganz unbefugt der Ortsadjunkt, in dem er einigen Männern den Auftrag gab, die Glocke aufzuhängen. Das geschah dann auch und zwar auf Kosten der politischen Gemeinde. Die Kirchengemeinde erhielt ihre Auslagen für den Ausbau vom Bezirksamt zurück. So ist dann diese alte, treue Dienerin der Gemeinde im letzten Augenblick vor dem Untergang bewahrt worden. Vom 9. September bis 4. Januar 1919 schwieg ihre Stimme und wurde von den Gemeindegliedern, auch solchen, die sonst wenig auf sie achteten, schmerzlich vermißt.
Mehr als in den früheren Jahren bekam das Alsenztal 1918 vom Krieg zu spüren. Gleich am Anfang desselben wurde bei Kirn die Eisenbahn durch Hochwasser unterspült. Ein Zug mit heimkehrenden Urlaubern entgleiste. Wie fast gleichzeitig bei Landstuhl, wo ein Zug entgleiste, kamen viele Soldaten um. Der Verkehr über die Rhein-Nahebahn war imfolge des Kirner Unglücks eine Zeit lang gesperrt und wurde über die Alsenzbahn geleitet. Tag und Nacht brausten die Züge vorbei, oft 20 – 30 in 24 Stunden. Zum Verwundern war, daß bei solch außergewöhnlicher Belastung der Bahn kein Unglück geschah.
Der Kanonendonner von der Westfront war in den Wintermonaten wieder sehr gut hörbar. Dazu kam das Dröhnen der Fliegerbomben, die über Kaiserslautern und Saarbrücken abgeworfen wurden.
Von dem, was seit August 1918 sich an der deutschen Front abspielte, hatte man zuhause keine Ahnung. Manches ließ ja allerdings vermuten, das etwas Besonderes vor sich ging, aber welcher Art das sei, wußte man nicht. Das die Generalsynode der protestantischen Kirche der Pfalz plötzlich verschoben wurde, ließ nichts Gutes ahnen. Auch die Stimmung, welche beurlaubte Soldaten verbreiteten, war keine günstige. Der September brachte Klarheit darüber, wie es um uns stand. Das Friedensangebot an Amerika ließ gar die Hoffnung auf einen baldigen Waffenstillstand und Frieden lebendig werden, rief aber auch bald die ernstesten Befürchtungen hervor. Inzwischen ließ der Kanonendonner aber nicht nach und die Fliegerangriffe auf offene Städte wie Mannheim, Ludwigshafen, Frankfurt wurden fortgesetzt.
21. Oktober: Das Gerede über einen Waffenstillstand und die Befürchtungen wegen der Zukunft Deutschlands wurden immer lauter. Am 10. November erst wurden wir gewahr, wie es um uns stand. Die veröffentlichten Waffenstillstandsbedingungen, die Nachricht von der Flucht des Kaisers nach Holland und des bayerischen Königs wirkten niederschmetternd. Die Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten ließ vermuten, wohin wir trieben, die Revolution war da! Dumpf klang dieses Wort ans Ohr, lähmte alle Tatkraft. Zu unvermutet, zu überwältigend stürmten die Ereignisse auf unser Volk ein. Willenlos ließ es alles über sich ergehen. Das linke Rheinufer war preisgegeben. In kürzester Frist mußte unser Heer, das bis zum letzten Augenblick sich noch gewehrt hatte, sich über den Rhein zurückziehen.
Jetzt bekam unser Alsenztal mehr vom Kriege zu spüren, als all die Jahre vorher. In ungeheueren Massen wälzte sich unser Heer rückwärts, auf allen Straßen zogen endlose Reihen in immer noch guter Haltung vorüber. Den älteren Leuten sah man den Ingrimm an, mit dem sie sich zurückzogen. Mit Fähnchen und Blumen geschmückt und Vaterlands- und Volkslieder singend, strömten sie den heimatlichen Gauen zu, nicht als Besiegte, sondern mit dem Bewußtsein, ihre Pflicht bis zum Äußersten erfüllt zu haben. Dienstag, den 26. November, vormittags 9 Uhr kamen die ersten deutschen Truppen in Oberndorf an, um hier Quartier zu nehmen. Es waren Telegrafen-, Munitions- und Fuhrkolonnen, dazu die 20. Minenwerferkompanie aus Brandenburg. Im Pfarrhaus waren untergebracht: 2 Offiziere, einer aus Berlin, einer aus Westfalen, dazu in der Scheune 8 Pferde und Mannschaften. Am darauffolgenden Tag traf das 19. bayerische Reserve – Pionierbatallion mit einer Telegrafenabteilung ein. Im Pfarrhaus waren untergebracht ein Oberleutnant der bei Coblenz zu Hause war, ein Arzt und ein Offiziersstellvertreter. Letzterer war mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet und deswegen befördert worden. In der Scheune waren wieder 8 Pferde mit den dazugehörigen Mannschaften. Diese, meistens aus Niederbayern stammend, hatten dem neuen Weine etwas allzureichlich zugesprochen, so daß es in der Wirtschaft zu einer Rauferei kam, wodurch ein Mann sein Leben einbüßte.
Kaum hatten diese unseren Ort verlassen, da wurde die Ankunft von 500 Artilleristen mit Pferden angemeldet. Es war die 600. preussische Artilleriekompanie, die aus Ostpreussen stammte, fast lauter ältere Leute. Da diese Rasttag hatten, blieben sie von Donnerstag, dem 27. November bis Samstag dem 30. November hier. Auch unter ihnen gab es eine Schlägerei. Das Pfarrhaus beherbergte 4 Offiziere: 1 Hauptmann mit seinem Adjutanten, 1 Leutnant und 1 Zahlmeister, in der Scheune 8 Pferde mit den Mannschaften. Die Bürgerquartiere reichten bei weitem nicht aus, so daß die Schulsäle benutzt werden mußten.
Bei diesem Rückzug drängte sich einem unwillkürlich die Frage auf, ob man heuer auch noch werde die „Wacht am Rhein“ singen dürfen? Die vor 4 Jahren Ausgezogenen waren mit dem Gelöbnis „wir alle wollen Hüter sein, solange ein Tropfen Blut noch glüht und noch die Faust den Degen zieht“, sie ließen uns ausnahmslos zurück und strömten heimwärts. Wir waren den Franzosen ausgeliefert, die 8 Tage später ankamen und des Rheines Strand zustrebten, um ihn zu besetzen.
In der Zwischenzeit wurde die Glocke wieder an ihren Platz gebracht. Kaum war dies geschehen, als wiederum, am Sonntag, dem 9. Dezember, der Ruf erscholl: „Die Franzosen kommen“! Diesmal in ganz anderer Weise als 4 Jahre zuvor. Um halb 4 Uhr rückten 800 Mann mit 150 Pferden hier ein, während in Alsenz 1200 Mann mit einem General und einem Divisionsstab untergebracht waren. Die 800 Mann waren auf Oberndorf, Mannweiler und Cölln verteilt. Das Pfarrhaus hatte an Einquartierung: 4 Offiziere (1 Leutnant und 3 Unterleutnants); sie hießen Cage‘, Miges, Signeur, Duquet, Mezier. Dazu in der Scheune 3 Pferde mit 2 Wärtern. Da auch die Küche zur Verfügung gestellt werden mußte, kam noch ein Koch, Henri Lefevre, 287. Infanterieregiment, 14. Kompagnie, aus Paris und ein Diener, Pierre Guain, aus Cherbourg, hinzu. Der Verkehr mit den Leuten, die sich durchaus nicht feindselig benahmen, wurde dadurch erleichtert, daß ein Offizier, der mit im Pfarrhaus aß, fließend deutsch sprach. Er hatte drei Jahre in Leipzig zugebracht. Im Übrigen verständigte man sich so gut es ging. Von da an wälzten sich dann unaufhörlich französische Truppenmassen durchs Alsenztal dem Rhein zu, ebenso große Fuhrkolonnen, an einem Tag 150 – 200 Autos und schwere Schiffsgeschütze. Beim Durchmarsch durch die Ortschaften spielten jedesmal die Militärkapellen. Am 9. Dezember wurde die Uhr nach Pariser Zeit gerichtet, d.h. eine Stunde später.
In der Kirche zu Menzweiler lagen 40 Mann. Die Schulsäle mußten hier und in Mannweiler mitbenutzt werden, da die Zahl der Unterzubringenden zu groß war. Da man nun wußte, ob und wann neue Einquartierungen folgen würden, blieben die Schulen geschlossen. Doch bekam Oberndorf erst am 29. Dezember nochmals 200 Mann und 180 Pferde. Im Pfarrhaus war 1 Offizier und 1 Diener. Auch über die Weihnachtsfeiertage hörten die Durchmärsche nicht auf. Alsenz hatte von Anfang beständig eine Besatzung. Für diese mußte am Neujahrstage aus den umliegenden Ortschaften Betten geliefert werden,aus Oberndorf allein 80. Die Besetzung des Landes brachte den Bewohnern viele Unannehmlichkeiten. Alle Personen über 12 Jahre mußten mit einem Ausweis versehen sein und ihn beständig bei sich führen.

passierschein

französischer Ausweis des Pfarrers Philipp Stock

Wer ohne denselben angetroffen wurde, hatte 80 bis 100 Mark zu zahlen. Da dieses Geld unter die Soldaten verteilt wurde, gaben diese sich alle Mühe, möglichst viel zur Anzeige zu bringen. Anfänglich wurden die Ausweise nur für 8 Tage ausgestellt, was unendliche Laufereinen mit sich brachte. Der Verkehr wurde zuerst auf die Zeit von morgens 8 bis abends 8 Uhr beschränkt. Im Übertretungsfalle 80 Mark Strafe. Erst nach Unterzeichnung des Friedens durften sich die Einwohner wieder von morgens 4 bis 12 Uhr außerhalb ihrer Häuser sehen lassen. Die Zudringlichkeit der nach Lebensmitteln suchenden französischen Soldaten war oft sehr groß und rücksichtslos. Hühner, Enten und dergleichen waren auf den Straßen nicht mehr sicher, das Obst wurde ohne weiteres geholt. Klagen halfen nichts. Jeden Sonntag mußten die entlassenen deutschen Soldaten sich bei den Adjunkten oder den Bürgermeisterämtern in eine Liste eintragen, die scharf geprüft wurde. Wer den Eintrag versäumte wurde mit 100 Mark gestraft. Der Verkehr mit dem übrigen Deutschland war anfänglich ganz gesperrt und später sehr eingeschränkt. Nur mittelst Postkarte konnten Angehörige einander Nachricht zukommen lassen. Die Ausreise aus dem besetzten Gebiet und die Einreise in dasselbe war gänzlich verboten und später sehr erschwert. Nur die entlassenen Soldaten durften in ihre Heimat auf dem linken Rheinufer zurückkehren. Im Laufe des Jahres 1919 wurden allmählich die französischen Truppen aus den Nachbarorten entfernt und außer der Rheinlinie nur noch die wichtigsten Städte der Pfalz besetzt gehalten. Bis dahin hatten die Einwohner durch das Auftreten mancher französischer Soldaten noch viel zu leiden. Letztere wußten oft nicht, wie sie ihrem Übermut Ausdruck verschaffen sollten, namentlich wenn sie betrunken waren. So kam es in Mannweiler zu einer Schlägerei zwischen solchen und einheimischen Burschen. Die Franzosen ließen sich in der Wirtschaft von Müller am Bahnhof zu Gewalttätigkeiten hinreißen, suchten in Häuser mit Mädchen einzudringen u.s.w. Ihnen traten junge Leute entgegen und suchten sie aus dem Dorf zu entfernen. Eine Anzahl von ihnen wurde sofort festgenommen, bald aber wieder freigelassen. Dann aufs Neue verhaftet und vor dem französische Kriegsgericht in Kirchheimbolanden  abgeurteilt. Da den Franzosen das Benehmen ihrer Soldaten wohlbekannt war, hatten doch zwei von ihnen bald darauf in Alsenz selber wieder sich ungebührlich benommen, so stand die Sache der Angeklagten gar nicht ungünstig. Durch das anmaßende, unverantwortliche Auftreten einer Frau aus Mannweiler aber, deren Söhne ebenfalls beteiligt waren, wurde alles verdorben. Die Strafen, die verhängt wurden, waren furchtbar hart. Es erhielten Hoffmann Jacob, Oster, Karch, Dillenkofer, Held Karl und Krapp Otto je 5 Jahre Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe, Krapp Wilhelm und Walter Albert je 2 Jahre und 1000 Mark. Letzterer war nur als Zuschauer beteiligt, konnte aber trotz seiner Unschuld nicht freikommen. Alle Ansuche um Nachlass oder Milderung der Strafen, die von verschiedenen Seiten gemacht wurden, hatten keinen Erfolg. Sie mußten alle ihre Strafen im Gefängnis zu Zweibrücken antreten. Ihre Angehörigen durften sie wohl dann und wann besuchen, aber ihnen keine Lebensmittel bringen, trotz des Hungers, über den die Verurteilten klagten. Gegen Ende des Jahres 1920 wurden sie alle bis auf Dillenkofer, der geflüchtet war, begnadigt und ihnen auch die Geldstrafe erlassen.
Im Juli 1919 wurden nochmals französische Truppen, die sich auf dem Heimweg befanden, hier und in der Umgegend einquartiert. Im Pfarrhaus waren ein Kapitein und 6 Mann nebst 8 Pferden untergebracht. Außerdem verkehrte ein Leutnant in demselben namens de Vaillemont, ein sehr reifer und lebenslustiger Herr. Sein Vater war zeitweilig bei der französischen Botschaft in Berlin und seine Großmutter ist in der Kirche zu Metz begraben. Er sprach ziemlich gut Deutsch. Beim Abmarsch fehlte ihm ein Zügel, den der Besitzer des Anwesens mit 200 Mark bezahlen mußte. Alle Fürsprache half nichts.

Kriegschronik IV. Teil (1917)

Die ersten Monate des Jahres 1917 verliefen fast ganz in gespannter Erwartung der bevorstehenden großen Ereignisse. Überhitzte Einbildung ließ solche gleich zu Beginn des Jahres erfolgen. So wurde am Neujahrstag das Gerücht von einer gewaltigen Seeschlacht verbreitet. Kaiserslautern sollte von feindlichen Fliegern heimgesucht und Elsass geräumt sein. Alles erwies sich als unnütziges, haltloses Gerede.
Während der außerordentlich großen Kälte, die sich in der 2. Hälfte des Januar und in der ersten des Februar einstellte, wurde trotz des Ost- und Nordwindes wieder Kanonendonner gehört. Die Kälte stieg in der Nacht vom 3. auf 4. Februar auf -21°C, trotzdem wurden die Bewohner des unteren Alsenztales durch ein Zeppelinluftschiff aus dem Schlafe geweckt. Da dasselbe sehr nieder flog, war der Lärm in der stillen Nacht ein unheimlicher. Von da an wurde der Besuch von Zeppelinen immer häufiger. Was nämlich längst von Mund zu Mund ging, verwirklichte sich allmählich: Das große Hauptquartier wurde aus Nordfrankreich nach Kreuznach verlegt, mit Hindenburg und Ludendorf an der Spitze. Infolge dessen gab es öfter in Kreuznach höchsten Besuch: Der Kaiser, andere deutsche Fürsten, ein türkischer Prinz, der dem deutschen Kaiser einen Ehrensäbel überbrachte, und andere mehr.
Für die Umgegend von Kreuznach brachte das Hauptquartier mancherlei Unannehmlichkeiten mit. So wurden alle Bahnstationen der Umgebung, in der Pfalz bis nach Rockenhausen, mit je zwei Gendarmen besetzt, die alle Ein- und Aussteigenden überwachen mußten. Ohne Ausweis durfte niemand verkehren, zum Aufenthalt in Münster am Stein und Kreuznach mußte demselben auch das Bild des Reisenden beigefügt sein. Um der Gefahr feindlicher Flieger möglichst Abbruch zu tun, mußten bei eintretender Dunkelheit alle Lichter der Häuser usw. abgedunkelt werden und die Straßenlaternen verlöschten. Wer noch mit einem späten Zug ankam, mußte im Dunkeln den Heimweg antreten. Kaum war am 10. Februar nach großen Vorbereitungen und Umbauten das Hauptquartier in Kreuznach untergebracht, da hieß es auch schon wieder, es würde nur bis zum 1. Mai daselbst bleiben, was sich aber als unrichtig herausstellte. Es blieb bis zum 1. März 1918.
Unangenehm machten sich anfangs einige militärische Autos aus dem Hauptquartier in der Umgebung bemerkbar. Diesselben kauften zu unerhörten Preisen allerlei Lebensmittel zusammen. Um die Leute zur Abgabe zu bewegen, gaben die Insassen, unter denen sich manchmal Offiziere befanden, vor, die Lebensmittel seien für Hindenburg, während sie in Wirklichkeit für die Angehörigen der Betreffenden bestimmt waren. Dieser traurigen Hamsterei wurde dadurch ein Ende gemacht, daß die Gendarmerie darauf hingewiesen wurde. Das brachte dem Berichterstatter mancherlei Drohungen von wucherischen Ortseinwohnern ein, die aber nicht zur Ausführung kamen, obwohl eine Anzahl von Leuten wegen Überschreitung der Höchstgröße und unerlaubter Ausfuhr von Lebensmitteln bestraft wurden. Der Wuchergeist zeigte sich bei manchem in schmutzigster Gestalt. Der ununterbrochen hörbare Kanonendonner, der sich am 28. März, als sich am Toten Mann bei Verdun heftige Kämpfe abspielten, zum Trommelfeuer steigerte, ließ diese Leute mit ihrer ausgeprägten Habgier unberührt. Nur Geld, lautete die Losung, während sich unsere Streiter da draußen verbluteten.
Die Witterung war den Feldarbeiten in den 4 ersten Monaten sehr ungünstig und mancher fing schon an zu verzagen. Den ganzen März hindurch und selbst noch in der ersten Hälfte des April gab es Schneefälle und am 30. März trat die Alsenz über ihre Ufer – alles Vorgänge, die ungewöhnlich genannt werden mußten. Eigentlich erst in der 2. Hälfte des April konnte die Feldbestellung gefördert werden, was nur unter Anstrengung aller Kräfte möglich war. Aber wie sollte aller Kleinmut beschämt werden! Diesmal brachten die Schwalben, die Ende April wiederkehrten, gleich den Sommer mit. Vom 1. Mai an setzte eine solche Wärme ein, daß nicht nur alle rückständige Feldarbeit erledigt werden konnte, sondern manche schon wieder für die Ernte zu fürchten begannen. Aber wie die Sonne noch niemals einen Bauern zum Land hinaus gescheint hat, so auch diesmal nicht. Sechs Wochen nach Frühlingsanfang war noch alles Leben in der Natur tot, doch wenige warme Tage des Mai genügten, um saftiges, üppiges Grün hervorzuzaubern. Niemand glaubte, daß man in diesem Jahr an Pfingsten frisches Viehfutter holen könne, und doch war es der Fall. Sechs Wochen lang hielt die Wärme, ja man kann schon sagen die Hitze an, ohne daß ein nennenswerter Niederschlag erfolgt wäre. Ein kräftiger Gewitterregen brachte dann auch unserer Gegend das erwünschte Nass, das in der Umgegend ziemlich reichlich niedergegangen war. Ohne Folgen blieb die anhaltende Trockenung nicht. In sandigen Äckern blieb das Getreide klein, um so schöner entwickelte es sich in den schwereren Böden. Eine überreiche, rasch verlaufene Baumblüte stellte reichen Obstsegen in Aussicht, der dann auch eintraf, mit Ausnahme der Zwetschgen. Ganz besonders kam die anhaltende warme Witterung der Kartoffel, diesem ausgesprochenen Sommervogel, zu gute. An ihr bewährte sich die Regel: „Pflanzt du sie im April, so kommt sie wann sie will; pflanzt du sie im Mai, kommt sie glei(ch)“. Vor Mai konnten fast gar keine gelegt werden, dann aber entwickelten sie sich so schnell und so schön, daß man selten üppigere Äcker gesehen hat. Sie standen im schärfsten Gegensatz zu dem vorangegangenen Jahr. Sah man damals kaum einen schönen, geschlossenen Acker, so diesmal kaum einen schlechten.
Wie sehr im Jahr 1916 die Kartoffelernte versagt hatte, das wurde man erst im Frühjahr 1917 voll und ganz gewahr. Um der dringensten Not in den Städten abzuhelfen, wurde stillschweigend von den Behörden geduldet, daß Stadtbewohner sich auf dem Land mit Kartoffeln versahen. In ganzen Scharen brachten von Ende April ab die Eisenbahnzüge aus den Städten Leute, die auf der Suche nach diesem oft schon wochenlang entbehrten Nahrungsmittel gingen. Das Vertrauen auf das Mitgefühl der Landleute wurde nicht getäuscht. So lange es möglich war, wurde von diesen gerne gegeben. Bald aber wuchs sich die Sache zu einem Unfug aus. Nicht nur Kartoffeln wurden begehrt, sondern alles was genießbar war. Und nicht blos Leute die Mangel litten, beteiligten sich an diesen „Hamsterfahrten“, sondern auch solche, die das Eingeheimste zu hohen Preisen in den Städten verkauften. Erst mit der nochmaligen Kartoffelaufrufung im Juni, wobei jedem sein Maß zugewiesen wurde, mit dem er bis zur neuen Ernte auskommen mußte (250 Gramm auf den Kopf im Tag) hörten jene Sammlungen auf, nachdem sie 8 Wochen gedauert hatten. Es war eine schlimme Zeit auch für die Landbewohner. Und doch hatte niemand ein Recht zu klagen, konnte man doch ungehindert seiner Arbeit nachgehen und auf eine neue Ernte hoffen. Unsere Streiter schützten die heimatliche Erde vor Vernichtung in den schweren Schlachten die vom 8. und 16. April an bei Arras und in der Champagne tobten. Dem Aufruf, Stadtkinder bei sich aufzunehmen, bei denen eine Unterernährung zu erwarten stand, kamen die Gemeindemitglieder ebenfalls nach. Auf dem Schmalfelderhof wurden 4 Buben und 2 Mädchen und in Mannweiler 1 Mädchen untergebracht. Es waren nicht lauter erfreuliche Erfahrungen, welche mit diesen Kindern gemacht wurden.
ZU der 6. Kriegsanleihe brachten die Kinder von Mannweiler wieder 2000 Mark und die von Oberndorf 1195 Mark aus ihren Sparkassen auf.
Am 10. Mai fuhr ein Sonderzug mit S.M. dem Kaiser von Kreuznach mit Dampf durchs Alsenztal. Derselbe besuchte in Ludwigshafen S.M. den König von Bayern, außerdem die Stadt Speyer. Am Abend kehrte der Zug nach Kreuznach zurück.
Während der anhaltenden schweren Kämpfe im Westen herrschte im Tal ein lebhafter Zugverkehr. Die Stimmung der Bevölkerung war sehr still, ja gedrückt, standen doch viele Söhne der Nordpfalz im Kampfe und es waren wieder manche Verluste zu beklagen. Mehrere gerieten in englische Gefangenschaft.
Am 2. Juni überflogen drei Flugzeuge das Tal und am 14. und 15. Zeppeline. Ein neues Aufgebot der deutschen Heeresleitung erstreckte sich auf die Orgelpfeifen und die Glocken. Erstere wurden aus beiden Kirchen am 9. Juli abgeliefert und zwar aus Oberndorf 42 kg und aus Menzweiler 17 kg. Die beiden Glocken von Oberndorf und die größere von Menzweiler wurden von der Ablieferung ihres hohen Alters wegen befreit. Nur die kleine Glocke von Menzweiler wurde herunter genommen und abgeliefert. Dieselbe war im Jahr 1871 von Hamen in Kaiserslautern gegossen, hatte also der Gemeinde 46 Jahre gedient. Am 18. Juli war beim Gottesdienst nun also Abschied genommen worden. Da sie sich nicht ohne größere Mühe abnehmen ließ, wurde sie auf einen Haufen Reisig geworfen, wobei sie in viele Stücke zersprang. Dies geschah am 30. Juli, 5 Tage später trat sie den Weg in den Schmelzofen an, um in neuer Gestalt dem Vaterlande in seinem schweren Kampfe zu dienen. Ihr Gewicht betrug ohne die Eisenteile, also in reiner Bronze 100,5 kg, wofür 450 Mark vergütet wurden, die als Glockenrücklage bei der Bezirkskasse Rockenhausen angelegt wurden. 1920 wurde die Wiederanschaffung der Glocke beschlossen.
Es ist eine eigenartige Sache um die Glocken der Kirchengemeinde. Wird ihr Ruf in friedlichen Zeiten auch vielfach überhört, so ändert sich das sofort, wenn ihr Mund schweigt, verwundert schaut alles zum Turme. So ging es auch der Menzweilerer Glocke. Ihren Abgang empfand man viel schmerzlicher als den der Orgelpfeifen. Daß hier eine Stimme fehlte merkte man nicht, hätte vielleicht ihre Entfernung überhaupt nicht gleich wahrgenommen, wenn nicht ausdrücklich darauf hingewiesen worden wäre. Wie aber mitgeteilt wurde, daß auch eine Glocke herabgenommen werden mußte, da wurde manches Auge tränenfeucht und als dann zum ersten Male mit nur einer Glocke geläutet wurde, da kam es manchem gar arm und dünn vor. Doch auch diese traurige Zeit wird vorübergehen und dann hoffentlich bald wieder eine zweite Glocke sich zu der alten gesellen. Möge sie dann keine so schrecklichen Kriege mehr sehen wie den von 1914 – 1918.
Etwas später als sonst, erst anfangs August, konnte in diesem Jahr mit der Ernte begonnen werden, obwohl gerade diesmal es von großem Wert gewesen wäre, etwas früher die Feldfrüchte zur Verfügung zu haben. Vorräte an Lebensmitteln waren fast in keiner Haushaltung mehr vorhanden. Menschen und Tiere bekamen gerade nur soviel, um bestehen zu können und nicht dem Hunger zu erliegen. Mit dem zugewiesenen Brot konnte man auch  bei sparsamstem Genuß nicht auskommen; gerade jetzt, wo es für die schwer arbeitende Bevölkerung notwendiger gewesen wäre als im Winter, wurde die Menge verringert. Die Kartoffeln konnten keinen Ersatz bieten, da sie meistens vor der neuen Ernte schon aufgebraucht waren. Von den Neuen durften nur soviel ausgemacht werden, das auf den Kopf 250 Gramm am Tag kam und doch hätte man sich gerade an ihnen gerne einmal recht satt gegessen.
Das Wintergemüse und der Wintersalat waren in Folge der strengen Kälte im Februar und der großen Hitze im Mai und Juni unbrauchbar geworden und das neue Gemüse kam infolge von Erdfloh und Blattlaus in den Gärten zu keiner rechten Entwicklung. Da war in vielen Familien nicht blos Schmalhans Küchenmeister, sondern es grinste der Hunger zum Fenster herein, war vielfach Not. Ganz besonders schlimm gestalteten sich die Ernährungsverhältnisse in der 2. Hälfte des Juli und in der ersten des August. Das Brot war knapp, Kartoffeln meist gar nicht mehr vorhanden und das Fleisch wieder auf 250 Gramm für Kopf und Woche festgesetzt, während es vorher ein Pfund gegeben hatte. Da mußte dann der Leibriemen nochmals enger gestellt werden.
Sehnsüchtig harrte man der neuen Ernte entgegen, die aber durch zahlreiche Gewitter mit ausgiebigem Regen hinausgezögert wurde. Letzterer war für manche Früchte, namentlich die Kartoffeln, von großem Nutzen, für das Getreide jedoch, das abgemäht am Boden lag, nicht.
Ein treffendes Bild der Kriegswochen gibt nachstehendes Gedicht:
„Droben ein Zug auf ehernem Strang, frische Krieger und Waffen,
Drunten im Felde der Sense Klang, emsiges Garbenraffen.
Grüßend erhebt sich die Schwielenhand, Schwerthiebe winken hernieder,
Über das nährende Heimatland brausen Soldatenlieder.
Stolz in den Stürmen der heiligen Not darf unser Banner fliegen:
Deutschland hat Männer und Stahl und Brot, Deutschland, mein Deutschland wird siegen!“
Der Sieg blieb in diesem Jahr wieder auf unserer Seite, sowohl auf dem Schlachtfeld als auch auf dem Erntefeld. Die Getreideernte versprach uns Brot für ein weiteres Jahr, Kartoffeln gab es reichlich und das Obst gedieh in einer solchen Menge, daß man den Segen kaum zu verwenden wußte. Wenn gleichwohl in den Städten viele keine Äpfel zu sehen bekamen, so war daran nichts anderes Schuld, als die Bewirtschaftung. Den sogenannten Marmeladefabriken mußten große Mengen geliefert werden, die dann ungeheuren Vorteil daraus zogen, zumal die Preise für diese geringer waren als für andere Aufkäufer. Letztere mußten Frühobst und bessere späte Sorten mit 40 Mark für den Zentner erstehen, die anderen Sorten kosteten 20 Mark, ganz geringe Weinbirnen 5 Mark, während man sie früher um höchstens 1 Mark 50 kaufte. Der Wein, der vorzüglich und in großer Menge zu kaufen war, erreichte den unerhörten Preis von 20 Mark für 8 Liter Maische. Das Viertel wurde dementsprechend zu 1 Mark und 1 Mark 25 ausgeschenkt. Manche Wirte verkauften ihre Ernte gleich im Herbst und schlossen ihre Wirtschaft, zumal auch das Bier außerordentlich dünn und teuer war, die Flasche gewöhnliches kostete 30 Pfennig, das sogenannte bessere 60 Pfennig. Bei solchen Verhältnissen kam der Apfel- und Birnenwein hoch zu Ehren. Davon war viel eingelegt worden. Auch hierfür wurden hohe Preise erzielt: 1200 Liter = 1000 Mark.
Um auch das zu erwähnen: den Rauchern wurde es fast ganz unmöglich, Tabak oder Zigarren zu erhalten, letztere stiegen bis auf 35 und 40 Pfennig für die gewöhnlichen Sorten und Tabak war auch zu den höchsten Preisen nicht mehr zu bekommen. Da mußten Ersatzmittel herhalten, die man sonst mit Abscheu zurückgewiesen hätte. Ganz außerordentliche Schwierigkeiten bereitete die Beschaffung von Kleidern und Schuhen, bis zu 100 Mark wurden für ein Paar bezahlt. Das geklapper der Holzschuhe oder wenigstens von Schuhen mit Holzsohlen hörte man allenthalben. Am leichtesten hat sich die Schuljugend damit abgefunden, sie sprang und tollte in den Holzschuhen ebenso munter wie in anderen.
Wollte man schildern, was alles ersonnen wurde, um sich auf heimlichen Wegen Lebensmittel zu beschaffen und diese aller Beaufsichtigung zum trotz heimzubefördern, so gäbe das ein eigenes Buch. Es rief die Not eine Eigenschaft hervor, die erstaunlich war. Mögen spätere Geschlechter nie in die Lage kommen, ihre Geistesanlagen in gleicher Weise verwenden zu müssen. Wenn auch mancher nur aus Sucht nach Wohlleben allerlei Schleichwege einschlug, so war es dabei wieder bitterste Not, was sie zu ihrem Vorgehen veranlasste. Mit den von den Kommunalverbänden zugewiesenen Mengen an Lebensmitteln konnte niemand bestehen, das wurde offen zugestanden. Aber während man die kleinen Diebe hängte, wußten die großen sich der Schlinge zu entziehen. Das war es auch hauptsächlich, was eine erbitterte Stimmung hervorrief: Die Ungleichheit in der Lebensweise, auf der einen Seite bitterste Not, auf der anderen: volles Genügen.
Von besonderen Ereignissen aus dem Jahr 1917 wären noch zu erwähnen: Zu der 7. Kriegsanleihe im Oktober wurden von den Kindern in Oberndorf ungefähr 1400 Mark aus Sparkassenbüchern  gezeichnet.
Der gänzliche Zusammenbruch des neuen russischen Angriffs in Galizien ließ die Hoffnung auf Beendigung des Krieges aufleben, aber erst gegen Jahresschluß verstand man sich seitens Rußlands zu einem Waffenstillstand und der Aufnahme von Friedensverhandlungen. Die Sehnsucht der Gefangenen bald heimzukommen, wurde auf eine harte Probe gestellt; doch wußten sich diesselben in das Unabänderliche zu schicken und manche sehnten sich gar nicht danach in den Strudel der russischen Revolution hineingezogen zu werden.
In der Nacht vom 2. auf 3. Oktober, abends 11 Uhr, schreckte eine heftige Fliegerbeschießung in Kreuznach die Alsenztäler aus dem ersten Schlaf auf. Desgleichen wurde am 20. Oktober, morgens 5 Uhr, der Schlaf derselben gestört. Nachdem den Sommer über der Kanonendonner aus Südwesten gar nicht mehr gehört worden war, vernahm man ihn von Oktober ab wieder häufiger, so besonders am 4. 9. 16. 27. X, 22. XI, 9. 21. 25. 26 XII. Die Windrichtung spielte dabei keine Rolle, sowohl bei Südwest- als auch bei Nordwind war er vernehmbar.
Über die schlimme Einwirkung des Krieges auf die Schulverhältnisse in der Pfarrei ist in der Pfarrbeschreibung bzw. im Jahresbericht das Nötige aufgezeichnet.
Mit der Hoffnung, wenigstens mit Russland bald zum Frieden zu kommen nahm man vom Jahr 1917 Abschied.
Die Verhandlungen in Brest-Litowsk hatten ihren Anfanggenommen, wurden aber russischerseits so hintertrieben, daß sie noch nicht zu Weihnachten, sondern erst im folgenden Jahr zum Abschluß kamen. Auch das 4. Mal mußten unsere Krieger im Feld Weihnachten feiern. Die Heimat hatte wieder alles aufgeboten, um ihnen eine Freude zu bereiten, wofür von denselben herzlich gedankt wurde.
Mit aufrichtiger Genugtuung begrüßte man im Oktober die wohlverdiente Züchtigung der treulosen Italiener. An den Kämpfen gegen dieselben am Isonzo bis zur Piave haben auch Soldaten aus dem Alsenztal teilgenommen, die zu einer fliegenden Division gehörten.
Neue Zuversicht auf einen glücklichen Ausgang des so furchtbaren Völkerringens belebte uns beim Eintritt in das Jahr 1918.

Der Männergesangverein Oberndorf – ein Nachruf

Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte in der Pfalz  fast flächendeckend die Gründung von Männergesangvereinen. Ursache war vor dem Hintergrund langsam steigenden Wohlstandes und der immer mehr in die Lehrpläne der Volksschulen übernommenen Schulmusik  der Drang nach unterhaltsamer Geselligkeit und zum Teil wohl auch politische Motivation. Musik war jedenfalls unverzichtbare Beigabe zu Fest- und Tanzvergnügen aller Schichten und da es damals weder Radio noch elektrischen Strom gab, blieb nur der Weg entweder über einen Musikverein oder über einen Gesangverein für die nötige Festbegleitung zu sorgen. Das Vereinsrecht bot dafür den entsprechenden Rahmen. In Oberndorf gab es schon vor den  Vereinsgründungen  zwei mutmaßlich konfessionell orientierte lose organisierte Gesangsgruppen.

Nur von einem dieser beiden Gesangvereine kennen wir den Namen, “ Eintracht“. Die Gründungsurkunde (in Sütterlinhandschrift) ist erhalten und wird nachfolgend im Wortlaut wiedergegeben.

Gründung des Vereins

In den ersten Tagen des Monats April 1859 traten einige Freunde des Gesanges zusammen um sich über die Mittel und Wege zu berathen, durch welche die Gründung eines Gesangvereins in dem Orte Oberndorf zu ermöglichen sei. Nach reiflicher Erwägung einigten sie sich dahin, daß sie eine größere Anzahl junger Männer um sich versammeln wollten, denen ihr beabsichtigtes Vorhaben mitzuteilen, und hierüber sodann mit denselben eine gründliche Vorberathung zu pflegen sei.
Auf Grund dieser Einigung ließ Herr Franz Botens dahier ein Rundschreiben ergehen, nach welchem er die unten genannten Personen einlade, sich auf Samstag, den 2. April, Abends 8 Uhr in seiner Wohnung zu dem angegebenen Zwecke einzufinden.
An dem Tage und zur bestimmten Stunde haben sich die Eingeladenen in der Wohnung des obengenannten Franz Botens versammelt:
1. Georg Graff, Müller
2. Franz Botens, Bäcker
3. Johannes Grimm, Hufschmied
4. Carl König, Taglöhner
5. Heinz Scheidel, Dienstknecht
6. Peter Müller, Taglöhner
7. Carl Hübsch, Handelsmann
8. Philipp Neubrecht, Ökonom
9.Friedrich Fröhlich, Ökonom
10.Christian König, Ökonom
11. Heinz König, Ackersmann
12. Lothar Junk, Wirth
13. Johannes Junk, Ackersmann
14. Jacob Bauer, Ackersmann
15. Nickolaus Hall, Lehrer
16. Jacob Bohsong, Ackersmann
17. Christian Wolf, Steinhauer
18. Heinrich Stock, Blechschmied
19. Heinrich Weinheimer, Steinhauer
20. Martin Betz, Steinhauer
21. Valentin Walter, Ackersmann
Nachdem Herr Georg Graff den also versammelten den Zweck ihrer Berufung mitgetheilt hatte, traten dieselben miteinander in Berathung und gaben sodann auf Grund derselben die einstimmige Erklärung ab, daß die Gründung eines Gesangvereines in hiesigem Orte wünschenswerth und daß demnach zum Behufe der devinitiven Constituierung derselben eine Generalversammlung unter dem 9ten April anzuberaumen sei. Bei dieser Gelegenheit, durch das Mitglied Carl Hübsch der Entwurf der Vereinssatzung in Vorlage zu bringen sei.

Von dem anderen ehemals existierenden Gesangverein fehlt jegliche Überlieferung. Tatsache ist allerdings, dass sich am 7. Januar 1910 des Abends die aktiven Mitglieder der beiden zu Oberndorf bestehenden Gesangvereine in der Wirtschaft von Jean Schückler trafen und beschlossen von nun an gemeinschaftlich unter dem Namen „Männergesangverein Oberndorf“ den Gesang zu fördern und zu pflegen. “ Sämtliche Festlichkeiten und Unterhaltungen sollen von nun an gemeinschaftlich geführt werden, vorstehende Statuten sollen für die Zukunft maßgebend sein“.
Das Verdienst der Zusammenführung der beiden Vereine kommt  dem im ersten Weltkrieg gefallenen Lehrer Ebersold zu, welcher die Fusion auf den Weg brachte. 64 Mitglieder hatte der Verein 1910. Die Dirigenten des Vereins rekrutierten sich in aller Regel aus den örtlichen Schullehrern, die auf Grund ihrer Ausbildung über Kenntnisse im Musikunterricht verfügten.

Zweck des Vereins war es den Gesang in vielfältiger Weise  zu fördern. Dazu gehörten neben den obligatorischen Sängerfesten und Konzerten auch Auftritte während Gottesdiensten. Zugleich wirkte sich die Gesangsausbildung der Männer auch auf die Qualität des gemeinsamen Singens von Kirchenliedern aus, jedenfalls war in der Zeit des bestehens einer aktiven Sängergruppe jeder Gottesdienst – so er von den Sängern besucht wurde – im Hinblick auf den Sangesvortrag der Kirchenlieder ein beeindruckendes Erlebnis.

Unabhängig davon engagierte sich der Männergesangverein auch bei den örtlichen Beerdigungen. Da fast jede Familie in Oberndorf ein aktives oder passives Mitglied des Gesangvereins stellte, sah es der Verein als seine Pflicht an, bei der Gestaltung der Beerdigungen mitzuwirken. In der Regel lief dies folgendermaßen ab: Auf Grund des Fehlens einer Aussegnungshalle (diese wurde erst 1974 erbaut) wurden die Verstorbenen in ihrer Wohnung aufgebahrt. Am Tage der Beerdigung erschienen die aktiven Sänger des Vereins an der Wohnung des Toten. Man war dem Anlass entsprechend angezogen und sang vor dem Haus ein für diesen Anlass ausgesuchtes Trauerlied. Anschließend begaben sich die sechs Sargträger (in der Regel aktive Sänger), alle mit Gehrock und Zylinder ausgestattet, in das Trauerhaus und trugen den Sarg zum Fiedhof. War dies ein längerer Weg, so wurde unterwegs gewechselt. Zudem hatten auf Anweisung des Schullehrers die Schulkinder beim Trauerhaus zum angesetzten Zeitpunkt zu erscheinen. Ihnen wurde die Aufgabe übertragen, die von befreundeten oder sonstwie verbundenen Familien gespendeten Trauerkränze vom Trauerhaus zum Friedhof zu tragen. In aller Regel setzte sich so ein stattlicher Trauerzug in Richtung Friedhof in Bewegung. Vorweg ging der Pfarrer, gefolgt von den Sargträgern mit Sarg, diesen folgte die Familie des Toten. Im Anschuss daran folgten die aktiven Sänger und denen widerrum die Schulkinder mit den Kränzen. Den Schluß bildete die Trauergemeinde, so dass meist ein imposanter Trauerzug zustande kam. Ab und an kam es auch zu Gesprächsstoff liefernden Zwischenfällen, so, als ein mit dem Verstorbenen zu Lebzeiten  in Streit lebender Anwohner beim Passieren des Sarges sein Fenster öffnete und den Sargträgern nachrief „in die Gruft mit dem Schuft“.

Auf dem Friedhof hielt dann der Pfarrer seine Predigt und sowohl der Gesangverein  als auch die Schulkinder (meist „So nimm denn meine Hände“) brachten ein Lied zum Vortrag bis dann schlussendlich der Sarg ins Grab gelegt wurde. Insgesamt war dies eine feierliche Veranstaltung, welche die Anwesenden in einer Weise emotional berührte die heutzutage nicht mehr denkbar ist.

Überhaupt verstand sich der MGV als weitgehend zuständig für das kulturelle Leben des Dorfes. Typischer Weise veranstaltete man jährlich ein Konzert mit Ball. Nach dem Bau der Gemeindehalle trat der Verein auch lange Jahre als Veranstalter der Dorfkerwe auf. Dabei war er wirtschaftlich sehr erfolgreich, jedenfalls konnten aus den Erträgen der vom Verein durchgeführten Veranstaltungen im Laufe der Zeit ca. 25 000.- DM für die Vervollständigung der Einrichtung der Gemeindehalle an die Gemeinde gespendet werden.

Seit den 20iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts  versuchte sich der MGV  auch in Bühnenstücken und Schauspiel.So wurde beispielsweise „Die Bürgermeisterwahl“ und   „Das große Los“ von Richard Müller, Obermoschel, mit großem Erfolg aufgeführt.

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auf großer Bühne, die Schauspieler des Gesangvereins

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Auch gehörte ein Vereinsausflug zum jährlichen Programm des MGV.

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Der MGV beim Besuch der Heidelberger Schlossruine 1958

Auch bei der Dorfverschönerung war der Verein tätig, so pflanzte man ende der 1950er Jahre eine Dorflinde.

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Beim Pflanzen des Lindenbaums am Kirchberg

Das größte Ereignis der Vereinsgeschichte war wohl das 100jährige Vereinsjubiläum.

Festtage waren der 12. und 13 Juni 1960. Das dazu errichtete Festzelt stand auf der Wiese rechts der Felsenmühle. Es gab kein Haus in der Gemeinde, welches aus diesem Anlass nicht mit Grün- und Fähnchenschmuck ausgestattet war.
In das vollbesetzte Festzelt zogen die Ehrendamen mit der neuen Vereinsfahne ein. Nach den üblichen Glückwunschreden der geladenen Gäste sowie der Sängerehrung gaben die anwesenden Brudervereine Proben ihres Könnens. Im Anschluss spielte die Musikabteilung des Gesangvereins Münsterappel zur Unterhaltung.

Am 2. Festtag marschierte der Gesangverein und die gesamte Bevölkerung zum Ehrenmal bei der Kirche um allen toten Sangesbrüdern und Gefallenen zu gedenken.

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Auf dem Weg zum Ehrenmal

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Am Nachmittag erfolgte ein Freundschaftssingen der Brudervereine, verbunden mit Musikvorträgen. Abends endete das Vereinsjubiläum mit einer Tanzveranstaltung im Festzelt an der Felsenmühle.

Gesangsverein 2 Oberndorf (497 x 494)

Die aktiven Sänger im Jubiläumsjahr 1960

Im Laufe der Zeit ließ jedoch das Interesse am Gesang nach. Im Jahr 1986 gelang es schon nicht mehr einen neuen Vorstand zu wählen. 1989 versuchte man dem Verein neues Leben einzuhauchen, in dem man eine Abteilung „gemischter Chor“ hinzufügte. Dies alles konnte jedoch den Niedergang des Vereins nicht aufhalten. Im Berichtsbuch des Schriftführers des MGV ist als Datum der letzten Generalversammlung der 2.03.1995 verzeichnet.

Ende 2018 wurde der MGV Oberndorf aus dem Vereinsregister abgemeldet. Die Lücke, die er im kulturellen Dorfleben hinterließ, wird heutzutage im Wesentlichen vom Feuerwehrförderverein und dem Oberndorfer Carneval Club OCC gefüllt.