Kriegschronik von Oberndorf Teil XVII. und Schluß

Schluß

Von der Beendigung des Krieges hatte man, wenn auch keine Rückkehr zu den früheren guten Zeiten, so doch eine Besserung der Verhältnisse erwartet. Das Gegenteil trat ein. Mit dem für uns so schimpflichen Friedensschluß und dem Umsturz in unserem Vaterland trat eine unerhörte Teuerung ein. Die Preise für einzelne Lebensmittel und sonstige Bedürfnisse stellten sich 1920, wo die Chronik zum Abschluß gebracht wurde, wie folgt dar:
Es mußte bezahlt werden für Butter 8, dann 14 Mark, im Schleichhandel wurden 20 Mark verlangt, für amerikanischen Schinken und Speck 14 Mark das Pfund, Schmalz bis zu 30 Mark, Margarine 15 Mark, Kartoffeln 1919 5 Mark, für 1920 wurden 25 Mark für den Zentner angesetzt, Halbmilch 80 Pfennig, Vollmilch 1,50 Mark. Das Brot stieg von 67 Pfennig das Pfund auf 1,10 Mark, natürlich nur Kornbrot. Weißbrot kostete das Pfund 2 Mark. Für Heu wurde im Frühjahr 100 Mark bezahlt, das aber bald wieder auf 35 Mark fiel. Fleisch, das es oft wochenlang nicht gab, kostete 7 Mark, der Liter Wein 20 Mark, ein halber Liter Bier 1 Mark bis 1,20 Mark. Kleiderstoffe für Männer waren unter 200 Mark für das Meter nicht zu haben, so daß ein gewöhnlicher Anzug auf 800 bis 1000 Mark kam, Männerstiefel kamen auf 300 bis 400 Mark, Frauenstiefel, die nach neuester Mode gemacht wurden, erreichten eine Höhe von 800 bis 900 und 1000 Mark, Strümpfe 50 Mark, eine Krawatte 25 bis 30 Mark, ein Hut 100 Mark, Garn 15 bis 20 Mark die Rolle. Für 10 Schachteln Streichhölzer, die früher 8 bis 10 Pfennige kosteten, mußten 3,50 Mark gezahlt werden. Zigarren waren unter 1 Mark kaum noch zu haben, wenigstens keine genießbaren, ganz geringwertiger Tabak stellte sich auf 30 bis 40 Mark das Pfund. Dinge die dem Luxus dienten, erreichten noch höhere Preise, ein Stallhasenpelz wurde mit 8 bis 10 Mark, ein Maulwurfspelz mit 10 Mark, ein Fuchspelz mit 300 Mark und ein Marderpelz mit 600 Mark bezahlt.
Dementsprechend stiegen auch die Löhne. 18- bis 20jährige bekamen oft 25 Mark am Tag.
Spätere Geschlechter werden kaum mehr glauben wie groß die Not war.
Dennoch begannen schon in den Jahren 1918 bis 1922 Sammlungen für eine Gedenktafel für die im Krieg gefallenen aus der Gemeinde Oberndorf die 2164 Mark erbrachten. Diese Initiative führte schließlich zur Errichtung des Kriegerdenkmals bei der Kirche in Oberndorf, welches am 8. Juni 1924 eingeweiht wurde. In den Grundstein dieses Denkmals wurde eine Urkunde eingelegt, deren Text nachfolgend wiedergegeben wird.

Urkunde über die Errichtung des Kriegerdenkmals in der Gemeinde Oberndorf.

Zu Anfang des Jahres 1924 regte sich in der Gemeinde Oberndorf das Bestreben, den im Weltkrieg 1914/1918 gefallenen Ortsangehörigen ein Denkmal zu errichten. Schon gleich nach Kriegsende waren hierfür Mittel gesammelt worden, die aber in Folge der Geldentwertung im Jahr 1923 vollständig in Nichts zerrannen. Nun galt es neue zu beschaffen und es wurde zu diesem Zweck eine Sammlung von Haus zu Haus vorgenommen. Diese ertrug 370 Goldmark und 1285 Franken. Als Platz wurde der zur Kirche gehörige alte Friedhof ins Auge gefasst, der auf Ansuchen hin von den beiden Kirchenverwaltungen unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde. Herr Karl Fuchs von Mannweiler, ein Oberndorfer Kind, fertigte ohne jede Entschädigung die Pläne, während die nötigen Steine mit Erlaubnis des Besitzers, aus dem Steinbruch von Hermann Neubrech gewonnen wurden. Eine ganze Anzahl Ortsbewohner stellte sich bereitwillig in den Dienst der Sache, half die Steine brechen, verbrachte diese auf den Friedhof. Die Stein- und Bildhauerarbeiten wurden von einheimischen Kräften rasch nacheinander ausgeführt, so daß die Aufstellung des Denkmals am 24. Mai 1924 erfolgen und die Einweihung für Pfingsten in Aussicht genommen werden konnte.
Trägt das Denkmal auch nur die Namen der sechs Gefallenen, so soll es doch zugleich ein Ehrenmal für alle sein, die während des Krieges ihre Kräfte dem Vaterland zur Verfügung gestellt haben. Es waren dies folgende 53 Mann:

1). Barwick Ernst
2). Bauer Friedrich
3). Benz August
4). Blum Jean
5). Blum Willibald
6). Bollenbach Gustav
7). Dautermann Wilhelm
8). Dautz Paul
9). Doll Friedrich
10). Doll Otto
11). Ebersold Friedrich
12). Finkenauer Friedrich
13). Frölich Friedrich
14). Grimm Ludwig
15). Grimm Otto
16). König Albert
17). König Otto
18). Korz Franz
19). Linn Karl
20). Michels Friedrich
21). Müller Heinrich
22). Müller Jacob
23). Müller Otto
24). Müller Wilhelm
25). Müller Philipp
26). Müller Georg
27). Müller Willi
28). Neubrech Hermann
29). Nickel Valentin
30). Prezius Heinrich
31). Prezius Johann
32). Schlarb Friedrich
33). Schückler August
34). Schückler Heinrich
35). Schückler Karl
36). Schückler Ludwig
37). Schuhmacher Jakob
38). Schworm Friedrich
39). Simon Wilhelm
40). Spuhler Theodor
41). Thamerus Philipp
42). Walter Friedrich
43). Walter Peter
44). Weinheimer Philipp
45). Weinheimer Robert
46). Weinheimer Wilhelm
47). Wenz Peter
48). Wolfänger August
49). Wolfänger Heinrich
50). Zepp August
51). Zepp Eugen
52). Zepp Karl
53). Zepp Wilhelm

Von diesen sind auf dem Feld der Ehre geblieben:
1). Ebersold Friedrich
2). Nickel Valentin
3). Schlarb Friedrich
4). Spuhler Theodor
5). Zepp August
6). Zepp Eugen

In Gefangenschaft gerieten: König Albert, Weinheimer Robert, Blum Jean, Wenz Peter.
Verwundet wurden: Barwick Ernst, Bauer Friedrich, Blum Willibald, Grimm Ludwig, Grimm Otto, Müller Wilhelm, Müller Jakob, Schückler Heinrich, Wenz Peter, Wolfänger August.

Außer diesen Opfern an Menschenleben brachten die Gemeindeglieder auch solche von ihrer Habe, in dem sie sich lebhaft an den Sammlungen für die Kämpfenden und die Verwundeten beteiligten.
Im Jahre 1924 zählte Oberndorf 312 Einwohner, 208 Protestanten und 104 Katholiken. Ortsvorstand während des Krieges war Heinrich Schneider, Inhaber der protestantischen Pfarrstelle Pfarrer Philipp Stock, der katholischen die Pfarrer Nachtigall und Poth, protestantischer Lehrer Friedrich Ebersold, katholischer Lehrer Johannes Kohlmeier.
Die Schule war besucht von 25 protestantischen und 18 katholischen Schülern. Außer dem Aufmarsch des Heeres am Anfang des Krieges und zahlreichen Transporten von Kriegsmaterial während desselben, hat die Gemeinde vom Krieg nichts zu verspüren bekommen.

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Die Metalltafel auf dem Mahnmal wurde erst nach dem zweiten Weltkrieg angebracht und verdeckt die darunter verzeichneten Namen der im ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten.

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