Kriegschronik von Oberndorf Teil XII.

Berichte aus Briefen der Kämpfer III.

Von Gustav Müller vom Bremricherhof, der bei Ausbruch des Krieges Soldat beim bayerischen Infanterieleibregiment war, bei dem auch sein Vater gedient hatte, trafen folgende Nachrichten ein:

Peronne, 28. X. 1914
Da ich eben etwas Zeit habe, will ich kurz unsere Erlebnisse schildern. Am 7. August wurden wir auf Station Saarburg ausgeladen. Wir rückten dann von hier in Märschen von 10 – 15 km täglich vor. Es ging hier leicht, weil wir geringen feindlichen Widerstand fanden. So ging es vor bis Badon-Villers, wo wir die erste große Schlacht hatten. Daran beteiligt war fast nur das Leibregiment. Wir hatten auch schon Verluste. Hier fiel auch Richard Wasem (vom Morsbacherhof). Trotz unseres glänzenden Sieges durften wir nicht weiter vorrücken. Auf feindlicher Seite standen 3 Armeekorps und wir waren nur die 1. Division. Wir wurden daher gefechtsmäßig zurückgezogen bis wieder nach Saarburg. Dort waren inzwischen 2 Armeekorps ausgeladen und wir konnten wieder vorwärts. Wir kamen mit vielen Gefechten vor bis Baccaret. Dazwischen waren wir 4 – 5 mal 2 – 3 Tage in Schützengräben. Hier kam der Befehl, das 1. Armeekorps solle zurück. Es kamen andereTruppen an unsere Stelle. Wir marschierten zurück und wurden auf Station Leiningen in Lothringen verladen. Nun gings über Metz, Diedenhofen, Luxemburg, Arlon bis Sinry. Von hier rückten wir in Tagesmärschen von 40 – 45 km durch Belgien und Nordfrankreich bis in die große Schlachtlinie vor. In 2 Gefechten kamen wir bis ungefähr 18 – 20 km vor Peronne. Seit dem 25. September liegen wir in Schützengräben und was das heißt, können sich die zu Hause garnicht vorstellen.
Man bekommt hier in der vordersten Linie nur nachts zu essen, muß in Regen und Wind heraußen liegen, hat den ganzen Tag Artilleriefeuer, kann sich tagelang nicht waschen und hat noch viele andere Freuden. Am 28. werden wir vom 21. Armeekorps abgelöst und marschierten hierher, wo wir einige Tage Ruhe haben. Wohin es geht weiß Gott.

Warenton, den 30. November 1914.
Der Krieg läutert und bessert unser Gemüt, welches bisher an interstaatlichen und religiösen Einrichtungen und Gebräuchen nörgelte. Wir stehen eben, vielleicht für längere Zeit hier im Zentrum unserer Schlachtfront. Unsere Gegner versuchten schon mehrmals unsere Reihen zu durchbrechen, wurden aber mit schweren Verlusten zurückgeworfen. Sie sollen nur kommen, sie spüren schon den eisernen Druck unserer vorgeschobenen Flügel. Es hilft ihnen alles nichts. Schon mancher Tapfere tränkte mit seinem Herzblut unser Schlachtfeld und mancher wird noch folgen, aber aus dieser kostbaren Saat wird unser Vaterland erstehen.

Der unter Nr. 1 des Verzeichnisses der Kriegsteilnehmer aus Oberndorf erwähnte Gefreite Peter Wenz stellte mir sein Kriegstagebuch zur Verfügung, das seine Erlebnisse bis zu seiner Verwundung schildert. Daraus sei das Folgende mitgeteilt:

Die Zeit vom 1. Mobilmachungstag – 2. August – an bis zum Tage des Ausmarsches wurde von den Vorbereitungen zur feldmarschmäßigen Ausrüstung in Anspruch genommen. Abends 7 Uhr am 6. August erfolgte der Abschied des Regiments von seinem bisherigen Standort Landau und ein Umzug durch die Stadt, deren Bevölkerung ihm freudig zujubelte.
Am 7. August, 1 Uhr mittags wurde das Regiment am Hauptbahnhof zum Ausmarsch verladen. Die Fahrt ging durch die Südpfalz in Richtung Metz, wobei in Zweibrücken und Benningen Rast gemacht wurde. In Falkenberg kam man 12 Uhr nachts an, wo ich in einer Scheune übernachtete. Am nächsten Morgen wurde der Marsch nach Weiler angetreten. Der Vormittag des 9. August wurde mit Exerzieren ausgefüllt. Nachts 12 Uhr marschierte das Regiment auf Amelecourt, wo wir nach großer Anstrengung erst mittags 4 Uhr unser Mittagessen bekamen. Alsdann mußte ich sofort auf Vorposten und vernahm da den ersten Geschützkampf. Die Nacht brachten wir auf dem Felde zu. Mit drei Mann kam ich am 11. August auf Wache an der Straße und wurde abends spät um 17  Uhr abgelöst. In Labecourt, wohin wir alsdann marschierten, hatte ich ein gutes Nachtlager. Von da zogen wir am folgenden Tag auf Scherbecourt, nahmen hinter der vor dem Dorfe sich hinziehenden Bahn Aufstellung und bauten die Schützengräben aus. Da die Hitze sehr groß war, suchten wir mittags in einer Scheune des Ortes Unterkunft. Hier fanden wir zum Waschen Gelegenheit. Nach einem sehr beschwehrlichen Aufstieg erreichten wir am Abend Eichhof und übernachteten hier unter Zelten. Unser Aufenthalt daselbst dauerte bis zum Mittag des nächsten Tages. Der 1. und 2. Zug ging als Reserve des 2. Batallions vor und wir erfahren die Nachricht von dem Tod des Hauptmanns Jägerhuber und eines Unteroffiziers Brand. Abends werden wir wieder nach Eichhof zurückgenommen und bilden hier die Reserve des 3. Batallions und die Bedeckung des Regimentstabes. Zur Ablösung der 7. Kompanie gingen wir am 14. August vor. Mit dem Hauptmann ging ich die Stellung ab. Alsdann bezogen wir Schützengräben und nahmen die Beerdigung der Gefallenen der 7. Kompanie vor. Der Nachmittag des 14. und der Vormittag des 15. August wurde mit dem Ausbau der Schützengräben zugebracht, als dann Patrouille gegen den Feind. Um halb 5 Uhr morgens erfolgte der Befehl zum Abrücken. Der Marsch ging rückwärts nach Berg, weil die ganze Stellung aufgegeben wurde. Bei dem Hofe in der Nähe von Berg bezogen wir mittags 5 Uhr Biwack unter Zelten. In der Nacht stellte sich Regen ein, der den ganzen 17. August anhielt. Nur zum Essen kamen wir aus den Zelten. Am Abend bezogen wir auf dem Hofe Quartier, wo ich ein gutes Lager fand.
Um 9 Uhr des 18. August gingen wir zur Bedeckung des Divisionsstabes bei Mörchingen ab. Bei Rockingen nahm das Batallion Bereitschaftsstellung ein, um dann abends in die Kaserne zu Mörchingen einzuziehen. Hier war das Lager nicht nur schlecht, sondern auch von Wanzen belebt. Am folgenden Tage wieder Bereitschaftsstellung bei Rockingen. Von morgens 4 Uhr ab bis spät abends hatte das 5. Infanterieregiment vor uns ein Gefecht zu bestehen. Heftige Kanonade! Die Nacht, die sehr kalt war, brachten wir bis um 9 Uhr im Schützengraben zu und schliefen dann bis um 5 Uhr auf dem Boden. Alsdann erfolgte der Abmarsch zum alten Lagerplatz. Zunächst wurde gegessen und dann in die Stellung des 2. Batallions abgerückt. Von 7 – 11 Uhr des 20. August dienten wir als Unterstützung hinter der Mitte. Die Schlacht war jetzt im Gange. Die ersten Granaten und Schrapnelle kamen geflogen. Ausgeschwärmt gingen wir vor, um uns hinter Mörchingen zu sammeln. Der Anblick des Schlachtfeldes, der sich uns hier darbot, war ein schrecklicher. Beim Überschreiten der ersten Anhöhe wurde ich von einem Schrapnell durchs Bein getroffen. Ich schleppte mich, so gut es ging, bis ich bewußtlos liegen blieb. Beim Wiedererwachen befand ich mich im Lazarett zu Mörchingen, wo ich verbunden wurde, nach dem ich bis 9 Uhr nachts auf dem Boden gelegen hatte. In Mörchingen blieb ich bis zum 22. August, wo ich um 8 Uhr mittelst Auto ins Lazarett nach Zweibrücken fuhr. Am 24. August besuchte mich hier meine Mutter. Als ich soweit hergestellt war, daß ich einigermaßen gehen konnte, kam ich in das Reservelazarett nach Rockenhausen. Am 28. Oktober trat ich wieder bei meinem Regiment in Landau ein und zwar bei der ersten Ersatzkompanie. Vom 18. Dezember an ging ich zum zweiten mal ins Feld und kam zur Armeegruppe Falkenhausen, die in den Vogesen stand.

Aus den Briefen des Unteroffiziers Ludwig Zepp von Oberndorf ist Folgendes zu entnehmen:

Riningen, 15. Oktober 1914.
Bei unserer Feuertaufe hatten wir Glück: Da hagelte es nur so Granaten und Schrapnells, aber wir kamen durch und verloren niemand. Ungünstiger war in der vorigen Woche ein Vorpostengefecht. Da hatten wir leider 3 Tote und 2 Verwundete. Aber deshalb lassen wir den Mut nicht sinken, denn solches kommt vor. Es geht ja fürs geliebte Vaterland.
Deutsch-Avricourt, 20. Oktober 1914.
Diese Woche hatten wir ein Gefecht. Schloß Chatillion haben wir gestürmt, den Besitzer, weil er einen Mann von uns mit dem Jagdgewehr erschossen hat, niedergestochen. Wir verloren einige Leute, ungefähr 10 Mann, die Franzosen 3-400 Tote und Verwundete. Feige Gesellen sind sie. Wir waren 4 Tage fort, heute kehrten wir wieder gesund zurück. Die Franzosen wollten zwischen Cyre und Varl, 3 Stunden von hier, durchbrechen, jetzt sind sie wieder verschwunden.
Ich glaube, die Oberndorfer Gemeinde wird auch ihrer tapferen Vaterlandsverteidigern gedenken und sie mit einer kleinen Liebesgabe an Weihnachten erfreuen. Man weiß zu Hause gar nicht, wie wohl und zufrieden man ist, wenn man aus der Heimat etwas erhält.
4. Dezember 1914.
Bei Patrouillengängen stoßen wir öfter mit den Franzosen zusammen. Heute vor 8 Tagen haben sie auf mich und 8 Mann, die mit auf Parouille waren, mindestens 100 Schuß gemacht. Es pfiffen die Kugeln nur so um die Ohren. Getroffen haben sie niemand. Die Luder lagen im Walde versteckt und schossen auf über 1000 m Entfernung.
12. Dezember 1914.
Eines macht uns zu schaffen: das regnerische Wetter. Da bleibt man bald im Schmutz stecken. Es ist nur gut, daß wir nicht soviel zu laufen haben, hier als Grenzschutz; aber eine böse Arbeit ist es Schützengräben anzulegen. Wir graben uns hier fest ein. Das sollten Sie mal sehen, was für eine gute Stellung wir haben. Sollten die Franzosen hier einen Durchbruch versuchen, so ginge es ihnen schlecht. Gerade in der letzten Zeit versuchten sie hier durchzubrechen, wurden aber immer wieder mit großen Verlusten zurückgeworfen. Wir haben in unserer Kompanie 2 französische Dragoner gefangen. Dabei haben sie den ganzen Tag mit Artillerie und Infanterie unseren Vorposten beschossen, ohne jemand zu treffen.
19. Dezember 1914.
Heute früh vom Vorpostendienst zurück. Jetzt 2 Tage Ruhe. Wir sind immer 6 Tage von hier weg. 2 Tage Bereitschaft, 2 Tage Reserve und dann 2 Tage Ruhe. Als wir heute morgen zurückkehrten, da hörten wir die großen Siegesnachrichten. Das Strafgericht Gottes ist plötzlich über unsere Gegner gekommen. Wohl ein feierliches Gefühl für einen jeden von uns, nach einem halben Jahr die Glocken einmal wieder zu hören nach der großen Entscheidung!
23. Dezember 1914.
Heute brannten wir unser kleines Christbäumchen an. Morgen am heiligen Abend auf Vorposten vorm Feind. Unsere Feier am 2. Weihnachtstage in Deutsch-Avricourt, 2 Tage Ruhe, wenn uns die Franzosen in Ruhe lassen. Herzlichen Dank für die Liebesgaben. Die Freude, wenn man von daheim etwas bekommt, ist größer als man daheim glaubt. Kritik an dem Beschluß´der Gemeinde Oberndorf ihren tapferen Kriegern, die draußen vor dem Feind stehen und für ihr Vaterland und ihre Lieben Gut und Blut einsetzen, zu üben, möchte ich mich enthalten (siehe oben). Es ist ja nicht wegen der kleinen Gaben, die jeder bekäme, es würde aber jedem eine große Freude gewesen sein, die die Oberndorfer Gemeinde ihren Söhnen bereitet hätte.
Zepp wurde beim 4. bayerischen Landwehrinfanterieregiment zum Segeanten befördert. Anfang 1915 wurde das Regiment nach Fonleray, eine dreiviertel Stunde von Deutsch-Avricourt verlegt, nach dem es 23. Wochen Dienst im Schützengraben gemacht hatte, und war gut untergebracht.
10. März 1915.
Der Kraftverkehr war 14 Tage gesperrt. Wir kamen aus der Ruhe 14 Tage fort und haben unterdessen Schweres durchgemacht, den Franzosen Gelände abgenommen und sind, Gott sei Dank, wohlbehalten wieder hier, wo wir zum Grenzschutz den alten Platz wieder einnahmen. Nun haben wir den Krieg auch von der bösen Seite kennen gelernt und erfahren, was unsere Kameraden im Norden und Osten auszuhalten haben. Aber unsere Pflicht haben wir erfüllt als Soldaten und volle Anerkennung bei den Vorgesetzten gefunden.
25. März 1915.
Jetzt haben wir nach 8 anstrengenden Tagen Vorpostendienst auf einige Tage wieder ein gutes Bett. Es ist ein Elend mit dem Regenwetter. Auch die Operationen sind dadurch erschwert und ziehen sich in die Länge.
3. April 1915.
Die Franzosen vor uns zeigen große Rührigkeit, besonders mit ihrer Artillerie. Beschossen heute früh ein Dorf vor unserer Front, in dem an 900 französische Einwohner sind und wir eine Feldwache haben. Einige Einwohner wurden schon getötet. Unsere Stellungen greifen sie nicht an, denn sie würden sich verbluten.
8. Mai 1915.
Welche große Freude wird bei Ihne daheim der große Sieg im Osten gebracht haben, der, wie wir bestimmt hoffen, den heiß ersehnten Frieden bringen wird!
10. Mai 1915.
Wenn Italien nicht dazwischen spielt, wird, wir hoffen es alle, das Ende nicht mehr fern sein.
19. Mai 1915, Köln am Rhein.
Bin hierher versetzt zu den Pionieren. Es kann jeden Tag weggehen nach Rußland, Frankreich oder gar Italien. Ist egal. Wir sind bereit: Hiebe bekommen sie alle.
30. Mai, Belgien.
Wir sind seit gestern Abend auf der Fahrt nach hier. Fahren heute Abend zurück und kommen morgen Nachmittag an unseren Bestimmungsort. Tod-müde!
6. Juni 1915, Frankreich.
Von Belgien nach Frankreich zurück. Hier sieht es böse aus. Es gibt nichts mehr zu kaufen, da alle Orte ringsum voll Truppen liegen. Wir wohnen auf freier Strecke in einem Eisenbahnwagen. Sehr heißes Wetter, sehnen uns nach Regen. Bis zum Frieden wird es noch weit sein. Wir sind ungefähr 10 – 15 km hinter der Front.
18. Juli 1915, Challerange.
Hier ist seit einigen Tagen stürmisches Wetter mit Regen. Die Heuernte, sonst gibt es hier nichts, ist durch das Militär eingebracht. Wir sind gleich hinter den Argonnen und da ist meistens schon Wald. Eine baldige Beendigung des großen Kampfes ist nicht festzustellen. Unsere Armee, zu der wir gehören, die Kronprinzenarmee, hat in den letzten Tagen schöne Erfolge gehabt: 7000 Gefangene, ca. 10 Geschütze. Unsere Gase, mit denen wir schon so oft erfolgreich angegriffen haben, spielen eben wieder eine große Rolle.
24. Juli 1915.
Wir glauben und erwarten, daß in den nächsten Tagen die große Entscheidung fällt und wir dem siegreichen Ende des Krieges nahe gerückt sind. Hoffentlich dürfen wir dieses Jahr als Sieger heimkehren.
31. Juli 1915.
Wir sind nun nach 4 Tagen und 4 Nächten Fahrt ganz oben in Ostpreußen angekommen, in einigen Minuten fahren wir über die russische Grenze. In einer Stunde erreichen wir Kolno.
21. August 1915.
Nach den großen Siegen hier im Osten kann man von einem baldigen Frieden sprechen und vom Wiedersehen in der Heimat. Wir sind glücklich aus dem Osten zurückgekehrt und haben den alten Platz bezogen in Nordfrankreich. Wir sehnen uns nach Frieden. Die Lage ist günstig und unsere Gegner sind auch kriegsmüde.
18. September 1915, Novion-Porzien.
In den Operationen bzw. Fortschritten auf den Kriegsschauplätzen ist eine gewisse Ruhepause eingetreten. Nur glaube ich, daß es am baldigen und endgültigen Sieg nichts ändert. Hier steht ein großes Unternehmen bevor und ich glaube, die nächsten Wochen werden hierzu Gewißheit bringen. Wir liegen mit dem 36. Pionierregiment, welches die ganze Kriegszeit schon im Osten mit den selben Mitteln kämpfte wie wir im Westen, vor Reims (Die Andeutung von dem großen UNternehmen verwirklichte sich in den großen Herbstoffensiven 1915). Wir vertrauen auf Gott und hoffen, daß er uns wie bisher zu neuen und sicheren Siegen verhelfen wird. Bei uns werden große Vorbereitungen getroffen und fest gearbeitet. Wir alle klagen nicht und wenn auch Tag und Nacht gearbeitet wird, so sehnen wir uns alle nach einem recht baldigen und siegreichen Ende. Ein jeder hat genug und auf allen Gesichtern kann man sehen, daß keine echte Lust mehr vorhanden ist zum weiteren Fortführen des schrecklichen Mordens.
24. September 1915.
Die große Offensive der Franzosen und Engländer ist wieder in die Brüche gegangen. Überall mit großen Verlusten zurückgeschlagen, dabei 10 000 Mann Gefangene gemacht. Aber sie haben auch Erfolge erzielt. Außer viel Material haben sie auch einige Geländegewinne gehabt und zwar vor uns, zwischen Argonnen und Reims. Sie drangen nach fast 70stündiger Artillerievorbereitung in einer Frontbreite von 25 km in unsere Hauptstellung ein. Ich glaube, nach Aussagen von Kameraden und französischen Berichten haben sie von uns ebensoviele gefangen. Gescheitert ist der Durchbruch auf der ganzen Linie. Es war ein schrecklicher Kanonendonner drei Tage lang. Die Erde bebte sogar bei uns, liegen wir doch auf der Ringbahn, auf die sie es abgesehen haben. Jetzt haben wir ungeheuere Truppenmassen vom Osten bekommen, schon 8 Tage und Nächte ein Zug hinter dem anderen und ich glaube, es steht etwas Großes bevor. Man hört, Mackensen ist da, seine Truppen seien es, die ankommen (stimmte nicht!).
13. November 1915, Montigny.
Wir haben hier sehr viele Kartoffeln geerntet und besonders viel Obst. Von letzterem sandte ich meiner Frau bei einem Transport nach Ludwigshafen 1 Ztr. Äpfel. Sie freute sich riesig. Wir wurden vor 8 Tagen aus Reims weggenommen und stehen vor Verdun. Am ersteren Orte brachten wir drei Wochen zu; gleich rechts der Durchbruchsstelle der großen Offensive brachten wir den Franzosen furchtbare Verluste bei, nach Schweizer Blättern 17 000 Tote und Verwundete. Hier kommt es gerade so. Es bleibt ein Stellungskampf. Erfreulich ist, das bei den Kampfmittel, die wir verwenden, wir fast keine Verluste haben. Wir arbeiten öfter Tag und Nacht und nun steht wieder etwas bevor in den nächsten Tagen.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.