Fossilienfund in der Gemarkung Oberndorf

Im Gebiet der Oberndorfer Gemarkung stammen die bodenbildenden Gesteine, also die Gesteine, die an der Oberfläche anstehen, im Wesentlichen aus Ablagerungen aus dem Zeitalter des „Rotliegenden“, einem Zeitabschnitt im übergeordneten Permokarbon. Damals herrschte in unserer Gegend ausgeprägtes Monsunklima, mit entsprechenden Niederschlagsmengen, was zu einer von Flüssen und  Seen durchzogenen Landschaft führte. Vor knapp 300 Millionen Jahren kam es in dieser Landschaft nicht nur zu intensiven Magmaintrusionen (z.B. die heutzutage als „Feuersteinrossel“ bezeichnete Felskuppe am Weinbergsgelände Beutelstein) und Ascheschüttungen (Aspenbergtuffe), sondern durch Hebungen und Senkungen im Untergrund auch zu Stauungen der Flusssysteme, was zur Bildung von Süsswasserseen führte. Die Ablagerungen dieser Süßwasserseen bestehen aus sehr fein geschichteten Kalk- und Tonsteinen. In den Tiefen dieser Seen herrschte Sauerstoffmangel und in dessen Folge gab es auch kaum Bodenleben, so dass optimale Bedingungen für das Entstehen von Versteinerungen der damaligen, in den Seen vorkommenden Lebewesen gegeben waren.

Diese ehemaligen Süßwasser-Seeböden treten heute an verschiedenen Stellen in der Gemarkung als „Schiefer“ zu Tage. Die abgebildete Fossilie wurde in einem solchen Gestein, welches beim Bau der Ortsumgehungsstraße freigelegt wurde, im Oktober 1986 entdeckt. Der  Fundort liegt auf der Trasse der B 48, Gemarkungsteil „auf der Rolle“ etwa in Höhe der Brücke über die Umgehungsstraße zur Mährenbach hin.

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Vollständiges, sehr gut erhaltenes Individuum aus einem Seehorizont, gefunden in einer Ablagerung des Unterperm, Rotliegend-Gruppe, Glan-Subgruppe, mutmaßlich der Meisenheim-Formation.

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Das Fotomaterial wurde von dem Finder und Präparator der Fossilie, Herrn Norbert Guckeisen, im Heerdell 5, 67821 Oberndorf, freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Leser mit Interesse an näheren Einzelheiten wenden sich bitte direkt an Herrn Guckeisen.

Bei der auf den Fotographien abgebildeten Fossilie handelt es sich mutmaßlich um ein Exemplar eines Schmelzschuppenfisches (Ganoidei) der Art „Aeduellidae“. Diese Art ist unter anderem an ihrem runden Kopf mit relativ großer Augenhöhle, einem kurzen Mundspalt und einer fast vertikalen Orientierung der vorderen oberen Kiemenknochen zu identifizieren. Der Oberkiefer ist charakteristischer Weise sehr schmal und am Hinterrand nur leicht erhöht, die Beschuppung kräftig, aber glatt.

Der Autor dankt dem Besitzer und Finder der Fossilie, Herrn Norbert Guckeisen, Im Heerdell 5, 67821 Oberndorf, für die Überlassung des Fotomaterials und die fachkundige Erläuterung.

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